Die Aktionen von Anonymous lösen zunehmend ambivalente Reaktionen aus

14. Oktober 2011, 10:42

In der Kampfzone der Hacker-Aktivisten treffen ernsthafte politische Anliegen auf juvenilen Übermut

Die Berichte über die jüngsten Aktionen des Hacker-Kollektivs Anonymous in Österreich reichen von wohlwollend bis scharf kritisierend. Vor allem die Veröffentlichung der Wohnadressen von 25.000 Polizisten im September löste eine Debatte zu den Motiven der Bewegung aus.

"Gesellschaftliche Spannungsfelder im Netz"

Auch innerhalb der Technischen Universität habe es über die Motivation und Sinnhaftigkeit der Aktion sehr kontroverse Debatten in der Kollegenschaft gegeben, erzählt Peter Purgathofer von der Technischen Universität Wien. Er ist Professor an der Fakultät für Informatik und forscht unter anderem zum Thema "Gesellschaftliche Spannungsfelder im Netz".

Grundsätzlich definierte Ziele von Anonymous sind Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit. Digitaler Aktionismus, wie ihn die anonymen Hacker rund um den Globus einsetzen, soll breitflächige Debatten auslösen. Als AnonAustria, wie sich der Ableger in Österreich nennt, 600.000 Datensätze von der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) in die Hände bekam, war das Ziel vor allem eins: auf Sicherheitslücken und laxen Umgang mit sensiblen Daten aufseiten österreichischer Behörden und Unternehmen aufmerksam zu machen. Sie lagen für jedermann zugänglich auf einem Filehoster. Tagtäglich soll die TGKK die Daten an 50 private Unternehmen gespiegelt haben. "Da stellen sich mir die Haare auf", meint Purgathofer.

"Wir wissen heute gar nicht, was gegen uns vorliegt und wer welche Informationen über uns gespeichert hat."

Das oft zitierte "Big Brother"-Szenario vom Überwachungsstaat aus dem Roman 1984 tauscht er gegen die Grundstimmung aus Kafkas Prozess ein: "Wir wissen heute gar nicht, was gegen uns vorliegt und wer welche Informationen über uns gespeichert hat." Genau darauf will Anonymous aufmerksam machen. Egal ob es dabei um die Wirtschaftskammer, Sony oder das Innenministerium geht. Einzig der Clou mit den Polizeidaten ist mehr in die Ecke "Lächerlichmachen des Gegners" zu verbannen. Per Definition sei die Polizei der Feind, erzählt ein Hacker der Bewegung im STANDARD-Gespräch. Dass das Ansehen von Anonymous in der Öffentlichkeit damit nicht unbedingt gestiegen ist, sei eine unangenehme Nebenerscheinung. Aber das Ziel, "über Datenschutz und Gesetzgebung zu diskutieren", werde damit erreicht. Bösartigkeit sei jedenfalls keine im Spiel gewesen.

Schlüsselroman "Daemon"

Aber so genau kann das weder der Netzaktivist noch der TU-Professor sagen. Wie viele aktive Mitglieder tatsächlich an der Bewegung teilnehmen und welche Motive jeder Einzelne von ihnen hat, liegt in den Untiefen des World Wide Web vergraben. Entstanden aus anonymen Image-Boards, ist der Name wirklich Programm. Dass einzelne Aktionen nicht den Grundbestrebungen des Kollektivs entsprechen, liegt bei einer derart losen und großen Verbindung in der Natur der Sache.

Solange das Medieninteresse besteht und Hacker öffentlich verfolgt und mit hohen Strafen belegt werden, so lange werde die Bewegung Zulauf finden von Menschen, die auf die wahrgenommene Macht- und Wirkungslosigkeit reagieren wollen, meint Purgathofer. Ähnlich den realen Protesten und Bürgerrechtsbewegungen von Israel bis zur Wall Street.

