Sirte

"Der Süden der Stadt ist menschenleer"

Bert Eder, 14. Oktober 2011, 14:11

Barbara Frederick, Ärzte ohne Grenzen-Koordinatorin in Libyen, über die Auswirkungen des Bürgerkriegs auf die Zivilbevölkerung in Sirte

Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist seit Februar in Libyen tätig. Koordinatorin Barbara Frederick berichtet im Gespräch mit Bert Eder über die Auswirkungen des Bürgerkriegs auf die Zivilbevölkerung und die Bemühungen, die medizinische Grundversorgung sicherzustellen.

***

derStandard.at: Wo befinden Sie sich zur Zeit?

Barbara Frederick: Ich bin in Misrata, wo ein chirurgisches Team von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz ist. Vor drei Tagen bin ich aus der umkämpften Stadt Sirte zurückgekehrt.

derStandard.at: Die Truppen des Übergangsrats haben die Stadt mit Artillerie beschossen, um den Widerstand der Gaddafi-treuen Kämpfer zu brechen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Zivilisten in der Sirte?

Frederick: Mittlerweile ist der Großteil der Zivilbevölkerung aus der Stadt geflüchtet. Die Flüchtlinge leben in Zelten im Stadtrand und entlang der Küstenstraße.

derStandard.at: Besteht Hoffnung, dass die Zivilisten bald in ihre Häuser zurückkehren können?

Frederick: In der Umgebung des Ibn Sina-Spitals sind viele Gebäude durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt worden. Ich habe ein völlig zerstörtes Wohnviertel gesehen. Der Süden der Stadt, wo auch das Spital liegt, ist menschenleer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand dorthin zurückkehren kann, bevor der Wiederaufbau anläuft.


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derStandard.at: Wie würden Sie die Stimmung unter den geflohenen Zivilisten beschreiben? Fühlen diese sich befreit?

Frederick: Solche Diskussionen haben wir nicht geführt. Wir sind hier, um Hilfe zu leisten. Wir kümmern uns darum, die medizinische Grundversorgung der Flüchtlinge und die Anlieferung von Wasser und Lebensmitteln sicherzustellen. Wenn das funktioniert, sind wir zufrieden, ich habe mich nicht nach politischen Fragen erkundigt.

derStandard.at: Hatten Sie Kontakt mit verwundeten Kämpfern?

Frederick: Hier in Misrata behandeln wir jeden Tag Angehörige beider Konfliktparteien, ja. Am Tag versorgen wir etwa 20 Verwundete. Die Kriegsgefangenen werden aus dem Gefängnis zu uns gebracht, wir betreuen aber auch dort Patienten.

derStandard.at: Waren unter den Gaddafi-Kämpfern, die Sie behandelt haben, auch Bürger anderer Nationen? Setzt der gestürzte Diktator wirklich so viele ausländische Söldner ein, wie der Übergangsrat behauptet?

Frederick: Ich kann das nicht bestätigen. Wir sind eine internationale Hilfsorganisation und behandeln alle Patienten, die es in unser Spital schaffen, ohne nach ihrer Staatsbürgerschaft zu fragen.

derStandard.at: Das Team des Roten Kreuzes, das letzte Woche das Spital in Sirte belieferte, berichtet, dass auch das Krankenhaus beschossen wurde. Können Sie dies bestätigen?

Frederick: Das Spital wurde mehrmals von Raketen getroffen. Ob Gaddafi-treue Kämpfer das Gebäude wirklich als Stützpunkt benutzt haben, weiß ich nicht. Der Großteil der Fenster ist jedenfalls zerbrochen, weshalb die Patienten auf dem Gang untergebracht wurden. Auch die Wasserversorgung war unterbrochen. Wir haben es nun geschafft, einen Tankwagen voll Wasser in die Stadt zu bringen, um die katastrophalen Hygienebedingungen zu verbessern. Auch die Stromversorgung per Generator läuft mittlerweile, allerdings haben wir ein Problem damit, genügend Treibstoff heranzuschaffen.

derStandard.at: Liefern die Truppen des Übergangsrats Treibstoff für den Generator?

