Gestatten, Troodontid!

15. Oktober 2011, 17:55
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Lebensechtes Modell eines Raubdinosauriers, der vor 140 Millionen Jahren in Deutschland lebte, angefertigt

Hannover - Die Entdeckung von Fährten eines "vogelähnlichen" Raubsauriers in Niedersachsen war 2008 eine Sensation. Nun hat der spektakuläre Fund in den Obernkirchener Sandsteinbrüchen ein Gesicht bekommen, und zwar ein gefiedertes. Das Landesmuseum Hannover präsentierte ein lebensechtes Modell des 140 Millionen Jahre alten Tiers, das zur Familie der Troodontiden gehört. Das Modell basiert nicht nur auf den Daten, die ein niedersächsisches Forscherteam in den vergangenen Jahren am Fundort sammelte, sondern auch auf ähnlichen Funden aus China.

Kurz zur evolutionären Einordnung: Die Troodontiden waren eine der beiden artenreichen Gruppen kleiner zweibeiniger Raubdinosaurier (Deinonychosauria), deren zweite die Dromaeosauriden mit den allseits populären Raptoren bildeten. Keine dieser beiden Gruppen waren die Ahnen der Vögel, doch haben sie mit diesen einen gemeinsamen Vorfahren und sind im Körperbau entsprechend ähnlich - bis hin zur bei vielen Arten nachgewiesenen Befiederung. Das Hannoveraner Modell wurde mit Federn von Truthuhn, Haushuhn und Emu bestückt, um eine Annäherung an das Original zu finden.

Lebensweise rekonstruiert

Wie alle Räuber aus der Übergruppe der Deinonychosauria hat auch dieser etwa 1,30 Meter hohe und drei Meter lange Troodontide eine messerscharfe Sichelklaue. Die Zehe mit der Klaue klappte er beim Laufen nach oben, um das Werkzeug zu schützen, seine Spuren sind daher nur zweizehig. Der Körperbau verrät viel über das Leben des Troodontiden. So war der schlanke Dino mit den langen Beinen ein ausdauernder Läufer. Die großen Augen sprechen dafür, dass er nachts oder in der Dämmerung gejagt hat. Die kleinen, dicht gepackten und relativ grob gesägten Zähne deuten darauf hin, dass er nicht nur Fleisch-, sondern Allesfresser war.

Aus den Reihen der Troodontiden kommen überdies die "Intelligenzbestien" unter den Dinosauriern, wie das im Vergleich zum Gesamtkörper überproportional große Gehirn andeutet. Wie intelligent das Hannoveraner Tier - ein eher früher Vertreter seiner Familie - war, lässt sich nicht sagen: Vielleicht war es so intelligent wie ein kleiner Säuger oder sogar wie ein Rabenvogel. (APA/red)

  •  Ein Modellbauer aus Serbien hat den Dino rekonstruiert und unter anderem mit Emu-Federn versehen.
    foto: landesmuseum hannover

    Ein Modellbauer aus Serbien hat den Dino rekonstruiert und unter anderem mit Emu-Federn versehen.

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