Anleitungen

Ein Schlüsselroman der Hacker-Aktivisten, so vermutet Purgathofer, könnte Daemon von Daniel Suarez sein. Der ehemalige Netzwerktechniker gibt in seinem Tech-Fiction-Roman sehr ausführliche Anleitungen, wie etwa Konzerne über gehackte Daten erpressbar gemacht werden können, um eine neue Weltordnung zu schaffen. Auch eine lange Liste mit Links über diverse Forschungsprojekte findet sich in dem Buch.

Im Kern geht es um Informationsautonomie und das Aufzeigen von Sicherheitslücken. Die traditionelle Hacker-Etikette der 1970- er Jahre sei zwar verwässert - aber "Tu es, weil du es kannst, ohne zu schädigen" gelte auch heute noch. (Julia Herrnböck, DER STANDARD Printausgabe 14 .Oktober 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
CyberCop
00
2.11.2011, 01:20
Vor allem die Veröffentlichung der Wohnadressen von 25.000 Polizisten im September löste eine Debatte zu den Motiven der Bewegung aus.

zu der seite hätt ich gerne einen link.

meines wissens wurde BEHAUPTET die daten von 25.000 polizisten zu haben - wo wurden die veröffentlicht, wo kann man die nachlesen?

sollte ich einen link bekommen: vewerflich!

sollte ich keinen link bekommen: miese propaganda

Angelika70
20
22.10.2011, 02:26

AnonAustria sind die, vor denen sie uns warnen wollen. Bogen überspannt, elendes Pack!

Elettra
00
16.10.2011, 23:31
Frankenstein jammert über seine eigene Kreation.. Anonymus Ausgeburt und Kind der Medien

http://at-elettra.blogspot.com/2011/10/k... zu_16.html

Elettra
02
16.10.2011, 23:13
Frankenstein jammert über seine eigene Kreation.. Anonymus Ausgeburt der Medien

Damit wir uns recht verstehen, hin und wieder Anonymus zu sein ist ein Menschenrecht, hingegen die von den Medien nun erschaffene in der Guy Fawkes personalisierte Fiktion "Anonymous" ist eine Kreation zum bestimmten Zweck, dient dazu Anonymität an sich als Wert zu diskreditieren.

Galt früher einmal,... wer seine Webseite seinen Server nicht ausreichend absichere, sei bei Problemen mit dem Datenschutz selbst schuld, heute drehen unsere Medien die Schuldfrage einfach um, liefern das passende Feindbild "des bösen Anonymus" in Person gleich dazu.

Wozu?

Biene_Maja
 
17
15.10.2011, 13:40

Anonaustria ist die lächerlichste aller Gruppierungen der Anons. Sprechen von Meinungsfreiheit und zensieren im eigenen Channel alles, was ihnen nicht gefällt. Hauptsache ein radikaler Judenhasser spielt sich ständig als Anführer auf und keiner von denen kann ohne Anleitung auch nur irgendeinen Server "hacken".

Ps.: Daten auf einer CD zu bekommen nennt man nicht hacken.

Baaron Arr
00
16.10.2011, 11:48

als ich da mal drin war wurde zwar nix zensiert, judenhasser war auch keiner am start, aber die politische ahnungslosigkeit war bei den österreichern erschreckend und nur furchtbar - das schaut im de chan scho ganz anders aus.

Trolling is a art.
15
15.10.2011, 13:21
"Grundsätzlich definierte Ziele von Anonymous sind Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit."

Old Anonymous tat alles nur for the lulz. War wesentlich lustiger als New Anonymous/Protestfags.

Wald4tler Wiener
01
15.10.2011, 13:19

Letztens war im AnonAustria Blog zu lesen, dass sie eine österr. Bank hacken wollen, wenn diese nicht mit einer bestimmten TV-Werbung aufhört.
Das ist plumpe Erpressung und hat nichts mehr mit den ursprünglichen Zielen von Anonymous zu tun!

LCD
11
15.10.2011, 10:08

Dass Anon gutes tut, sieht man daran wie Saskijan in ihrem Blog über sie schimpft.

