Mitarbeiter von morgen

Den Jungen "auf Augenhöhe" begegnen

14. Oktober 2011, 17:08

Wichtigster Ratschlag beim Forum Personal des ÖPWZ für die Personalchefs und Rekrutierung: die Jungen akzeptieren lernen

Erich Foglar, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, bringt die Anforderungen von Betrieben an neue, junge Mitarbeiter pointiert auf den Punkt: "Am besten ist jemand, der zwei oder drei Studien abgeschlossen hat, 20 Jahre alt ist, möglichst 15 Jahre Berufserfahrung hat, die Hälfte davon im Ausland, und möglichst um eine Lehrlingsentschädigung anfängt", sagte Foglar im Rahmen des vom Österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeitszentrum (ÖPWZ) in Salzburg veranstalteten Forum Personal zum Thema "die Mitarbeiter von morgen".

Ähnlich Kritisches schreibt auch die ehemalige Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft, Sigrid Maurer, den Personalchefs ins Stammbuch: "Die Anforderungen sind ein Studium in Mindestzeit, zigtausend Praktika, Arbeitserfahrung und Forschungserfahrung und alle möglichen Social Skills, Sprachen, die Bereitschaft, tausende Überstunden zu machen, und so weiter." Man müsse also eine Art "eierlegende Wollmilchsau" sein, erzählt die 26-Jährige von den Erfahrungen ihrer Studienkollegen.

"Demokratisierung"

Im Gegenzug werde oft wenig geboten. Damit meint Maurer nicht nur die Entlohnung, sondern auch "Chancen und Wertschätzung" für die Jungen. Vor allem "Demokratisierung", also die Möglichkeit, den Chef mit Vorschlägen und Ideen zu konfrontieren, steigere die Motivation.

Man müsse den Leuten "auf Augenhöhe" begegnen, fordert Maurer. Die Jungen würden dafür wieder viel mitbringen. Ein Beispiel wäre der Einbau von Social Media in die Betriebskommunikation. Die Menschen, die jetzt in den Arbeitsprozess einsteigen, lebten damit: "Wir hängen alle auf Twitter, wir hängen dauernd im Internet", beschreibt Maurer eine der Stärken ihrer Generation.

Wobei sich der Generationenbegriff in der Arbeitswelt grundsätzlich geändert hat. Man könne nicht mehr von zwei bis drei großen Generationen mit jeweils einer Zeitspanne von 20 bis 25 Jahren ausgehen, sagt Jutta Rump von der Fachhochschule Ludwigshafen. Die Professorin für Betriebswirtschaftslehre geht von veränderten Sozialisationen innerhalb von zehn Jahren aus.

Geänderte Konventionen

Die Demokratisierungsbewegung entstünde allein schon durch die neuen Technologien. Die Jungen würden beispielsweise einfach den Vorstandsvorsitzenden bei einem internen Mail "in cc setzen", also mitinformieren. Laut Rump ein generationsspezifisches Verhalten.

Um gute Mitarbeiter zu finden und zu halten, müssten die Unternehmen glaubwürdig und "verlässliche Partner" für die Mitarbeiter sein, sagt die deutsche Wissenschafterin. Hierarchien würden zwar noch akzeptiert, da sie Sicherheit geben. "Aber nicht mehr um jeden Preis."

Mit den sich von Generation zu Generation verändernden Konventionen haben die Personalchefs freilich so ihre Probleme. Ein einfaches "Hallo" über dem Bewerbungsschreiben empfinden viele als ungehörig, ja als Provokation. Maurer empfiehlt den Personalern, "über das Hallo hinwegzusehen." Die "schlampige" Anrede sage nichts über die inhaltliche Qualität der Bewerbung aus.

Etwas mehr Unkonventionalität empfiehlt auch der Präsident der Österreichischen Nationalbank Claus Raidl. Das Wichtigste sei, das auch die Unternehmen "offen sind". Karriereplanungsmuster wie etwa bei IBM in den 1960er-Jahren wären nicht zielführend.

