Vom korrekten Leben im Sturm und Drang

19. Oktober 2011, 16:54
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Die ewige Jugend gepachtet: Porsche bringt einen komplett neuen 911. Mit Technik bis zum Abwinken. Und womöglich fescher denn je

Man kennt das ja von Walter Röhrl. Dass sich ein Porsche 911 auch noch knapp unterhalb der Schallmauer souverän manövrieren lässt. Dass dies aber auch die jungen Burschen auf dem Rundkurs am hauseigenen Forschungs- und Entwicklungszentrum Weissach draufhaben, da staunen wir allerdings schon ein wenig. Wobei - da überlässt der Mann am Volant den STANDARD-Emissär keinen Trugschlüssen - dies in erster Linie den Qualitäten des neuen 911, der allerjüngsten Evolutionsstufe dieses Urmeters seriösen Sportwagentums, zuzuschreiben sei. Längsdynamik! Querbeschleunigung! Motorsound! Na bumm! Was der kann! Und wie plötzlich die 65 kg besagten Beifahrers bei fünf G schwer werden!

Dies jedenfalls war der erste Kontakt mit dem Neuen, und warum selbiger so ausfiel und was das Prachtstück sonst noch so draufhat, das teilte sich in vier Workshops mit: Effizienz. Performance. Leichtbau. Emotionen.

Gleich zum ersten Punkt. Bei der Frage nach optimaler Leistung oder Verbrauch ersetzt Porsche "oder" durch "und", der Ansatz hat eine lange Tradition und ist heute wichtiger denn je, man muss ja nicht nur einem grünen Landesvater den Wind der ideologisierten Autoweltsicht aus den Segeln nehmen. Konkret wurde der Hubraum des V6-Boxers im Carrera von 3,6 auf 3,4 Liter reduziert, die Leistung aber auf 350 PS gesteigert - und der Verbrauch um rund 1,5 l/100 km gesenkt, auf 8,2 Liter im Normtest. Folglich garantiert der 911 politisch korrektes Leben auch im Sturm und Drang.

Dass es dazu kam, liegt daran, dass dies trotz allen Wiedererkennungswerts ein komplett neues Auto auf völlig neuer Plattform ist, man habe auf einem weißen Blatt Papier begonnen, schildert Baureihenleiter August Achleitner.

Wobei, beeindruckend,der Aufwand beim Leichtbau. Eigentlich wäre der Wagen, unter anderem wegen höherer Sicherheitsanforderungen und mehr "Produktsubstanz", schönes Wort, werden wir uns merken, rund 58 kg schwerer als der Vorgänger. Dass er tatsächlich bis zu 45 kg leichter wurde - und das, obwohl der 911 mit 4,49 m um 5,6 cm in der Länge zulegte -, besagt, dass Porsches Weight-Watcher den 911 um die 100 kg abspeckten. Hauptursächlich zuzuschreiben der aus hochintelligentem Alu-Stahl-Magnesium-Materialmix gefertigten Karosserie, bei der nunmehr 44 Prozent des Gewichts auf Aluminium entfallen.

Nebeneffekt: 20 Prozent bessere Torsionssteifigkeit; und es war schon der Vorgänger steif wie Brett. Das wiederum sowie der um 100 mm längere Radstand, gefinkelte Aerodynamik und Hightech bis zum Abwinken katapultieren die Sportwagenlegende in eine neue Dimension. Der Gegencheck am Nürburgring ergab eine Rundenzeit von 7:40 Minuten - 14 Sekunden schneller als der "Alte". Das. Sind. Welten. Und nächstes Mal fahren wir dann selbst. Mitte November. Bericht folgt. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/14.10.2011)

 

  • Komplett neu konstruierte Vorder- und Hinterachsen, 100 mm mehr Radstand und, erstmals, elektromechanische Lenkung manövrieren den 911 in eine neue Perfektionsliga.
    foto: werk

    Komplett neu konstruierte Vorder- und Hinterachsen, 100 mm mehr Radstand und, erstmals, elektromechanische Lenkung manövrieren den 911 in eine neue Perfektionsliga.

  • Das Kraftwerk - 6-Zylinder-Boxer - sorgt nicht nur für Vortrieb, sondern
 auch für "Wunschkonzert"-Sound.
    foto: werk

    Das Kraftwerk - 6-Zylinder-Boxer - sorgt nicht nur für Vortrieb, sondern auch für "Wunschkonzert"-Sound.

  •  Gebremst wird übrigens noch 
dramatischer als bisher.
    foto: werk

    Gebremst wird übrigens noch dramatischer als bisher.

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