Hab deinen Spaß und fahr zur Hölle

14. Oktober 2011, 19:30
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Humor und schlechter Geschmack zwischen Buchdeckeln: "Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte"

Wenn der New Yorker seit Jahrzehnten der Olymp der Cartoon-Zeichner ist; und wenn die Zeichnungen mit der Zeit frecher und gewagter geworden sind (was man nachprüfen kann): Wie müssen dann erst Cartoons beschaffen sein, die dem zuständigen Redakteur doch zu frech scheinen? Jetzt wissen wir's.

Humor und schlechter Geschmack seien keine fremden Bettgenossen, schreibt Robert Mankoff (er ist der Zuständige) im Vorwort zu Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte. Er führe einen teilweise erfolgreichen Kampf gegen die politische Korrektheit und Geschmackssicherheit der Chefs des Wochenblatts.

70 Beispiele von dem, was er nicht durchsetzte, versammelte Matthew Diffee, selbst einer der Beitragenden, zwischen Buchdeckeln. Manches ist offenbar sexuell oder politisch zu gewagt, auch wenn es nur die Modifikation eines alten Witzes ist: "Schwarz und ein Mädchen?", denkt sich das Neugeborene (siehe Bild oben), "wollen die mich verarschen?". Schade übrigens, dass die Originaltexte nicht dabei sind.

Gerne probieren die Zeichner, alle regelmäßig im Magazin vertreten, aus, wie weit sie gehen können. Wo gekotzt und gestorben wird (und die Asche aus Chinatown dann in der Take-out-Papierschachtel nach Hause getragen wird), ist es offenbar zu weit. Die Letztentscheider haben wohl auch Rücksicht genommen, wenn angesichts von fünf ganzkörperverhüllten Frauen die Bemerkung fällt: "Ich bin mit der Blonden zusammen."

Nicht witzig? Je nachdem, wen man fragt. Etliches scheint nicht nur aus europäischer Sicht ziemlich harmlos. Vielleicht war das eine oder andere einfach nicht lustig genug fürs Magazin. Aber wer bestimmt das schon?

Es könnte im Übrigen sein, dass es manche Zeichnungen nicht einmal in diesen Rejects-Band geschafft haben; man mag sich ausmalen, was sich in ihnen erst abspielt. Mankoff empfiehlt jedenfalls, seinen Spaß an der Lektüre zu haben "und dann zur Hölle zu fahren". Dagegen ist nichts einzuwenden. (Michael Freund  / DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.10.2011)

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    foto: standard / cremer
  • Matthew Diffee (Hg.), "Die besten Cartoons, die der New Yorker nie 
druckte". € 19,60 / 96 Seiten. Liebeskind, München 2011
    foto: liebeskind

    Matthew Diffee (Hg.), "Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte". € 19,60 / 96 Seiten. Liebeskind, München 2011

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