Aufziehende Krise dämpft Preise bei Wellness

14. Oktober 2011, 20:44
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Erstmals gibt es mehr als 1000 Wellness-Hotels in Österreich. Nun muss das Gros der Branche vorsichtiger kalkulieren. Grund ist die Konjunktur

Wien - Die Tourismuswirtschaft stellt sich auf kältere Zeiten ein. Erwies sich die Branche im Abspann der Krise 2008 noch als stabilisierender Faktor in Österreich, zerren Meldungen über Schuldenkrise und Konjunktureintrübung jetzt zunehmend auch am Nervenkostüm der Hoteliers.

Ein Indiz ist die Preispolitik: Hotels mit Wellnessangeboten, die in der Regel teurer sind als Häuser ohne Badelandschaften und Behandlungseinrichtungen, sind in ihrer Preispolitik generell vorsichtiger geworden.

"Den Top-Häusern gelingt es, ihre Preise zu halten, andere haben zunehmend Probleme damit", sagte Christian Werner, Herausgeber der eben erschienenen neuesten Ausgabe des Relax Guide (287 Seiten, 24,90 Euro) dem Standard.

Deutschland ist teurer

Wie schon in den Jahren zuvor ist Werner mit einem Team von Leuten alle einschlägigen Hotels abgefahren, hat sie getestet und klassifiziert. Erstmals wurden in Österreich mehr als 1000 Hotels registriert, die mit Wellness werben - 40 mehr als im vergangenen Jahr. Aber nur 283 der getesteten 1009 Häuser wurden mit Lilien ausgezeichnet, dem Qualitätsgütesiegel der Branche.

Dabei zeigt sich, dass die besten Betriebe (vier Lilien) mit einem Zimmerpreis von durchschnittlich 142 Euro - gerechnet pro Person im Doppelzimmer inklusive Halbpension in der günstigsten Kategorie und billigsten Saison - kaum verändert zum Vorjahr sind. Hotels mit zwei (102 Euro) und drei Lilien (117 Euro) mussten hingegen großteils Preisabstriche machen. Die eigentlichen Gewinner waren Hotels mit einer Lilie (sehr gute Leistungen); ihnen gelang es, die Preise im Vergleich zum Jahr davor leicht anzuheben.

"Im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren, als die Preise um das Vier- bis Fünffache der Inflationsrate stiegen, liegen die Preissteigerungen jetzt deutlich unter der allgemeinen Teuerung", sagte Werner. Lag der Durchschnittspreis aller Lilienhotels in Österreich zuletzt bei gut 97 Euro, sind es jetzt um drei Euro mehr. Von 2009 auf 2010 wurden im Durchschnitt um sechs Euro mehr draufgeschlagen.

Im Vergleich zu Deutschland freilich sind die Preise in Österreich noch immer moderat. "Auf der anderen Seite der Grenze kostet ein Wellnessurlaub um durchschnittlich 15 Prozent mehr", sagte Werner. Dabei könne das Angebot in Deutschland mit dem in Österreich in den allermeisten Fällen nicht mithalten.

An der Spitze der besten Wellnesshotels finden sich wie schon im Vorjahr der Salzburgerhof in Zell/See, Reiter's Supreme in Bad Tatzmannsdorf (Burgenland), der Steirerhof in Bad Waltersdorf, der Krallerhof in Leogang (Salzburg), die Schalber Wellness Residenz in Serfaus (Tirol), Aenea in Reifnitz-Sekirn und das Ronacher Thermenhotel in Bad Kleinkirchheim (beide Kärnten). Eine Lilie verloren hat unter anderem das Balance Resort im burgenländischen Stegersbach, das erst vor wenigen Monaten von der Falkensteiner Gruppe übernommen wurde.

Die Reihung der Hotels erfolgt mittels eines Punktesystems, das sich an den besten Betrieben orientiert. Neben Wellnessinfrastruktur, Service und Qualität des Essens wird auch die Stimmigkeit des Angebots berücksichtigt. (Günther Strobl, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 15.10.2011)

  • Ayurveda boomt. Viele Hotels gehen mit der indischen Heilkunst auf 
Gästefang. Ob es ein Weg durch die Krise ist, wird sich zeigen.
    foto: standard/meyer

    Ayurveda boomt. Viele Hotels gehen mit der indischen Heilkunst auf Gästefang. Ob es ein Weg durch die Krise ist, wird sich zeigen.

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