Michalek-Kommission spricht keine Rückgabeempfehlung aus
Wien - Die Provenienzforscher schätzen die Herkunft von 19
Werken Egon Schieles im Besitz der Leopold Museum Privatstiftung als
unbedenklich ein. Entsprechend hat die von Kulturministerin Claudia
Schmied eingesetzte Kommission unter Vorsitz des einstigen
Justizministers Nikolaus Michalek keine Rückgabeempfehlung
ausgesprochen.
Schmied hat den Bericht des Gremiums am Freitag der
Stiftung übermittelt, wobei das Konvolut in Summe 13 Berichte zu
insgesamt 19 Werken umfasst. Die Kommission bewertet von der
unabhängigen Provenienzforschung erarbeitete Dossiers, wobei das
Leopold Museum als Privatmuseum nicht in Bundesbesitz steht und somit
nicht unter das Rückgabegesetz fällt.
In den aktuellen Fällen kommt das Gremium jeweils zum Ergebnis,
"dass keiner der Tatbestände des § 1 Abs. 1 Kunstrückgabegesetz
erfüllt wäre". Darunter fallen Werke wie "Tote Mutter",
"Selbstdarstellung mit geschlossenen Augen", "Selbstbildnis mit
Lampionfrüchten" oder "Rabenlandschaft".
Am längsten fällt der Bericht zu "Mauer und Haus vor hügeligem
Gelände mit Zaun" aus, das sich im Besitz der beiden Schwestern Edith
Neumann und Hanna Spitzer befand und nach dem Krieg im Nachlass des
als NS-Gegner bekannten Fritz Wotruba auftauchte. "Das Gremium kommt
daher zu dem Ergebnis, dass auf Grund des vorliegenden Dossiers zwar
nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass das
Gemälde Edith Neumann und Hanna Spitzer entzogen und nach 1945 von
Fritz Wotruba (beispielsweise aus dem Kunsthandel) erworben wurde;
die vorliegenden Hinweise deuten jedoch nicht in diese Richtung",
heißt es abschließend aber auch hier. (APA)