Misserfolg als Beginn für Neustart

20. Oktober 2011, 12:35

Grazer Psychologe setzt auf Lernprozess - "Frühe Erfolge verhindern oft bessere Lösungen"

Graz - Ob Ehescheidung, Studienabbruch, Kündigung oder missglückte Bewerbung: Niederlagen können passieren. Wer einen Misserfolg eingefahren hat, eine Chance verpatzt oder sein Ziel nicht erreicht hat, fühlt sich schnell als Versager. Wie man auch eine Bruchlandung als Lernprozess für den Neustart nützen kann, legt der Grazer Psychologe Louis Schützenhöfer in seinem neuesten Ratgeberband "Vom Charme des Scheiterns" dar.

Persönliche Niederlagen und Enttäuschungen gehören zu den Erfahrungen, die man lieber verdrängt. Louis Schützenhöfer (geb. 1940), der sich in seinem Vorgängerwerk mit der "Kunst des Verdrängens" befasst hat, setzt hier auf die aktive Auseinandersetzung mit dem Misserfolg. "Ich will den Misserfolg nicht schönreden oder die Gescheiterten trösten. Aber wenn es passiert ist, besteht die Chance, dass ein psychischer Prozess in Gang gesetzt wird, der mehr bringt als durch das Versagen verloren wurde", so der Autor, der in seinem Buch gängige Sichtweisen sowohl des Erfolgs auch des Scheiterns relativiert. "Erfolg setzt einen Endpunkt. Scheitern kann ein Anfang sein (...) Ich bin davon überzeugt, dass frühe Erfolge oft bessere Lösungen verhindern", sucht Schützenhöfer das Gute im Schlechten.

Grenzen ausloten

"Wir kommen im Leben um das Scheitern nicht herum. Und das ist auch gut so", resümiert der Autor. Der Mensch brauche es, um sich selbst zu finden und notwendige Korrekturen auf seinem Weg vorzunehmen. Nach einer Niederlage habe man - und das sei laut Schützenhöfer ein nicht zu unterschätzender Vorteil - "seine Grenze kennengelernt, die nicht überschritten werden kann". Das wiederum versetze den Gescheiterten in die Lage, seine Fähigkeiten gezielt einzusetzen und "seine Energie auf solche Aufgaben zu konzentrieren, die herausfordernd, aber bewältigbar sind".

Zum Schutz des Selbstwertes sei es wichtig, die Ursachen des Scheiterns objektiv zu analysieren, so dass die richtigen Folgerungen daraus gezogen werden können. Dabei gelte es, zwischen innerhalb und außerhalb der Person liegenden Faktoren zu unterscheiden. Für die daraus folgenden Konsequenzen komme es weiters darauf an, ob sie veränderbar oder stabil sind. Hier entscheide sich dann, ob der Gescheiterte es "anders" oder überhaupt "etwas Anderes" zur Erreichung seines Zieles machen soll. (APA)

Lesetipp

Louis Schützenhöfer "Vom Charme des Scheiterns - Krisen für einen Neustart nutzbar machen", Verlag Ueberreuter, Wien 2011, ISBN 978-3-8000-7517-1, 160 Seiten, gebunden,17,95 Euro.

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