Anarchisten bestürmen Verteidigungsministerium - Banken angegriffen und Autos in Brand
Rom - Bei der Großdemonstration von Kapitalismuskritikern
und Gegnern der italienischen Regierung von Silvio Berlusconi in Rom
ist es am Samstag zu Straßenkämpfen und schweren Vandalenakten mit
Verletzten gekommen. Vermummte Mitglieder anarchistischer Bewegungen
beschädigten Bankenfilialen, Arbeitsämter, Tankstellen und den Sitz
des Steueramts. Am Rande der Proteste gegen die Macht der Finanzwelt
setzten Demonstranten einen Anbau des Verteidigungsministeriums in
Brand.
Aus dem Anbau des Ministeriums in der Via Labicana schlugen
Flammen aus den Fenstern und aus dem Dach. Mehrere Räume des
Verteidigungsministeriums wurden durch Sprengsätze und Rauchbomben
beschädigt. Die Feuerwehr versuchte, den Brand unter Kontrolle zu
bringen.
Bei den Protesten
sind laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa 70 Menschen verletzt worden.
Drei von ihnen seien schwer verletzt, hieß es am Samstag.
Wasserwerfer
Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die etwa hundert zum Teil
vermummten Demonstranten ein. Wegen der Wolke von Tränengas konnte
die Gruppe friedlicher Demonstranten, die bis zur Lateranbasilika
ziehen wollten nicht ihr Ziel erreichen. Zudem drang eine Gruppe
Vermummter in eine der abgesperrten archäologischen Stätten in der
Nähe des Kolosseums ein.
Knüppeln und Eisenstangen
Mit Knüppeln und Eisenstangen bewaffneten Jugendliche setzten
Dutzende von Autos in Brand. Unweit der Lateranbasilika kam es zu
Straßenschlachten zwischen Vermummten und den Sicherheitskräften. Die
Polizei setzt gepanzerte Fahrzeuge gegen die Anarchisten ein. Gegen
die Black Blocks griffen die Sicherheitskräfte mit Tränengas ein.
Drei Personen wurden festgenommen, mehrere Polizisten und
Demonstranten wurden verletzt.
Molotowcocktails
Unweit der Basilika Santa Maria Maggiore griffen die Anarchisten
eine Gruppe von Carabinieri mit Steinen und Molotowcocktails an.
Unweit des Kolosseums kam es zu Ausschreitungen zwischen Anarchisten
und Linksextremisten. Ein Demonstrant wurde von einer Gruppe
vermummter Demonstranten mit einer Flasche angegriffen und verletzt.
Er wollte die Anarchisten daran hindern, Molotowcoctails gegen die
Polizei zu werden. Mehrere TV-Teams wurden von Demonstranten
angegriffen.
2.000 Polizisten im Einsatz
Schärfste Sicherheitsvorkehrungen waren aus Sorge vor Krawallen
ergriffen worden. 2.000 Polizisten wurden unter anderem zum Schutz
von Banken und anderen Institutionen eingesetzt. Vier
U-Bahn-Stationen wurden gesperrt. Die Demonstranten wurden daran
gehindert, sich dem Parlament und dem Regierungsgebäude zu nähern.
Oppositionschef Pierluigi Bersani verurteilte die Ausschreitungen.
Rund 200.000 Personen beteiligten sich laut den Organisatoren an
der Protestkundgebung in Rom. Es handelt sich um den ersten großen
Massenprotest, seitdem die Regierung Berlusconi im September ihr
Sparpaket zur Schuldeneindämmung verabschiedet hat. In den letzten
Tagen haben soziale Proteste in Italien stark zugenommen. Seit
Mittwoch verbringt eine Gruppe von Demonstranten die Nächten in
Zelten vor der Notenbank, um gegen die "Vorherrschaft der Finanz" zu
protestieren. (APA)