Immer mehr Menschen leiden an Essanfällen und versuchen damit, ihr seelisches Gleichgewicht wieder zu finden
Leipzig - Bis zu fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter der "Binge-Eating"-Störung (BES) - einer Essstörung, bei der häufig Essanfälle auftreten. Während dieser Anfälle verzehren die Betroffenen große Mengen an Lebensmitteln und haben dabei das Gefühl, die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren. Die Behandlung solcher Essattacken steht im Zentrum der Interbed-Studie,
die eine Arbeitsgruppe zur Verhaltensmedizin unter der Leitung von Anja Hilbert am Integrierten Forschungs- und
Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen in Leipzig durchführt.
Im Gegensatz zu anderen Essstörungen wie der Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht) ergreifen die Betroffenen mit BES jedoch kaum übertriebene Maßnahmen zur Gewichtskontrolle wie selbstherbeigeführtes Erbrechen. Die BES geht häufig mit Übergewicht und Fettleibigkeit einher. Außerdem führt die BES zu psychischem Leid, Lebensqualität und Gesundheit sind vielfach beeinträchtigt. Männer und Frauen sind etwa gleichermaßen von der BES betroffen.
Verhaltenstherapie oder Selbsthilfe
Im Zentrum der Interbed-Studie steht die Behandlung der Essanfälle. Wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass die Kognitive Verhaltenstherapie die BES wirksam behandeln kann. Neuere Befunde sprechen jedoch auch für das heilende Potential von Selbsthilfeprogrammen. Die Studie vergleicht nun die Wirkungen von Kognitiver Verhaltenstherapie und einem Selbsthilfeprogramm im Internet, welches von einem Online-Coach unterstützt wird.
Männer und Frauen, die an der Studie teilnehmen möchten, werden nach einer ausführlichen Diagnostik einer der beiden Therapieformen per Zufall zugeteilt und kostenlos vier Monate lang individuell am IFB AdipositasErkrankungen oder per E-Mail über das Internet betreut. Beide Therapien sollen ihnen helfen, ihr Essverhalten zu normalisieren sowie ihre psychische und körperliche Lebensqualität zu verbessern. Es handelt sich bei beiden Therapieformen um hoch wirksame und zeitgemäße Behandlungsangebote für Männer und Frauen, die an Essanfällen leiden. (red)