"Es kann nur mehr teurer werden"

Interview14. Oktober 2011, 19:24
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ÖGB-Präsident Erich Foglar sieht die Arbeitgeber in der Pflicht, andernfalls wird weiter gestreikt. Die Pro-Ge entscheidet

ÖGB-Präsident Erich Foglar, selbst jahrelang Metallerverhandler, bleibt hart. Ein unbefristeter Streik sei nur mit einem besseren Angebot der Arbeitgeber abzuwenden.

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Standard: GPA-Chef Katzian und Metaller-Chef Wimmer sind beim Metallerstreik an der Front, Sie hingegen wirken sehr distanziert, sitzen quasi hinter der Stauden. Sehen Sie den Streik skeptisch?

Foglar: Wie kommen Sie darauf? Wolfgang Katzian ist Vorsitzender einer streikführenden Gewerkschaft und Rainer Wimmer auch. Selbstverständlich unterstützt der ÖGB die Aktionen ...

Standard: ... oder warten Sie ab, ob es ein Erfolg wird? Der hat ja im Gegensatz zur Niederlage viele Väter.

Foglar: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es gibt eine klare Aufgabenteilung: Kollektivvertragsverhandlungen sind Aufgabe der Fachgewerkschaften, dabei haben sie die volle Unterstützung des ÖGB. Am Verhandlungstisch sitze aber nicht ich. Wir unterstützen die Aktion voll, das steht auch in allen Aussendungen.

Standard: Werden Sie übers Wochenende vermitteln, um einen unbefristeten Streik zu verhindern?

Foglar: Natürlich, aber nur, wenn beide Seiten dies wollen. Ob die Aktionen am Montag weitergehen, liegt ausschließlich an den Arbeitgebern, ob sie in der Lage sind, ein besseres Angebot zu legen. Die Forderungen der Gewerkschaften sind absolut gerechtfertigt. Und: Es kann nur mehr teurer werden. Im Übrigen sind die Aktionen für Montag, auch ein unbefristeter Streik, bereits angekündigt.

Standard: Man wird doch wohl Verhandlungen suchen, oder?

Foglar: Sicher. Aber es kann nur teurer werden. Daher wäre es klug von den Arbeitgebern, mit einem besseren Angebot zu kommen.

Standard: Am zweiten Verhandlungstag um 18 Uhr die Gespräche abzubrechen, das ist quasi wie Büroschluss. Haben Gewerkschafter und Betriebsräte das volle Verhandlungsrepertoire bis drei, vier Uhr in der Früh ausgereizt?

Foglar: Na sicher! Die Gespräche haben ja am Vormittag angefangen. Schauen Sie, unüblich war ja nicht die Veröffentlichung der 5,5-Prozent-Forderung, sondern zuvor die Ankündigung der Arbeitgeber mit den drei Prozent. Hinzu kommt, dass man das heuer sicher nicht in Einmalzahlungen lösen kann. In diesem Dreieck spielt sich das ab. Wenn man sich dann über sechs, sieben Stunden in Marginalien bewegt, kann man schon den Eindruck bekommen, es nützt nichts, wenn wir 40 Stunden hier sitzen. Ich kenne die Gewerkschaft sehr gut, die fangen nicht leichtfertig einen Streik an.

Standard: Die 5,5 Prozent sind sehr hoch gegriffen. Die Wirtschaft stagniert, es ist Krise ...

Foglar: Die 5,5 Prozent sind seriös argumentierbar, weil sie aus der für Metaller maßgeblichen Inflation und der Hälfte des Produktivitätszuwachses bestehen. Wir wissen, die Konjunktur flacht ab, aber wir wissen auch, dass die Branche gut verdient. Sonst dürften wir nie Lohnerhöhungen kriegen.

Standard: Vitales Interesse an einem hohen Abschluss haben die Voestler, weil ein Teil ihrer Lohnerhöhung in die Mitarbeiterstiftung fließt, die Voestaktien hält. Warum lassen sich die Metaller von den Voestlern in Geiselhaft nehmen?

Foglar: Das ist absolut nicht richtig. Wir haben nie den stärksten Betrieb als Maßstab genommen und nie den schwächsten. Die Fundamentaldaten sind über die gesamte Branche. Wenn der Produktivitätsfortschritt fünf Prozent beträgt, bedeutet das, dass einige weit, weit mehr haben. Der Wert ist gewichtet. Würde ich jenen der Besten nehmen, hieße das zehn Prozent. Die Produktivität ist ja so hoch, weil der Personalabbau in der Krise nie aufgeholt wurde. Wenn wir nicht einmal den halben Produktivitätsfortschritt bekommen, wovon reden wir eigentlich? Die Leute haben es einfach satt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 15.10.2011)

Person Erich Foglar ist seit 2008 Präsident des ÖGB. Der gelernte Werkzeugmacher war seit 1988 Finanzreferent der Metallgewerkschaft und ab Juli 2006 Nachfolger von Rudolf Nürnberger als deren Vorsitzender.

  • ÖGB-Präsident Erich Foglar bleibt hart.
    foto: standard/gindl

    ÖGB-Präsident Erich Foglar bleibt hart.

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