Hirscher: "Du spürst permanent den Mann hinter dir"

Interview | Benno Zelsacher, 15. Oktober 2011, 10:25
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    foto: apa

    "Auf dem Motorrad lerne ich, Spuren zu lesen, das Tempo mitzunehmen, nicht überflüssig zu investieren."

Marcel Hirscher gibt in Sölden nach einer Verletzung sein Come­back - Er spricht über Motocross, Skisport, Race und Coolness

Standard: Wenn man bei Ihrem Vornamen das M und das L weglässt und das R mit dem A vertauscht, kommt Race heraus. Das ist Ihrer Homepage zu entnehmen. Ist das der Agentur eingefallen oder Ihnen selbst?

Hirscher: Mir selbst. Race war immer schon das große Stichwort, witzig, dass wir das jetzt so umgesetzt haben. Race ist für mich die große Leidenschaft, die ich mit dem Skifahren verbinden kann.

Standard: Was steht bei Race im Vordergrund, das Tempo oder der Wettbewerb?

Hirscher: Der Wettbewerb.

Standard: Race gibt's ja bei Ihnen nicht nur im Skisport, sondern auch im Motocross.

Hirscher: Leider fahre ich keine Motocross-Rennen. Ich bin zu schlecht. Ich finde, dass man ein gewisses Niveau haben sollte, um sicher Rennen fahren zu können. Ich möchte zwar nicht das Können gewisser Leute schmälern, aber wenn man ein guter Hobbyfahrer ist, dann weiß man im Wettkampf oft nicht, ob sich das jetzt ausgeht, ob ich vor diesem oder jenen in die Kurve reinkomme oder nicht, weil die Erfahrung fehlt. Und dadurch passieren oft blöde Unfälle. Das kann ich nicht riskieren.

Standard: Was können Sie aus dem Motocross mitnehmen auf die Skipiste? Betrachten Sie es als Teil des Trainings?

Hirscher: Es ist mittlerweile ein großer Teil des Trainings. Ich sehe viele Parallelen. Du musst in Extremsituationen das Richtige machen. Bei 190 Puls und unter irrsinniger Belastung. Wenn man 30 Meter weit springt, was ich beim Skifahren aber nicht mache, muss man in der Sekunde richtig reagieren. Eine falsche Entscheidung spürt man sofort. Es muss ja nicht gleich ein Sturz sein, aber es tut trotzdem weh.

Standard: Gibt es noch Parallelen?

Hirscher: Auf dem Motorrad lerne ich, Spuren zu lesen, das Tempo mitzunehmen, nicht überflüssig zu investieren. Zu viel agieren bringt in beiden Fällen nichts. Beim Motocross geht's Mann gegen Mann, das hab ich beim Skifahren nicht direkt. Aber du hast es in dir, du spürst permanent den Mann hinter dir, der dich jagt, weil er deine Zeit jagt.

Standard: Sie gelten als cooler Typ in einer doch traditionellen Sportart. Weshalb?

Hirscher: Ich probiere nicht unbedingt, cool rüberzukommen. Vielleicht glauben die Leute deshalb, dass ich mich anders verhalte als andere. Die Lockerheit, mit der ich meinen Alltag gestalte, vielleicht auch meinen Rennalltag anlege, macht vielleicht den Unterschied zu meinen Kollegen oder anderen Sportlern aus.

Standard: In Österreich herrscht traditionell eine große Sehnsucht nach Skihelden. Beschäftigen Sie sich mit den Wünschen der Fans?

Hirscher: Ich will den Fans etwas zurückgeben, sie via Facebook teilhaben lassen. Jeder hat die Möglichkeit, mir persönlich ein E-Mail zu schicken. Ich antworte.

Standard: Trauen Sie sich zu, in die Fußstapfen von Hermann Maier zu treten?

Hirscher: Das wäre vermessen. Ich habe in der Vergangenheit Sachen gelesen wie der neue Hermann oder die 100 Ähnlichkeiten. Es ist ein großer Blödsinn, nach so kurzer Zeit zu behaupten, dass ich das schaffen kann. Ich glaub auch nicht, dass ich das Zeug dazu hab.