Gewerkschaftschef Foglar abschließend: Wenn Betriebe gute Mitarbeiter finden wollten, müssten sie einen Arbeitsplatz bieten, der Motivation und ein Einkommen biete, von dem man "auch leben kann". (Thomas Neuhold/DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.10.2011)

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Erisian Liberation Front
01
17.10.2011, 11:45
Liebe Fr. Maurer, liebe Fr. Rum, werte Gewerkschaft

wir Unternehmer werden dennoch nur jene Leute aufnehmen, die wir auch brauchen können.
Wir zahlen nämlich nur für geleistete Arbeit für das Unternehmen und nicht für das tolle Lebensgefühl der Jobsuchenden.
Letzteres ist deren Privatsache.
Das Recht auf einen Job ist mit dem Ostblock untergegangen.
Wem das nicht passt, der kann ja eine eigene Firma aufziehen.

HAL 9000
00
17.10.2011, 07:54

"Wir hängen alle auf Twitter, wir hängen dauernd im Internet", beschreibt Maurer eine der Stärken ihrer Generation.

Echt? Im Ernst? Die Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit einer Fliege soll positiv sein?

Alle 5 min läutet das Handy, ja das ist super, wenn man konzentriert einer Arbeit nachgehen soll. Zischen den Gespächen muß man natürlich noch Facebook checken.

Einfach Strukturierte mögen argumentieren dass man sich heutzutage in keine Arbeit mehr versenken muß, selten so einen Schwachsinn gelesen. Wir hantieren bei uns im Labor eh nur mit immunsuppressiven, östrogenen,cancerogenen und genotoxischen Stoffen. Ist wirklich klasse wenn da kleine Unaufmerksamkeiten vorkommen.

ravenna
11
16.10.2011, 20:08

""Wir hängen alle auf Twitter, wir hängen dauernd im Internet", beschreibt Maurer eine der Stärken ihrer Generation."

Ja, fehlt nur noch, dass von der (Ex)ÖH auch noch das "dauern vor der Glotze Hocken" als Stärke angeführt wird.

hiesiger Greis
43
15.10.2011, 11:02

also wenn Berufserfahrung nix mehr wert ist, nur noch, dass man jung und bled ist, dann geht's bald bergab. Der Fehler ist nämlich, dass sie alle im Elternhaus zu sehr verhätschelt werden und sie glauben, das ganze Leben geht so weiter. Aber die Gesellschaft will alles wieder zurück, was sie den Kindern geleistet hat und das insbesondere von den jungen Männern. Weil sonst geht bald der ganze Staat Pleite und die Folge wird ein Absinken des Lebensstandards sein. Aber es gibt eh zuviel unnötiges Klumpert auf der Welt.

Patrick Kaltensteiner
 
00
15.10.2011, 23:49
ganz genau meine meinung!

selber denken, nicht denken lassen
 
00
15.10.2011, 22:34

das versteh ich jetzt nicht ganz

hiesiger Greis
00
19.10.2011, 16:24

ich bin Alterspensionist, aber so redete man in den Firmen (nicht den Jugendlichen ins Gesicht), sondern ein paar Schritte weiter weg über sie, sodass sie es hören konnten. Weil es gibt ja immer noch Leute, die in den ewig in Schwierigkeiten steckenden Betrieben etwas können und die wollen für sich selber etwas herausholen. Die Geschäftswelt ist ja geradezu der Ort, wo man sich rücksichtslos bereichert auf unfaire Weise. Und es ist nicht wie in der Schule, wo einen der Lehrer etwas eintrichtert, während man schläft. Aber wenn das heute alles nicht mehr so ist, dann bitte, ich bin ja nicht der, der ihnen das alles leisten wird.

Neuer Nick neues Glück
02
15.10.2011, 20:54

Ach, notfalls starten wir einfach zwei Weltkriege - so wie jene Generation, die nicht verhätschelt wurde.

hiesiger Greis
00
19.10.2011, 16:31

das ist ja fehlgehend, mir zu unterstellen, ich würde einen Weltkrieg starten durch meine Äußerungen. Wenn sie alle schlapp machen, müssen sie selber mit den Folgeerscheinungen leben und es wird nicht leicht sein. Weil in so einer Gesellschaft ist meist keiner zuständig und wenn ein Missstand einreißt glänzt der Staat durch Abwesenheit und wenn er etwas macht, dann das Gegenteil von dem, was von ihm verlangt wird, aus Bosheit, weil er will sich nichts vom Volk sagen lassen. Und wenn wer redet, sind es ja immer die Falschen usw. Drum gehört zum Leben eine gewisse Härte und deswegen glaube ich an Gott, weil der ist der Einzige, der wirklich hilft.

