Schmerzen

Viele Schmerz-Patienten werden mangelhaft behandelt

14. Oktober 2011, 14:46

Chronische Schmerzen entstehen oft durch zu eine späte Behandlung, Unter- oder Fehlbehandlungen

Wien - Die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG) weist  im Rahmen der Europäischen Schmerzwoche verstärkt auf das Problem vermeidbarer und oft auch besser therapierbarer chronischer Beschwerden hin. "Unverändert leiden heute 21 Prozent der Österreicher an chronischen Schmerzen", erklärte der Präsident der ÖSG, Günther Bernatzky, bei einem Pressegespräch in Wien.

Weiterhin vergeht ziemlich viel Zeit, bis Schmerzpatienten in Therapie kommen. Bernatzky: "Die Zeit von der Diagnose bis zu einer angemessenen Behandlung dauert durchschnittlich 1,9 Jahre. Zum Befragungszeitpunkt (Umfrage zum Thema Schmerz, Anm.) waren in Österreich 23 Prozent der Menschen mit chronischem Schmerz ohne angemessene Behandlung. Euphorie ist also nicht angebracht."

Mit solchen Problemen steht Österreich nicht allein da: In den fünf großen EU-Ländern Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien leiden nach den Angaben der Europäischen Schmerzgesellschaft EFIC fast 53 Millionen Menschen regelmäßig an Schmerzen, fast jeder zweite von ihnen täglich. In den 27-EU-Staaten sind jährlich 100 Millionen Menschen von chronischen Schmerzen betroffen.

Chronifizierung verhindern

Wichtig wäre eine möglichst schnelle Behandlung nach dem Auftreten erster Probleme. Der ÖSG-Präsident: "Wenn Patienten erst nach drei oder vier Monaten zum Arzt gehen, sind die Schmerzen oft schon chronisch geworden." Die Behandlung akuter Beschwerden sei hingegen kaum ein Problem.

Unter den 53 Millionen Schmerzpatienten der zitierten fünf EU-Länder litten 63 Prozent an Rückenschmerzen, 48 Prozent an Gelenks-, 30 Prozent an Genickschmerzen und 21 Prozent an Beschwerden aufgrund von Arthritis.

Unter- und Fehlbehandlungen

Die Situation in Österreich: Im Durchschnitt haben 17,6 Prozent der Männer und 24,19 Prozent der Frauen seit mehr als drei Monaten Schmerzen. Bernatzky: "Erschreckend ist, dass ein großer Teil dieses Leides und der damit einhergehenden Belastungen der Gesundheitssysteme unnötig ist und, gemessen an den heutigen schmerzmedizinischen Möglichkeiten, durch massive Unter- oder Fehlbehandlung entsteht." Werden Schmerzen chronisch, steigen die Kosten exorbitant - bei unspezifischen Rückenschmerzen zum Beispiel auf das fast Fünffache. (APA)

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