Standard: Trauen Sie sich zu, ein Allrounder wie Ben-jamin Raich zu werden?

Hirscher: Das traue ich mir schon zu. Es ist nur die Frage, ob ich das auch will, ob das in Zukunft Sinn macht. Der Weg geht zurück zur Spezialisierung. Mit drei Disziplinen ist man gut aufgestellt. Und es ist besser, zwei gute Disziplinen zu haben als drei mittelprächtige.

Standard: Sie waren dreimal Junioren-Weltmeister. Schmerzen vor diesem Hintergrund der vierte und fünfte Platz bei Olympia 2010 und der vierte bei der WM 2009 besonders?

Hirscher: Daran denke ich gar nicht gern. Ich bin ja nicht als Favorit nach Vancouver und Val d'Isere gekommen. Umso überraschender waren meine guten Leistungen. Bei Olympia habe ich einen schweren Fehler gehabt, trotzdem war ich nur sieben Hundertstel hinten. Doch hättiwaritati geht einfach nicht. Aber so ist es natürlich viel ärgerlicher, als hätte ich die Rennen total verhaut.

Standard: Ihr erster Trainer war Ihr Vater. Hat seine Tätigkeit an Bedeutung verloren, seit Sie im Nationalteam sind?

Hirscher: Seine Tätigkeit hat sich verlagert vom Skifahrerischen auf andere Bereiche. Er ist das außenstehende, beobachtende Auge. Er schaut, ob die Sachen wirklich in die richtige Richtung gehen.

Standard: Sie haben die WM 2011 wegen eines Kahnbeinbruchs versäumt. Konnten Sie aus dieser Pause etwas Positives mitnehmen?

Hirscher: Definitiv. Die Frage ist nur, ob man sich das im Nachhinein einredet, weil man ja probiert, aus jeder schlechten Situation auch etwas Positives rauszuholen. Ich habe jedenfalls dadurch einen anderen Bezug zu Verletzungen bekommen. Früher habe ich mit Verletzungen von Kollegen leichter umgehen können, aber nicht im positiven Sinn, sondern eher leichtfertig. Nun weiß ich, was dahintersteckt, und jeder, der sich auch nur den Finger bricht, tut mir leid.

Standard: Sind Sie vorsichtiger geworden?

Hirscher: Ich versuche nicht, beim Training zurückzuziehen. Nach der Verletzung macht man das automatisch, doch das Vertrauen in mich und das Material war bald wieder da. Ich war relativ schnell wieder beim alten Risiko.

Standard: Bei jedem Schwung droht das Ende des Spiels. Haben Sie einen Plan B?

Hirscher: Natürlich. Ich habe mich für die Ski-Hotelfachschule entschieden, weil ich der Überzeugung war, sollte das mit dem Skifahren nicht funktionieren, dass eine ausgebildete Arbeitskraft im Tourismus immer gefragt sein wird. Ich kann mir aber auch eine Rolle als Personal Coach oder in der Medienbetreuung vorstellen. (DER STANDARD Printausgabe, 15./16.10.2011)

marcel hirscher (22) kommt aus Annaberg-Lungötz, Salzburg. Mutter Niederländerin, Vater Österreicher. Der Absolvent der Ski-Hotelfachschule Bad Hofgastein und dreifache Junioren-Weltmeister gewann drei Weltcuprennen (zwei Riesenslaloms, einen Slalom) und schaffte es insgesamt 13 Mal aufs Podest.

Kommentar posten
22 Postings
mrfreeze
 
43
16.10.2011, 08:19
Der Ski

ist ein nordisches Nahverkehrsmittel und hat in den Alpen nichts verloren!

Már
18
16.10.2011, 11:32
Der Troll

ist ein Wesen aus der nordischen Mythologie und hat in Foren nichts verloren!