Minister der Ökomonie
12
16.10.2011, 12:39

Danke! Diese Traumaromatisierung geht mittlerweile am Sonstigen! Nicht umsonst haben wir uns von der Prügelstrafe entfernt und respektieren Kinder nun als Menschen, und behandeln sie nicht wie Wegwerftierchen die man an seinen Betrieb verkaufen kann, totprügeln und nachproduzieren.
Natürlich: Kinder die nicht bereits als Kleinkinder traumatisiert wurden, denen man nicht ihre Meinung, ihre Persönlichkeit aus dem Leib geprügelt, sie in die erlernte Hilflosigkeit gedrückt und zur "Demut aus Angst"-Opportunisten gemacht hat, verlangen auch etwas, stehen zu sich und fressen nicht alles.

Und: Die letzte "nicht verhätschelte" Generation hat ein paar Millionen Menschen vergast, dafür bekommen sie nun unser Geld für den verdienten Lebensabend!

pox vobiscum
00
15.10.2011, 15:48
???

Dr. Viktor Frankenstein
00
15.10.2011, 10:56
"Wir hängen alle auf Twitter, wir hängen dauernd im Internet", beschreibt Maurer eine der Stärken ihrer Generation.

Eine der Stärken ihrer Generation ???? Fuer mich eher ein klarer Beweis von Sinnlosigkeit, Leere und Unfaehigkeit sich tief in die Materie versenken zu koennen.

Minister der Ökomonie
33
16.10.2011, 12:43

Naja, die älteren Generationen hinken da halt hinterher und begreifen halt nichts. Wer noch mit Breifverkehr aufgewachsen ist und für die Korrespondenz Zeit hatte, die Post abzuwarten, oder bis einer zu Hause bei einem Festnetz ist, für den ein Fax bereits ein "flinkes Wunder" war das Fahrradboten in der Existenz bedrohte.... kommt halt nicht mit Menschen klar, die Kommunikation im Sekundentakt betreiben.
In die Materie versinken war 1960 echt gut, nur haben wir 2011 und die Zeit ist das knappste Gut. KEIN Chef verlangt heute mehr, in eine Arbeit zu versinken, sie soll schnellstmöglich gemacht werden, am besten neben fünf weiteren Dingen gleichzeitig. Das können die Jungen besser als die Alten.

lieschen müller4
01
17.10.2011, 00:28

Wie alt sind Sie?Multi Tasking ist eine zwar sehr gewünschte Eigenschaft,die aber leider in der Praxis nicht funktioniert.Der allgemeine Qualitätsverfall in vielen Bereichen ist jedenfalls zumindest zum Teil darauf zurückzuführen.Möchten Sie von einem Chirurgen operiert werden,der das so rasch als möglich neben fünf anderen Dingen so ganz nebenbei erledigt?Was vermutlich meistens stimmt,ist das die Jungen qualitativ schlechter arbeiten als Ältere,die wissen nämlich im Gegensatz zu den Jungen noch wie gute Qualität herzustellen ist und das das nicht möglich ist,wenn man 5 Dinge gleichzeitig so rasch als möglich macht.

Minister der Ökomonie
02
18.10.2011, 11:44

Ich bin da ganz bei Ihnen. Den meisten Menschen würde es auch psychisch gut tun, wenn sie sich in ihre Arbeit versenken könnten. Das hat auch etwas meditatives, heilendes und das Gefühl, etwas gut und ordentlich abgeschlossen zu haben, nicht zu verachten. Aber: In welchem Beruf kann man das heute noch????
Man kann sich nicht vertiefen, wenn man zuglich fünf Anrufe und drei Emails pro Stunde NEBEN der eigentlichen Arbeit zu erledigen hat. Wenn dazu noch ein Liefertermindruck kommt, der sich an technische Möglichkeiten, nicht aber die realen Tatsachen orientiert (Quasi: Ohne Handy und Email wäre es zu schaffen, mit allerdings ist es ein Drahtseilakt - da ein Anruf/Mail oft spontan ma Stunden Bearbeitung brauchen)...

