Der Mann für alle Fälle

14. Oktober 2011, 17:08
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Der von den Sofa Surfers bekannte Musiker Wolfgang Schlögl stellte im Wiener Wuk seine diversen Nebenprojekte vor. Man hörte ihn u. a. mit dem "Faraday Orchestra" und dem "Paradies der Tiere"

Wien - Wolfgang Schlögl ist der Musiker und Produzent, auf den sich alle einigen können. Das liegt daran, dass der Wiener Hans Dampf als eloquenter, sympathischer Mensch nur mit einem Laptop und Garage-Band-Programm bewaffnet mitten unter giftigen anonymen Musikpostern ausgesetzt werden könnte - und es trotzdem zurück nach Hause schaffen würde. Der Mann ist hart im Nehmen, macht es aber dann rund. Zur Verdeutlichung: Zwischen Bindestrich-Genres wie Reißbrett-Dubstep, Alternative-Rock und Austro-Pop könnte Schlögl wahrscheinlich sogar in sozial auffälligen Todesmetall-Männerbünden und deren hinunter zu Dantes Inferno auf C-Dur gestimmten Gitarren innere Harmonie und soulige Refrains entdecken.

Geben Sie Schlögl etwas Zeit, und er bringt kakophonisches Geprügel bei entsprechender Studiobearbeitung sogar im ORF-Hauptabend unter, ohne dass Anstand und die guten Sitten einschreiten müssen. So einer ist Schlögl. Als überaus talentierter Tonsetzer in Bands und Projekten wie Sofa Surfers, I-Wolf und Slow Club befindet sich der Mann also künstlerisch seit langem immer wieder an der nicht unproblematischen Schnittstelle von FM4-Mainstream und Ö3-Underground.

Anlässlich einer kurzen Verschnaufpause während seiner niemals endenden Miles-&-More-Tour mit dem Hauptstandbein Sofa Surfers, mit denen Schlögl auf Dub- und Reggae-Basis mittlerweile auch gern den breitenwirksamen Stadionrock auf Hipster-Credibilitiy abklopft, machte der 39-Jährige nun im Wuk Station mit einem Personality-Abend.

Bei diesem stand trotz durchgehender Bühnenpräsenz Schlögls und seiner diversen Projekte über drei Stunden lang nicht das Ego im Vordergrund. Es ging, man kann das ruhig so abgerockt sagen, um Mannschaftsspiel und etwas, was ein Staatsmann mit Sendungsbewusstsein im Regionalradio wohl Demut vor der Herausforderung nennen würde.

Mit The Faraday Orchestra und einem kurzen Vortrag des Linzer Biophysikers Gerhard Schütz über Musik, Gehör sowie wissenschaftlich-reflexiv geschlagener Wandergitarre ging es beschaulich los. Schlögl und ein weiterer Musiker stellten dazu auf selbstkonstruierten Biosequenzern etwas unbeholfen Zeichentrickfilme der 1970er-Jahre nach. Danach wurden im Gedenken an den gemeinsam mit dem 2008 verstorbenen Hansi Lang betriebenen Slow Club mit Violetta Parisini noch einmal edel verschlurfte Jazzballaden im Zeitlupenformat des TripHop nachgestellt.

"Paradies der Tiere"

Mit Jazzschlagzeug-Wunderkind Sixtus Preiss stellte Schlögl das neue Projekt des Wiener Gitarristen und Elektronikers Franz Reisecker (Lichtenberg, Trio Exklusiv) erstmals live vor. Man nennt sich Paradies der Tiere, umrockt die blaue Blume der Romantik mit nicht unfreundlich-kapriziösen Texten und haut dazu den guten alten Postpunk in die Klaviertasten.

Schlögl präsentierte mit Violinistin Mia Zabelka seine diversen, heuer unter dem Titel Caught In the Act auf CD veröffentlichten Theatermusiken. Bei diesen wurde doch recht deutlich, dass der sich über seinen Mischpultknöpfen und Tasten biegende Schlögl seine musikalische Heimat eindeutig auf Jamaika gefunden hat. Am Ende stellte er als I-Wolf mit großem Ensemble inklusive Elfenharfe Material eines 2012 erscheinenden Albums vor.

Ein gelungener bunter Abend, bei dem man ein entscheidendes Kriterium in dieser gemütlich schwingenden, singenden Welt freilich etwas vermisste. Wenn es zu sauber klingt, muss Dreck rein. Nett ist das Publikum selber.  (Christian Schachinger / DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.10.2011)

  • Wolfgang Schlögel an seinen Geräten bei einem bunten Abend im Wiener 
Wuk.
    foto: standard / fischer

    Wolfgang Schlögel an seinen Geräten bei einem bunten Abend im Wiener Wuk.

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