Mit Umweltschutz zur Unabhängigkeit

20. Oktober 2011, 06:15
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Die Frauenorganisation Savisthri setzt auf ökologischen Anbau für unabhängige Bauern - Ein Einblick nach Ende des Bürgerkriegs 2009

Der farbenprächtige Sari von Padma Pushpakanthi hebt sich kontrastreich von der üppigen, grünen Vegetation im Hintergrund ab. Es gedeihen hier große Bananenbäume, Gemüsefelder mit Melanzani und Paradeisern, erzählt sie. Die Gründerin und Leiterin des Frauennetzwerks Savisthri in Sri Lanka lächelt und berichtet stolz, dass dieses Land in Anuradhapura im Norden Sri Lankas noch vor nicht allzu langer Zeit durch Monokulturen, Überdüngung und Pflanzengifte unfruchtbar und öde war. Ihre Organisation hat das Grundstück der Regierung abgekauft und wieder nutzbar gemacht. Doch das ist nur ein Beispiel der Arbeit der Frauen von Savisthri, die sich für ein selbstbestimmtes und ökologisch nachhaltiges Leben einsetzen.

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Land-Grabbing, also die Übereignung von Land an ausländische Unternehmen, ist auch in Sri Lanka ein Problem, wie Pushpakanthi berichtet: "Allein an die Firma Dole wurden 56000 Hektar für Bananenplantagen vergeben." Die Chemikalien würden von Hubschraubern aus auf Pflanzen gesprüht, keine unübliche Vorgehensweise. Pushpakanthi kritisiert: "Die Menschen bekommen Probleme mit Nieren, Herz und Lunge. Es gebe zwar viele private Spitäler, aber die sind teuer.

"Große Unternehmen kontrollieren die Plantagen. Zwei oder drei Familien leben in kleinen Häusern nahe einer Plantagen zusammen. Der Profit steht im Vordergrund, soziale Absicherungen gibt es nur wenige. Die Ceylonesen lebten jahrzehntelang im Terror des Bürgerkriegs, der erst vor zweieinhalb Jahren im Mai 2009 endete. "Die Angst ist aber nicht weg. Es gibt immer noch Probleme. In manchen Bereichen sind sie größer als zuvor", sagt die Aktivistin. Im Süden würden etwa viele tamilische Frauen auf den Gummiplantagen arbeiten, Schutz gegen Übergriffe gebe es keinen.

Lebensmittel selbst produzieren

Die Organisation Savisthri wurde daher als Antwort auf die schädliche Wirtschaft im Jahr 1994 gegründet und setzt bei der Organisierung der Frauen an: Teeplantagenarbeiterinnen, Kleinstbäuerinnen, Textilarbeiterinnen und Fischverkäuferinnen sind Mitglieder. Die Menschen sollen wieder lernen, sich selbst zu organisieren und im Einklang mit der Natur zu leben. Tiere, Wasser und Boden werden in die landwirtschaftliche Nutzung miteinbezogen. 

"Die Menschen hatten ihr eigenes, ökologisch freundliches System der Landwirtschaft." Zu diesem sollen sie mit Hilfe der Organisation zurückkehren. Die Lebensmittel werden in ökologisch nachhaltige Gärten selbst produziert. Die Bio-Produkte werden in kleinen Geschäften und auf Wochenmärkten verkauft.

Das Geld bleibt im Dorf

Das System der Mikrokredite ist in den vergangenen Jahren immer mehr in die Kritik geraten. Die Kontrollsysteme seien unzureichend, meinen Kritiker. Savisthri setzt jedoch stark auf das System der "Minibanken" und Padma Pushpakanthi erklärt warum: "Nur dadurch zirkuliert das Geld im Dorf. Der Gewinn wandert an die Bewohner und nicht an eine große Bank." Das System funktioniert, indem die DorfbewohnerInnen ihr Erspartes in "Small Society" investieren. Eine Gruppe von Frauen entscheidet durch Diskussionen, wem wieviel geborgt wird und entscheidet auch über Höhe und Dauer der Rückzahlraten. Bei Problemen mit der Tilgung der Kredite, kann den SchuldnerInnen eine Verlängerung gewährleistet werden. 

Die Vertreterinnen von Savishtri erklären den InvestorInnen, wie das System funktioniert, helfen bei der Durchführung und berechnen am Ende den Gewinn - jedoch nur mit Zustimmung der Interessensgemeinschaft. Der alternative wirtschaftliche Prozess erstreckt sich bereits über sechs Bezirke.

Als nächster Schritt soll das Ersparte investiert werden, um einen Prozess der Produktion zu entwickeln, der die traditionellen Stärken und die Ressourcen des Dorfes berücksichtigt. "Als dritten Schritt werden Produzenten und Konsumenten direkt verbunden, damit der Produktionsprozess nicht in die Hände von Dritten fällt", sagt Pushpakanthi. Durch die Vermittlung der Organisation haben sich zum Beispiel auch Bezirke zusammengeschlossen, um Transportkosten zu sparen. 

