Wegbegleiter des verstorbenen Computerwissenschaftlers erinnern an dessen bedeutsame Arbeit
Anfang Oktober dieses Jahres sind zwei Persönlichkeiten gestorben, die die Computer-Entwicklung entscheidend geprägt haben und darüber hinaus starken Einfluss hatten. Während der Tod des einen jedoch von Fans weltweit betrauert wird, ist der andere außerhalb der IT-Branche nur wenigen bekannt. Die Rede ist von Apple-Mitgründer Steve Jobs und Dennis Ritchie, dem Miterfinder von Unix und C der Programmiersprache C.
"Dennis hatte größeren Einfluss"
Der Tod von Steve Jobs habe einen großen Aufschrei nachgezogen, was sehr bewegend und auch gerechtfertigt gewesen sei, meint Programmierer Rob Pike, der 20 Jahre lang mit Ritchie bei Bell Labs gearbeitet hat. "Aber Dennis hatte einen größeren Einfluss, und die Öffentlichkeit weiß nichteimal wer er ist", beklagt der heutige Google-Mitarbeiter im Interview mit Wired.
"So gut wie alles im Web basiert auf C und Unix"
Pike war es auch, das die Öffentlichkeit von Ritchies Tod auf Google+ informiert hatte. Ritchie erfand die Programmiersprache C mit und entwickelte darauf basierend Unix, das Betriebssystem auf dem unter anderem auch Apples Betriebssysteme Mac OS und iOS basieren. "So gut wie alles im Web nutzt zwei Dinge: C und Unix", erklärt Pike. "Browser sind in C geschrieben. Der Unix Kern - auf dem praktisch das ganze Internet läuft - ist in C geschrieben."
Jobs "König des Sichtbaren"
"Jobs war das König des Sichtbaren und Ritchie ist der König dessen, was weitgehend unsichtbar ist", sagt MIT-Professor Martin Rinard. Während Jobs für viele Produkte verantwortlich zeichne, die den Geschmack vieler Leute getroffen haben, habe Ritchie die Voraussetzung für die Infrastrukturen davon geschaffen. Die Menschen könnten sie zwar nicht sehen, würden sie aber täglich nutzen. Für seine Arbeit erhielt Ritchie Auszeichnungen wie den Turing Award und die National Medal of Technology.
"Wir stehen alle auf Dennis' Schultern"
Sowohl Jobs als auch Ritchie hätten sehr zurückgezogen gelebt. Doch im Gegensatz zum ehemaligen Apple-Chef ist um den Entwickler kein Personenkult entstanden. Brian Kernighan, mit dem Ritchie Anfang der 80er das Buch The C Programming Language herausgebracht hatte, führt das darauf zurück, dass beide Personen in sehr unterschiedlichen Zeiten und Umgebungen gearbeitet hätten. Doch "wir stehen alle auf Dennis' Schultern", hält Kernighan in Anspielung an das berühmte Zitat von Newton fest. (red)