JosefGott
00
20.10.2011, 00:17
Leider hat Anonymous den Bogen überspannt...

Ich meine den LC-Hack. Damit haben sie bewiesen wie kriminell sie sind und dass Ihnen die Leben von Unschuldigen nichts bedeuten.

M. C. Escher
33
14.10.2011, 22:49
Wirklich? Wo haben sie diesen Eindruck gewonnen? In den Kreisen hoher Beamter und der Spitzenpolitik, mit dem sich "gehobener Journalismus" so gerne gemein macht?

Ich konnte jedenfalls nichts dergleichen hören. Ganz im Gegenteil!
Eigentlich hatte ich den Eindruck, Anonymous sei endlich erwachsen geworden - nachdem man sich zuvor vornehmlich um Spielkonsolen gekümmert hat.
Andererseits ist das wohl nur der gutbürgerliche Versuch, diese Bewegung zu diskreditieren.
Das Trommelfeuer der für die heutigen Anforderungen untauglichen und impotenten Systemmedien hat ja schon bei Wikileaks recht gut funktioniert. Dort hat man sich einfach eine Person vorgeknöpft und nach jedem gesucht, der sich öffentlich abfällig über sie äußern wollte. Das ist ja nie ein Problem.
Wird man diesmal ähnlich vorgehen?

Die alte, freie Presse, um ihren Platz am Hof zitternd, wird immer mehr zum Teil des Problems, als zur Lösung.

jetzt möchte ich wissen:
10
14.10.2011, 21:17
datenschutz, was heisst das?

in österreich sorgt sich die mehrheit vor einem zuviel an datenüberwachung: um steuergeld werden angeblich bundestrojaner gekauft, wird allzuleicht ein lauschangrifferl aktiviert, vorratsdatenspeicherung, ...
andererseits stehen hochsensible persönliche daten von dritten, personen im staatsdienst/staatsnahen unternehmen, ungeschützt im netz herum und wenn diese an die medien gelangen (das war der anonymous-fehler, hätte/n der/die direkt machen sollen ohne forderung) dann, ja dann kann sich der staat erst recht nicht helfen, den angriff nicht parieren. wäre doch sinnvoll, der staat investiert primär verstärkt in datensicherheit, als in datenüberwachung.

Elvira Stussner
11
15.10.2011, 03:09

Wieso nur der Staat ? Amazon, Google, Facebook, usw. brauchen nicht auf meine Daten aufzupassen, nur weil wir sie ihnen freiwillig geben, und davon profitieren ?

XD XD
00
14.10.2011, 19:18

Daemon und ein Leitwerk?
Herr Purgathofer haben sie das Buch überhaupt gelesen?
Daemon zeigt vor allem die gefahren der Digitalisierung und die schwachstellen des Kapitalismus auf. Zwar werden Hackerangriffe und Erpressungen beschrieben, aber bei weitem nicht genau genug, um einem Aktivisten die Möglichkeit zu geben solch eine Aktion durchzufüren.

Außerdem ist das im Buch beschriebene Motiv eine neue, weder auf Kapitalismus noch auf Kommunismus basierende, Weltordnung, was wohl kaum auf die Motive von Anonymus passt.

/ .
43
14.10.2011, 18:22
zum mitdenken

was ist euch lieber:
dass anonymous sicherheitsleaks aufzeigt (medienwirksam) und diese dadurch an die öffentlichkeit gelangen.
oder dass hacks passieren, die nie aufgedeckt werden und bedenkliche daten gestohlen werden für welche üblen zwecke auch immer.

Elvira Stussner
42
15.10.2011, 03:13

Also mir ist nicht lieber, dass Bankräuber die Sicherheitslücken von Bankfilialen aufzeigen und dann noch als Helden gefeiert werden.
Mir wäre lieber, die "Anonymen" würden sich erkennlich machen und die Missstände bei der Datensicherheit so aufzeigen, wie ein seriöser Journalist z.B. Korruption von Politikern aufzeigt.

maruh
22
15.10.2011, 08:08

dieses ist leider nicht möglich

am besten du versuchst es mal
wunder dich dann aber nicht wenn du besuch von der polizei bekommst

Elvira Stussner
13
15.10.2011, 11:59

Warum soll das nicht möglich sein ?