Frederick: Davon weiß ich nichts.

derStandard.at: Wieviele Patienten befinden sich noch in dem Krankenhaus?

Frederick: Nur noch etwa 25. Der Großteil wurde mittlerweile mit Fahrzeugen des Internationalen Roten Kreuzes in ein Feldspital, das 50 Kilometer außerhalb der Stadt liegt, und von dort mit Hubschraubern weiter nach Misrata und Tripolis gebracht. (derStandard.at/14.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 179
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Kritiker1A
01
18.10.2011, 12:31
Mittlerweile ist der Großteil der Zivilbevölkerung aus der Stadt geflüchtet.

Muß er ja so sagen, weil sonst die NATO die Rebellen bombardieren müßte !

Schiller Seff
1011
15.10.2011, 21:49
Zivilistenschutz

Aha, das machen die jetzt also wegen dem Zivilistenschutz

Georg Schütt
1512
15.10.2011, 21:00
So ungefähr wie hier müssen sich Diskussionen nach 1945 abgespielt haben.

Da waren auch die Alliierten an allem schuld, am Hunger, an Not und Zerstörungen, und H. hatte auch sein Gutes. Kein Wort mehr, wie es dazu kam und wie man selbst diesem Verbrecher geglaubt hatte.

Geradezu grotesk, wie heutzutage wieder die Ursache -> Gaddafis jahrzehntelanger Terror gegen seine eigene und gegen fremde Bevölkerungen, und Wirkung -> seine Beseitigung durch lybische Rebellen und Alliierte hier verdreht werden.

Peace 4 Libya
96
16.10.2011, 08:41

Das Trauma des WK2 sitzt offensichtlich so tief, dass es jederzeit zur Relativierung, was sage ich, zur Auslöschung aktueller Verbrechen der aktuell Herrschenden verwendet werden kann.

Warum war es für die Nazis so leicht das zu verbrechen was sie verbrochen haben? Kollaborateure und Profiteure allenthalben, Mitläufer soweit das Auge reicht.

Das Gleiche gilt seit Jahrzehnten für die Verbrechen des Westens. Schweigende Profiteure, die Bevölkerungen des Westens wissen offensichtlich ganz gut, dass sie von den Bombenkriegen des Westens profitieren.

Kollaborateure der aktuellen Verbrechen verwenden die Verbrechen der Nazis um die eigenen aktuellen Verbrechen unsichtbar zu machen, grauenvoll ist das.

sauraumpfa
811
15.10.2011, 22:45
wäre auch zu dumm wenn leute draufkommen würden,

dass geplant war die zentralbank für afrika zu gründen (soweit ich mich erinnere sollte dass nächsten märz sein), die auswirkungen werden auch ihnen nach kurzem nachdenken einfallen.

danach war geplant eine eigene teilw. goldgedeckte währung einzuführen, was wiederum die westmächte und da vor allem die amerikaner und franzosen an d. kontrolle d. afrik. länder und rohstoffe gehindert hätte.

soweit nur ein kleiner hinweis für sie als blinder NATO verehrer.

diamant
69
16.10.2011, 07:36
'zentralbank für afrika'

Was hindert Afrika dies weiterhin zu tun? Brauchen sie da wirklich einen libyschen Diktator dazu?

Erklaeren sie uns doch kurz die 'Auswirkungen' einer solchen Einrichtung?
Die Auswirkungen wenn Libyen diesen ominoesen 'Gold-Dinar' eingefuehrt haette ich gerne etwas beschrieben gehabt.
Wie haette der die durch sie beschriebenen Effekte gehabt?

Oder bleibts bei utopischem 'Wunschdenken'?

sauraumpfa
14
16.10.2011, 23:52
@ diamant - sie sind an ignoranz nicht zu überbieten

natürlich brauchen sie dazu keinen gadaffi, ich kann mich aber auch an keinen anderen erinnern dem das ein anliegen gewesen wäre.

sagen sie uns wer in den vergangenen jahren die einheit afrikas vorangetrieben hat - es braucht einen initiator sowie "leader" und der war nuneinmal gadaffi ob es ihnen nun gefällt oder nicht.

wenn ihnen die auswirkungen d. einführung einer afrik. zentralbank inkl. eigenem geld nicht im klaren sind, dann müssen sie dümmer sein als ich angenommen habe.