Frauen entscheiden

"Nur durch unsere Solidarität können wir etwas verändern", ist Pushpakanthi überzeugt. "Sramadhana" wird die traditionelle Form der gemeinsamen, gemeinnützigen Hilfeleistungen genannt. Oblag es früher dem Dorfvorsteher und dem männlichen Dorfrat auszuwählen, welche Investitionen notwendig sind, fällen nun die Frauengruppen die Entscheidungen. Eine Investition war zum Beispiel für das Material eines Hauses für Menschen mit Behinderungen. Die Arbeit wurde als Gemeinschaftsdienst freiwillig geleistet.

Kleine Erfolge

Es sind auch die kleinen Erfolge, die die Lebensqualität der DorfbewohnerInnen verbessern kann. Ein Bus, der die Kinder pünktlich um 7:15 Uhr auf der Galnewa Straße in die Schule führte, wurde aufgelassen. Leidtragende waren die SchülerInnen, die jeden Tag einen langen Fußmarsch vor sich hatten. "Wir sind zur Verwaltung gegangen und haben uns beschwert. Jetzt fährt der Bus wieder dreimal am Tag", berichtet die Aktivistin. 

Den hügeligen und unfruchtbaren Boden in Anuradhapura habe Savasthri auch aus pädagogischen Gründen gewählt, erzählt Padma Pushpakanthi: "Wir konnten den Kindern und Jugendlichen zeigen, wie wir den Boden wieder nutzbar gemacht haben." (Julia Schilly, derStandard.at, 20. Oktober 2011)

Wissensbox

Zur Person

Padma Pushpakanthi, Sri Lanka, hat Ausbildungen im Bereich Management, Gesundheit und partizipative Entwicklung absolviert und ist seit Anfang der 1990er im Feld der sozialen Entwicklung tätig. 1993 hat sie die NGO Savisthri (übersetzt "Frauen für alternative Entwicklung") mitbegründet, die sich für Empowerment von Frauen einsetzt.

Savasthri

"Savisthri" heißt übersetzt soviel wie "Frauen für alternative Entwicklung". Dahinter steht eine der aktivsten, unabhängigen Frauenorganisationen Sri Lankas. Savisthri wurde 1993 ins Leben gerufen, mit dem Ziel die Lebenssituation der Frauen in den unterprivilegierten Schichten Sri Lankas zu verbessern. Savisthri gehört heute zu einer der führenden Frauenorganisationen in Sri Lanka, die durch ihre engagierte Arbeit für alle Frauen egal welcher ethnischen oder sozialen Herkunft, auch zu einer wichtigen Partnerin internationaler Hilfsorganisationen, wie der Dreikönigsaktion, geworden ist.

Savisthri

Bürgerkrieg in Sri Lanka

Der Bürgerkrieg zwischen tamilischen Separatisten, vor allem der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), auf der einen und dem sri-lankischen Militär (sowie diversen paramilitärischen singhalesischen und tamilischen Anti-LTTE-Einheiten) dauert von 1983 bis 2009. Es wird von einer Opferzahl zwischen 80.000 bis 100.000 ausgegangen. Die LTTE forderte einen unabhängigen Staat, "Tamil Eelam", die sri-lankische Regierung lehnte das jedoch strikt ab. Am 19. Mai 2009 endete der Bürgerkrieg schließlich nach dem endgültigen militärischen Sieg der sri-lankischen Armee.

  • Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ist vorbei, doch es gebe immer noch Probleme, berichten Vertreterinnen von "Savisthri".
    foto: savisthri

    Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ist vorbei, doch es gebe immer noch Probleme, berichten Vertreterinnen von "Savisthri".

  • Padma Pushpakanthi gründete die Organisation 1993. Ziel ist es den menschen zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen.
    foto: savisthri

    Padma Pushpakanthi gründete die Organisation 1993. Ziel ist es den menschen zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen.

  • Lebensmittel, so wie zum Beispiel Obst, Gemüse, aber auch getrockneter Fisch, werden auf eine umweltschonende Weise produziert.
    foto: savisthri

    Lebensmittel, so wie zum Beispiel Obst, Gemüse, aber auch getrockneter Fisch, werden auf eine umweltschonende Weise produziert.

  • Der Gewinn wird in Spargemeinschaften investiert, die intern Kredite vergeben. Der Profit davon landet nicht bei einer Bank, sondern wieder direkt bei den Dorfbewohnern.
    foto: savisthri

    Der Gewinn wird in Spargemeinschaften investiert, die intern Kredite vergeben. Der Profit davon landet nicht bei einer Bank, sondern wieder direkt bei den Dorfbewohnern.

  • Das Geld verlässt das Dorf nicht, berichtet Pushpakanthi.
    foto: savisthri

    Das Geld verlässt das Dorf nicht, berichtet Pushpakanthi.

  • Doch auch alltägliche Probleme werden angegangen: So wurde ein 7:15-Bus aufgelassen, die Kinder mussten zu Fuß zur Schule pilgern. Der Bus fährt nach Intervention von Savisthri wieder.
    foto: savisthri

    Doch auch alltägliche Probleme werden angegangen: So wurde ein 7:15-Bus aufgelassen, die Kinder mussten zu Fuß zur Schule pilgern. Der Bus fährt nach Intervention von Savisthri wieder.

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