FinalDestinati0n
01
15.10.2011, 12:23

LMFAO...

thats what she said!

ratatataaaa
04
15.10.2011, 11:01
Hirscher: "Du spürst permanent den Mann hinter dir"

Ähh ja das kann man auch missverstehen :>

Lukinator
10
15.10.2011, 01:37

sein fahrstil ist einfach nur wahnsinn...ich traue ihm viel zu, aber zum alleiunder sollte er nicht werden...überhaupt bei der hohen verletzungsquote in den speed bewerben...

neinschatzijetztnicht
510
14.10.2011, 19:11
OH NEIN JETZT GEHT DAS WIEDER LOS

Ich finde Schifahren und Sport überhaupt grundsätzlich sehr cool und ziehe meinen Hut vor den Athleten.

Nur: In österreich geht dieser Schizirkus echt sowas von ab, ich finde das etwas zu viel. Jeden Samstag nur nur nur Schifahren am orf... oh mann.
Und jetzt gehts wieder los.

Suppenhendl
00
1.11.2011, 20:10

Yeah! Das wird wieder eine geile Saison! :D

SO wie für einen waschechten Ami Monday Night Football, Baseball, NBA (naja), NHL...so ist das für mich der Ski Weltcup. Oleoleole!

niki123
00
15.10.2011, 12:14

kannst ja den coolen frauenschläger charlie eh weiterhin im privatfernsehen schauen.

neinschatzijetztnicht
00
15.10.2011, 17:20
Ich hab Telekabel abgemeldet..

.. und ich kann das jedem empfehlen.

Kontrahent1
03
15.10.2011, 11:54
In dieser Sportart

können die Österreichischen Sportler wenigstens mitreden.- Die Fußballreporter brüllen im Radio genauso unerträglich, aber da meist wegen vergebener Chancen oder eingesackter Tore.

Lukinator
12
15.10.2011, 01:39

du musst dirs ja nicht anschaun...schi fahren ist das einzige neben schi springen auf das österreich stolz sein kann

madeingermany
45
14.10.2011, 23:03
Ja, das ist die weiße Skeiße!

Nach der Braunau-Causa ist das die zweite austriakische Sünde an der Menschheit (wenn man aus Höflichkeit die katholische Hybris verschweigt). Da würde sogar der Prüller mt 0,0 Promille zustimmen!

Kontrahent1
12
15.10.2011, 11:57
Es gibt eine Milliarde Katholiken

auf der Welt. Da ist die Österreich-Abteilung nichts als ein Fliegensch... Ich könnte Ihren Ausbruch verstehen, wenn Ihr einzig empfangbarer Radiosender 'Radio Maria' aus Polen wäre. Die österreichischen Katholiken lassen sich weit einfacher ignorieren als Sportreporter.

Gerry Mander
13
14.10.2011, 21:15
auf der ganzen welt werden wir von leuten, die vom schifahren eine ahnung haben

dafür beneidet...

wer nicht will, muss nicht einschalten und heute sollten genügend alternative kanäle verfügbar sein wenn man was anderes sehn will. Am besten ist aber immer noch: selber machen - ist ähnlich wie beim porno!

Nanker / Phelge
00
14.10.2011, 20:31

es gibt aber schon geile Rennen, jedenfalls sind die Österreicher im alpinen Skisport besser als im Fußball

superloser
03
14.10.2011, 21:40

"Besser als im Fußball" ist in Österreich aber noch keine allzu hohe Hürde.

neinschatzijetztnicht
00
14.10.2011, 21:24
das ist allerdings wahr :)

Karl Labruni
22
14.10.2011, 19:21
Ich freu mich, nur noch 7 mal schlafen!

Kontrahent1
00
15.10.2011, 11:58
und dann?

Fast 2 Monate Pause!

freilaufend
00
15.10.2011, 13:07

naja,

3 Wochen später: Levi
dann 2 Wochen später beginnen schon die Überseerennen.

ghgh
20
14.10.2011, 19:05

Der hirscher is a geiler Typ ;)
Wünsche ihm heuer viel Glück
und Erfolg!

Snowrider
20
14.10.2011, 19:02
Hermann?

Endlich wieder ist der gelbe helm im österreichischen team wieder zurück. Gib gas und wie hermanns motto: wer bremst verliert. Alles gute für die saison, marcel

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