Ich weiß warum: weil dann der Spaßfaktor verloren geht.

Mir fällt z.B. auf, dass Ihr Auto unversperrt ist. Was ist Ihnen lieber ? Ich läute bei Ihnen an und weise Sie darauf hin. Oder ich fahre mit Ihrem Auto nach Rumänien und schicke Ihnen einen Brief, wo Sie es sich wieder abholen können.

fr33k van der Wand
 
00
17.10.2011, 10:13
es ist nicht möglich...

... da unser lieber staat es mittlerweile auch schon als verbrechen sieht wenn man es versucht...
und die... ich sag mal organisationen beschäftigen zu wenig eigene leute welche das eigene system attackieren...

es gibt schon seine gründe wieso "hacken" mittlerweile an unis unterrichtet wird und es "weltmeisterschaten" darin gibt... XD

fr33k van der Wand
 
00
17.10.2011, 10:10
es ist nicht möglich...

Beiddenker
00
15.10.2011, 01:01
Also mir wäre am Liebsten, dass die Datenschutzkommision aufgewertet wird ...

... und eine regulative/überwachende rolle übernimmt, die demokratisch kontrolliert wird, als irgendwelche Leute, die keiner kennt und deren Motive nicht klar sind.

Charlie Brown
13
14.10.2011, 23:39
Zum Mitdenken: dritte Möglichkeit

1. Bericht an den Betreiber mit allen Details und Hinweis, dass die Schwachstelle in 2 Wochen publiziert wird.
2. Publizieren der Schwachstelle und der Art der gewonnenen Daten.
3. Bei Bestreiten des Betreibers anonymisierte Veröffentlichung weniger Datensätze.

Gleiches Ergebnis, kein Kollateralschaden.

Sägnüt
 
54
14.10.2011, 19:25

Wenn ich die Daten veröffentliche (Polizei), weiterhin in Besitz halte (GIS) und damit drohe, diese eventuell doch noch zu veröffentlichen (TGKK), dann bin ich genau der, vor dem ich angeblich warnen will.
Geweiht wird das dann als Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung.

fr33k van der Wand
 
00
17.10.2011, 10:19

"dann bin ich genau der, vor dem ich angeblich warnen will"

wth?

"der, vor dem ich angeblich warnen will" ist jener der nichts sagt, die daten weiterverkauft und eines morgen wacht man auf und das konto ist leergeräumt...

"der, vor dem ich angeblich warnen will" droht nicht mit veröffentlichung, er droht nicht mit diebstahl, er tut es einfach still und heimlich

und jetzt mal ehrlich, anon ist mittlerweile bekannt, was kann dann eine unbekannte gruppe von hackern ausrichten und man merkt vl erst ein jahr später was eig passiert ist?

Sägnüt
 
00
17.10.2011, 19:12
Es geht darum, dass Missbrauch mit den Daten betrieben wird.

Ob ich den Missbrauch dann öffentlich betreibe wie anon (denen trauen Sie tatsächlich!?) oder im geheimen, wth.
Dass sich diese Leute mit den Erkenntnissen an Staatsanwaltschaft, Polizei, Presse, Politik oder gar Datenschutzbeauftragte wenden, liegt offenbar ausserhalb des Vorstellbaren. Und dass diese dann auch noch offenbar von sich eingenommene Selbstdarsteller sind, mwie man an den zum Teil verlogenen Inszenierungen sieht
Und mit dem Konto, tut mir leid, Sie sind doch erwachsen, wenn Sie da erst nach 1 Jahr draufkommen, aber im Prinzip gilt hier sowieso, kein Vertrauen, und wenn Geld ohne Ihr Einverständnis abgehoben wird, können Sie's auch rückbuchen lassen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.