Georg Schütt
79
16.10.2011, 00:21
Lächerlich-dämliches VT-Gerede.

Von Libyen bis Syrien erheben sich die Völker, schütteln jahrzehntelalte Regimes ab, und Sie gackern von der Verhinderung einer Zentralbank als Kriegsziel? Als ob die Krisen nicht und Aufstände nicht hausgemacht wären?!

Wie menschenverachtend muss man eigentlich sein, um die Not dieser Menschen derart dämlich zu kommentieren? Haben Sie vollends den Verstand verloren?

Wenn ich Ihren Mist so lese, wird klar, warum Gaddafi sich so lange halten konnte: durch Knechte, wie Sie einer sind.

Peace 4 Libya
23
17.10.2011, 08:52

Interessant. Von Menschenverachtung reden und gleichzeitig dem Gott Nato, der mit dem Reinemachen, dem Bomben kaum nachkommt, huldigen.

Unglaublich ist das. Die Ursachen der "Volkserhebungen" liegen teils in hausgemachten Problemen - viele junge, gut Ausgebildete die keine! Chance haben am Wohlstand teilzunehmen, teils an den Interessen des Westens der kein Interesse haben kann! (würde eine kaum erfasste Änderungsnotwendigkeit des "Wohlstandsniveaus erfordern), dass diese Volkswirtschaften vermehrt als Konkurrenz um den! Rohstoff auftreten.

sauraumpfa
13
17.10.2011, 00:01
l@ georg - ja genau - so muss es sein

sie haben genau 0 ahnung wie die welt funktioniert - lesen sie den economic hitman von john perkins - da könnten sie aus ihren tagträumen vielleicht aufwachen.

ansonsten glauben sie weiter an ihre verklärte welt vom guten westen und den armen hungrigen und korrupten dritte welt ländern.

fahren sie mal raus aus europa und leben sie mal ein paar jahre in einem dieser länder dann werden sie diese dinge etwas anders betrachten.

schauen sie sich an wie sogen. "hilfsorganisationen" vor ort arbeiten und vor allem achten sie auf das was sie machen.
aber warum soll ich meine zeit mit einem ahnungslosen, ignoranten klugscheisser wie ihnen verschwenden.

sauraumpfa
52
15.10.2011, 22:38
was schreiben sie da für einen unsinn

gadaffi mag die opposition eingesperrt und teilweise auch gefoltert haben und vor allem hat er die al kaida (bengasi boys) bekämpft, wofür man ihm seitens des westens so dankbar war, dass sogar die amerikaner die polizisten d. gadaffi trainieren liess.

was er für sein land alles gemacht hat wird hier einfach unter den teppich gekehrt weil es ihnen und vielen nicht in den kram passt wo man ihn doch jetzt als blutrünstiges monster darstellen will damit d. hintergründe dieser aktion nicht auffallen.

diamant
12
16.10.2011, 14:05
'gadaffi mag die opposition eingesperrt und teilweise auch gefoltert haben.....

was er für sein land alles gemacht hat wird hier einfach unter den teppich gekehrt......'

Sie sollten den Bloedsinn den sie hier verzapfen mal selber lesen!

sauraumpfa
21
17.10.2011, 00:02
jsicher diamant - das was gemacht wurde fürs land zählt für sie nicht

weil es nicht in ihr dummes schema passt.

