Zeitungskongress: Google kooperiert mit 50.000 Verlagen

14. Oktober 2011, 12:59

"Wir verdienen nicht Geld auf dem Rücken der Zeitungen "

Google sammelt inzwischen Nachrichten von mehr als 50.000 Verlagshäusern und hat für entsprechende Kooperationen sechs Milliarden Dollar an Verlagshäuser in der ganzen Welt gezahlt. Dies berichtete Stefan Tweraser, Geschäftsführer von Google Deutschland, am Freitag beim Weltzeitungskongress in Wien. "Wir verdienen Geld nicht auf dem Rücken der Zeitungen", sagte Tweraser. Google hat für das dritte Quartal dank des wachsenden Internet-Werbemarktes gerade einen Gewinn von 2,7 Mrd. Dollar gemeldet.

"Wir tun einiges, damit es auch in Zukunft gute und qualitätsvolle Inhalte im Internet gibt."

Laut Tweraser sorgt sich Google um die Qualität von Inhalten im Web. "Wir tun einiges, damit es auch in Zukunft gute und qualitätsvolle Inhalte im Internet gibt." Jeden Tag gebe es mehr als eine Milliarde Suchanfragen bei Google, vieles davon werde an Verlage weitergeleitet. "Das wirkliche Geschäftsmodell von Google sind Partnerschaften. Das ist unsere DNA. Google News lebt, weil wir 50.000 Partner haben, mit denen wir auch Einnahmen teilen." Dass der Suchmachinen-Betreiber de facto eine Monopolstellung als Newsaggregator hat, wies der Deutschland-Chef von Google aber zurück. "Google dominiert den Markt der digitalen Werbung nicht." Es gebe mit Yahoo und Bing internationale und in Russland und China starke regionale Mitbewerber. "Es gibt also viele Alternativen zu Google", so Tweraser.

Dass soziale Medien den klassischen Medien das Wasser abgraben könnten, glaubt der Google-Manager nicht. "Soziale Medien brauchen Inhalte, damit Diskussionen in Gang kommen können. Es bringt nichts, Social Media gegen Inhalte auszuspielen." Das am stärksten wachsende Segment sieht Google derzeit bei Video-Content. "Video wird immer wichtiger. Pro Minute werden 48 Stunden neuer Video-Inhalte auf YouTube hochgeladen", erklärte Tweraser. "Sie können ihre Videos hochladen und damit Geld verdienen.

"Zurück zu den Kernaufgaben des Journalismus"

Um inhaltliche Erfolgsstrategien sowie erfolgreiche Innovationen im Zeitungsgeschäft ging es danach bei mehreren Runden Tischen im Rahmen des World Editors Forum. Ein "Zurück zu den Kernaufgaben des Journalismus", forderte dabei Han Fook Kwang, Redaktioneller Leiter der Tageszeitung "The Straits Times" aus Singapur. Tiefgehende und gut recherchierte Geschichten seien die meistgelesenen in seiner Zeitung, berichtete Kwang. Nicht Breaking News, sondern gutes Storytelling sei die Aufgabe von Zeitungen. "Zeitungen können die besten Geschichten erzählen, weil sie die besten Schreiber und 'Schriftsteller' haben." Zeitungen müssten darüber hinaus über die Inhalte "emotionale Bindung zum Leser" aufnehmen. "Vertrauen und Glaubwürdigkeit ist der Hauptgrund, warum Leser unsere Zeitung kaufen", erklärte Kwang.

Mehr Analyse, mehr Schwerpunktberichterstattung und groß aufbereitete, hintergrundlastige Informationsgrafiken sind für Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin der österreichischen Tageszeitung "Der Standard", inhaltliche Erfolgsfaktoren. Wichtig sei auch eine reibungslose und gut abgestimmte Kooperation zwischen Print- und Online-Redaktion. "Wir müssen die beste Lösung für jeden Kanal finden", so Föderl-Schmid.

Luca de Biase, Chefredakteur der italienischen "Il Sole 24 Ore", zeigte sich indes skeptisch. "Aus Italien kann ich keine guten Nachrichten überbringen. Wir haben ein verrücktes System und verrückte Politiker." In Italien würden bei etwa 60 Millionen Einwohnern nur fünf Millionen Zeitungen pro Tag verkauft, und im Fernsehen dominiere Italiens umstrittener Premier Silvio Berlusconi mit seinen Medienbeteiligungen. "Die Lage ist tragisch, aber nicht ernst", meinte de Biase ironisch. Ob die Rückbesinnung auf journalistische Wurzeln die richtige Richtung sei - "nicht wirklich, jeder Zeitungsartikel kann genauso gut auch online publiziert werden.

Thomas Götz, stellvertretender Chefredakteur der "Kleinen Zeitung", präsentierte der internationalen Zeitungsbranche das erfolgreiche Konzept der "Kleine"-Kinderzeitung, das beim World Editors Forum auch eine anerkennende Auszeichnung erhielt. Schon nach kurzer Zeit habe die "Kleine" mit ihrer Kinderzeitung den Break even geschafft und fast 20.000 Exemplare der kostenpflichtigen wöchentlich erscheinenden Kinderzeitung verkauft. Man sei vom Erfolg selbst etwas überrascht worden, habe letztlich aber eine erfolgreiche Strategie entwickelt, neue junge Leser anzusprechen. (APA)

 

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