Vom Mehrwert der gedruckten Zeitung

14. Oktober 2011, 21:19
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Beim World Editors Forum präsentierten DER STANDARD und andere Zeitungen ihre Strategien in Zeiten von Eurokrise und Internet. Tenor: Zentral sei die Besinnung auf die eigenen Stärken

Wien - Der 63. Weltkongress der Zeitungen widmete sich am Freitagvormittag dem Thema Finanzen. Prinz Michael von Liechtenstein zeichnete ein ziemlich düsteres Bild: Er befürchtet eine Rezession, der Konsum werde zurückgehen, die Arbeitslosigkeit steigen, was zu sozialen Unruhen führen werde. Die Krise sei nicht so sehr eine des Euro, sondern der Staatsfinanzen, die Regierungen würden aber nicht wissen, wie sie mit ihr fertigwerden könnten. Sie gingen nicht ehrlich mit dem Problem um, was zur Folge habe, dass das Vertrauen in sie schwinde.

Greg Beitchman, Global Editor bei Reuters, will die Hoffnung dennoch nicht aufgeben: Die Zeitungen hätten der Gesellschaft über Jahrhunderte hinweg einen Mehrwert verschafft, dies müsse doch auch in Zukunft möglich sei.

Just zur gleichen Zeit fand nebenan in der Messe Wien beim 18. World Editors Forum eine Gesprächsrunde statt, die Antworten auf die zentrale Frage finden wollte: Auf welche Inhalte sollten sich Printzeitungen konzentrieren, die erfolgreich bestehen wollen?

Auch Han Fook Kwang, redaktioneller Leiter der höchst erfolgreichen Straits Times in Singapur, sprach von Vertrauen: Es sei der Hauptgrund, warum die Leser die Zeitung kaufen. Es spiele dabei keine Rolle, ob sie die Informationen schon am Tag zuvor erhalten haben: Von Bedeutung sei nur, wie man die News kommentiere.

Die Eurokrise etwa habe riesige Auswirkungen, auch auf Singapur. Man müsse diese eben den Lesern im richtigen Kontext erklären. Die Journalisten sollten daher machen, was sie am besten können: Fakten zusammenzutragen und gut schreiben. In dieser Kombination - sprich: Qualitätsjournalismus - seien sie unschlagbar.

Man biete zwar Online an, sagte Han Fook Kwang, den Umsatz aber mache man mit Print. Daher entscheide man gezielt, welche Artikel ins Netz gestellt würden - um die Zeitung attraktiv zu halten.

Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid präsentierte die regelmäßigen Schwerpunktausgaben als Strategie zur Lesergewinnung: Das funktioniere nur gedruckt. Ihr Hinweis, dass in Österreich 73 Prozent der Erwachsenen Zeitungen lesen, erfüllte Luca de Biase, den Chefredakteur von Nòva24, mit etwas Neid: In Italien liegt der Prozentsatz auch aufgrund der vielen funktionalen Analphabeten unter zehn Prozent.

Er rät, sich auf die Stärken von Print zu besinnen: Es gibt keinen endlosen Strom an Infos, die Inhalte würden ausgewählt. Die Zeitung habe den Vorteil, dass sie irgendwann ausgelesen ist. Der Leser habe also ein Erfolgserlebnis - und er ist nicht abhängig von der Stromversorgung. (Thomas Trenkler, DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.10.2011)

  • Diskutierten beim "World Editors Forum" Zukunftsstrategien: Luca de Biase (l.), Han Fook Kwang und Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.
    foto: standard/cremer

    Diskutierten beim "World Editors Forum" Zukunftsstrategien: Luca de Biase (l.), Han Fook Kwang und Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.

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