Mex Paua
97
15.10.2011, 19:22
Libya - Khamis Brigades liberate Zawiya, Green Resistance continues

http://www.youtube.com/watch?v=9aHPRNU1eo8

minardo08
89
15.10.2011, 18:32

Diese Demo fand am 25. März in Mali statt, also vor rund 7 Monaten. Wieder einmal ein Versuch der "zeitlichen Verzerrung" - typisch austria73.

http://af.reuters.com/article/t... R520110325

diamant
108
15.10.2011, 17:01
Und hoffentlich balb auch in gestochen scharfen Bildern

Mops
49
15.10.2011, 14:35

Und die USA machen weiter jetzt ist Uganda dran. Obama entsendet 100 Berater zur Unterstützung des Präsidenten gegen die Rebellen, eigentlich geht sie das einen Dreck an aber sie mischen wieder mit und bekanntlich hatten die USA am Anfang des Vietnamkriegs auch nur Beraterfunktion und am Ende gab es zwischen 4 und 6 Millionen Tote.

Fritz Wintersberger
55
15.10.2011, 15:27
Vietnam

Und über diesen Holocaust wird der Mantel des Schweigens gedeckt.

rioja
66
15.10.2011, 15:00

ach wie oft wurde ein neuer vietnamkrieg herbeigeschrieben.. selbst irak/afghanistan nahm keine vergleichbaren dimensionen an.. abgesehen davon das in vietnam ganz andere faktoren mitspielten.. ost gegen west. nordvietnam gegen südvietnam..ein stellvertreterkrieg etc. den rest kennt wohl jeder..

was aber natürlich nichts an der tatsache ändert das afrika der neue schauplatz geopolitischer interessen ist. nachdem china groß in afrika und deren ressourcen ausbeute mitspielt.. sind die westlichen länder natürlich unter zugzwang..

Peace 4 Libya
78
15.10.2011, 18:50

http://www.justforeignpolicy.org/iraq

Wann beginnen vergleichbare Szenarien?

Zu der Zahl der 1,5 Mill. Toten durch die US Invasion kommt noch die Zahl der halben Million durch die UN Embargos, Kinder und Alte, Schwache, Kranke.

diamant
75
15.10.2011, 19:43
Was ist mit den 100 000 den Toten durch die Diktatur Saddams und seine Kriege?

Aber was sag ich da, die zaehlen fuer sie ja genausowenig wie jene Toten die Gadaffi die letzten 42 Jahre auf seinem Kerbholz hat.....

Es gibt eben Tote die sie propagandisch ausschlachten kann und die anderen die sie ueberhaupt nicht kuemmern!

Peace 4 Libya
13
16.10.2011, 10:25

Bis zu einer Million gehen die Schätzungen nicht.

Man muss! sich das Gesamtbild ansehen. Und glauben Sie wer hat den hier im Hintergrund wieder geschürt um es den Mullas zu zeigen? Wieder unsere Freunde aus den USA?

Die gesamte Waffen produzierende Clique der WElt hat sich auf beiden Seiten die Türschnallen in die Hand gegeben um beide Seiten mit Waffen zu beliefern. Bombengeschäfte - selten stimmt das Wort so sehr.
Dass Saddam von "unser Bastard" zu einem "Terror" Bastard wurde hat dann wohl mit dem Übergriff auf "westlichen Besitz" in der Region zu tun nicht?

Blenden Sie doch nicht immer die Geschichte des Kriegstreiberischen Westens aus. Hier bei uns müssen beginnen die Welt zu verbessern - Demokratie;-) die kann das doch?

diamant
21
16.10.2011, 13:46
Ohne Waffenkauefer gaebe es keinen Waffenhandel!

Die Schuld liegt eben NICHT immer nur beim poesen 'Westen', dem sie staendig die alleinige Verantwortung an allem Boesen dieser Welt zuschreiben.

Schergen wie Saddam, Assad, Kamenei, Putin oder Gadaffi gehen bei ihnen dagegen frei aus....

Peace 4 Libya
12
16.10.2011, 16:38

Ihre aufgezählten "Schergen" sind Waisenknäbchen gegen das divide et impera seit Kolonialzeiten - die sich gerade wiederholen und das direkte "Engagement" des Westens, sei es Bomben, sei es Waffenlieferung, sei es "kreative" Zerstörung einst unabhängiger ökonomischer Strukturen.

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