Das triste Hin-und-her-Streicheln

14. Oktober 2011, 18:43
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Regina Hofers sechstes Programm "1000 & One Night Stand"

Regina Hofer, geboren 1956 in Gmunden, ist nicht nur Schauspielerin und Kabarettistin, sondern auch Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapeutin und Gruppenpsychoanalytikerin. Wenn sie daher die Triebe des Menschen und die Abgründe der Seele thematisieren will, kann sie auf einen reichen Fundus an wahren, wiewohl anonymisierten Geschichten zurückgreifen.

In ihrem sechsten Programm 1000 & One Night Stand geht es, wie der Titel schon andeutet, um Spielarten der Sexualität. Nicht in Märchenform, nicht verschleiert, nicht verklemmt, sondern ziemlich direkt. Regina Hofer hätte es daher auch "Porno" nennen können. Zum lauthals Lachen gibt es in der Kulisse aber nicht viel: Hofer erzählt einfach – von sich oder von anderen. Und sie spielt Geilheit, ohne dabei peinlich zu sein. Mit Augen, weit geöffnet, berichtet sie etwa, was sie in der finsteren Kabine einer Peepshow sieht. "So sollt man also tun!", denkt sie bei sich.

Sie erzählt von 60-jährigen Männern, die sich junge Freundinnen suchen ("Ich steh auf Spaghetti und Spaghettiträger"), von Frauen, die nach dem One-Night-Stand nicht mehr angerufen werden, weil sie sich zu wenig rar machen. Sie berichtet vom Liebsten, der zu Hause die DVD Talking Pussy hat: "Seit wann stehst du auf Reden?" Und sie stellt ernüchtert fest, dass es nur mehr ein mechanisches Hin-und-herStreicheln, ein "Ich-mag-Dich-nicht-mehr-streicheln-Streicheln", gibt.

Mitunter wird sie politisch – und dann sitzen auch die Pointen: Wenn sie sich Angela Merkel nicht in der Rolle von Strauss-Kahn vorstellen kann. Oder wenn sie bei John Harris KHG im Spiegel beobachtet. "Ich brauch keinen Strache als Rächer", sagt sie – und schmiert dem Grasser eine. (trenk / DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.10.2011)

Kulisse, 18.-20. 10., 24.-26. 11. 20.00

  • Schafft es, nicht peinlich zu sein: Regina Hofer.
    foto: pálffy

    Schafft es, nicht peinlich zu sein: Regina Hofer.

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