Verhandlungsführer wenden Metaller-Streik in letzter Minute ab

16. Oktober 2011, 21:21
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Lohnverhandlungen gehen am Montag weiter

Wien - Entwarnung im Arbeitskampf der Metallindustrie: Die "Sondierungsgespräche" am Sonntag haben zu dem Ergebnis geführt, dass am Montag die Kollektivvertragsverhandlungen wieder aufgenommen werden. Ursprünglich war nach dem Scheitern der zweiten Lohnrunde am Mittwoch erst der kommende Donnerstag, der 20. Oktober, als nächster Termin vorgesehen gewesen. Aber die Gewerkschaften hatten mit Warnstreiks in rund 200 Betrieben mit 100.000 Mitarbeitern eine frühere Gesprächsaufnahme herbeigeführt - nachdem sie am Mittwoch wegen ihrer Meinung nach unzufriedenstellender Angebote der Industrie die Verhandlungen unterbrochen hatten.

Bis auf weiteres sind alle Warnstreiks ausgesetzt, am Montag um 14.00 Uhr wird in der Wirtschaftskammer weiterverhandelt. Das Angebot der Arbeitgeber lag zuletzt bei 3,65 Prozent Lohnerhöhung und einer Einmalzahlung von 200 Euro, die Arbeitnehmer verlangten 5,5 Prozent. In der ORF-Sendung "Im Zentrum" sollten Sonntagnacht die beiden Chefverhandler - Christoph Hinteregger auf Arbeitgeberseite und Rainer Wimmer auf Gewerkschaftsseite - auftreten, beide sollen ihren Besuch im Studio abgesagt haben.

Zahlreiche Kommentare

Der Arbeitskonflikt hat zu zahlreichen Kommentaren geführt: Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will sich zwar nicht aktiv in den Konflikt in der Metallindustrie einmischen, er kritisiert die Streiks in der Metallindustrie aber als verfrüht. Er glaube, dass "das Mittel Streik zu früh ergriffen worden ist, und dass man mit diesem Instrument sehr sorgsam umgehen sollte", sagte er am Samstag im ORF-"Morgenjournal". Der Minister warnte überdies - unter Hinweis auf den zu erwartenden Konjunkturabschwung - vor einer zu großen Lohnerhöhung. Die Replik der Gewerkschaft: Ein Wirtschaftsminister sollte sich nicht auf die Seite der Arbeitgeber schlagen, sondern das Interesse der Gesamtwirtschaft im Auge behalten, betonte am Samstag GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian. Und angesichts der hohen Teuerungsrate müsste der Minister "ein großes Interesse an einer Aufrechterhaltung der Kaufkraft der Beschäftigten" haben, meint der Gewerkschafts-Chef.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) hat sich für "vernünftige Lohnerhöhungen" ausgesprochen, setzt aber offenbar auf einen Dialog: Man müsse die Zeit für Verhandlungen nutzen, sagte er im Gespräch mit der "Presse am Sonntag". Innenministerin und ÖAAB-Chefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) fordert die Sozialpartner auf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. "Ein Streik hat nie ein Problem gelöst", so Mikl-Leitner zur Tiroler Tageszeitung (Samstagausgabe). Zurückhaltend zeigt sie sich zu den Gewerkschaftsforderungen: "Die Arbeitnehmer sollen in guten Jahren partizipieren, doch es liegt eine Rezession vor uns."

Sympathie in der Bevölkerung

Die Bevölkerung steht offenbar hinter den Streiks der Metaller. In einer Gallup-Umfrage für die Tageszeitung "Österreich" (Sonntagsausgabe) hielten 51 Prozent der Befragten den Streik in der Metall-Industrie für gerechtfertigt, 41 Prozent waren gegenteiliger Meinung. Besonders große Sympathie zeigten die Anhänger von SPÖ (78 Prozent) und FPÖ (73 Prozent). Für 2012 forderten die Befragten (800 am Donnerstag und Freitag) eine Lohnerhöhung deutlich über der Inflationsrate. 66 Prozent sprachen sich dafür aus, dass das Plus für 2012 mehr als 4 Prozent ausmachen soll. 28 Prozent forderten, dass die Löhne um mehr als 5 Prozent steigen. (APA)

  • Gegen 14.00 Uhr starteten am Sonntag neue "Sondierungsgespräche" zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft. Bilder wie von dieser Betriebsversammlung der Voest in Linz vom vergangenen Freitag würde sich die Industrie künftig gerne ersparen.
    foto: erich müllegger

    Gegen 14.00 Uhr starteten am Sonntag neue "Sondierungsgespräche" zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft. Bilder wie von dieser Betriebsversammlung der Voest in Linz vom vergangenen Freitag würde sich die Industrie künftig gerne ersparen.

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    In der Metallindustrie standen am Freitag 200 Betriebe still, rund 100.000 Metaller waren wegen des Arbeitgeberangebotes während der laufenden Kollektivvertragsverhandlungen im Ausstand.

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