lieschen müller4
01
18.10.2011, 12:17

Ich habe die Erfahrung gemacht,dass heute viele Menschen auch nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden können,bzw. auch nicht einschätzen können,wie zeitaufwändig bestimmte Dinge zu bearbeiten sind.Es gibt wichtige Dinge,die kurzfristig zu erledigen sind und unwichtige,die viel Zeit benötigen.Wenn man die Parameter vertauscht,hat man sich selbst in die Falle gesetzt.Ein Grundproblem scheint auch zu sein,dass man heute von Haus damit rechnet,dass die Qualität mangelhaft ist,aber das nimmt man bei maximal 5% Beschwerden und 70% nur Faust in der Tasche ballen ohne direkte Beschwerde,vermutlich gerne in Kauf,wenn die Geschwindigkeit passt.Ich halte das für eine sehr kurzsichtige Denkweise!

Minister der Ökomonie
00
18.10.2011, 11:49

Wenn ich vergleiche: Anfang meiner Arbeit und aktuell: Als ich anfing gab es kein Email und Handies waren eher eine Rarität. Zwar gab es auch damals schon Anrufe, allerdings weit seltener, ein Anruf war noch überlegt. Man konnte durchaus mal zwei oder drei Stunden in Ruhe seine Arbeit machen (an einem ruhigeren Nachmittag zb.)
Zuletzt: Bereits ehe ich meine eigentliche Arbeit machen kann, sind drei Stunden Bearbeitung von Anfragen per Email, alle paar Minuten unterbrochen von einem Anruf. Wenn ich eine halbe Stunde ohne Unterbrechung arbeiten kann, ist das schon eher eine Rarität.
Ich beobachte auch: Früher löste man Probleme selber, heute haben viele das Handy bereits gezückt, ehe die Frage formuliert ist.

lieschen müller4
00
19.10.2011, 02:19

Das erlebe ich auch so, vor allem ist oft die Devise: Fragen in Form von mailen oder anrufen ist einfacher als selbst nachsehen oder womöglich gar eine Entscheidung treffen und das nervt besonders.

harri678
02
16.10.2011, 08:49
100% zustimmung

Meine erfahrung ist, dass mit jedem neuen jahrgang die konzentrationsfähigkeit und sinnerfassendes lesen der generation multitasking abnimmt.

Franz Bim
 
11
15.10.2011, 08:55
E-Mail-Kultur

Wer oder was auf CC gesetzt wird, hängt von der Kommunikationskultur ab und nicht von der Generation. Tatsächlich ist gerade die E-Mail-Kommunikation in den meisten Betrieben verbesserungswürdig. Da schreiben die Leute teilweise immer noch TOFU, keiner kann sinnvolle Betreffzeilen wählen, die Möglichkeiten, die Message IDs zur referenzierung bieten, werden so gut wie nie genutzt, was aber auch daran liegt, dass grottenschlechte E-Mail-Clients wie Microsoft Outlook verwendet werden. Ebenso besteht Unart, Dateien per E-Mail zu schicken, anstatt sie in zentralen Repositories abzulegen.

pox vobiscum
11
15.10.2011, 15:52

Allen möglichen mehr oder weniger involvierten Leuten Mails in cc schicken, ist auch eine Unart, wer hat denn soviel Zeit, das alles auch nur zu löschen, geschweige denn auch nur kurz anzusehen.

LPFe
00
19.10.2011, 11:56
sie können in den Voreinstellungen ...

alle mails, in denen Sie cc gesetzt sind, in den Mistkübel wandern lassen

RS69
 
01
16.10.2011, 12:57

Da gibt es kein grundsätzlihes Richtig oder Falsch.

Relevant ist, was vereinbart ist. Und natürlich ist oft der Fehler, dass nichts vereinbart wurde.

Dr. Viktor Frankenstein
11
15.10.2011, 11:00
Unart, Dateien per E-Mail zu schicken, anstatt sie in zentralen Repositories abzulegen.

Tut mir leid, aber ich finde es bequemer wenn ein Dokument direkt an der e-mail angehaengt ist. Fuer die meisten Dateien spielt die Groesse dabei keine Rolle.

Franz Bim
 
10
15.10.2011, 13:02
Es ist ganz einfach unübersichtlich

immer das E-Mail-Postfach durchsuchen zu müssen und keine einfache Möglichkeit haben festzustellen, wer wann was und warum geändert hat. Bei einem SVN oder Git-Repository sieht man das alles auf einem Blick.

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