Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung
Radfahren ist eine wunderbare Möglichkeit, den Energieverbrauch und Schadstoffausstoß in der Stadt abzusenken und den eigenen Fitnesslevel anzuheben. Schon der Weg zur Arbeit, beispielsweise zweimal zwanzig Minuten täglich auf dem Sattel, erfüllt alle Forderungen nach einem Mindestbewegungspensum. Allerdings ist die Vermehrung der Radlerinnen und Radler mit allerlei Unbill verbunden. Der Ausbau von Radwegen und Radfahrstreifen ist dabei kein Allheilmittel. Das Grundproblem: Steigt der Radfahreranteil in durchaus wünschenswertem Ausmaß, erweisen sich die baulichen Einrichtungen schnell als überlastet und werden selbst zur Gefahrenquelle.
Man kann also durchaus sagen: Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Das heißt, Radwege mögen vielleicht das richtige Symbol sein, aber sie sind nicht unbedingt immer die richtige Lösung. Ein vernünftiges Miteinander von Rad- und Autoverkehr lässt sich architektonisch kaum erzeugen.
Es geht hier also eher um die Auflösung von Konfliktszenarien. So verharren die Autofahrer, aber auch Autofahrerinnen (im Auto sitzend sind ganz schnell wirklich alle Menschen gleich), noch immer in ihrer Rolle des Stärkeren, während die Radfahrer in ihrer Wendigkeit und mitunter Gemeinheit die Leute in ihren verlöteten Kisten vor schier unlösbare Aufgaben stellen.
Ohne Verbesserung des Umgangs miteinander ist eigentlich keine Radpolitik zu machen. Das wichtigste Element, der Respekt voreinander, lässt sich durch ingenieursmäßige Klimmzüge nicht erreichen. Und da geht es nicht nur darum, den Radverkehr aus der Windschutzscheibenperspektive etwas entspannter und toleranter zu sehen. Hier dürfen sich auch die Radfahrer lernfähig zeigen.
Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, wie Menschen zwischen ihren Rollen hin und her hüpfen können und dabei offenbar immer die jeweils vorher gespielte völlig vergessen. Das bezieht natürlich auch die Fußgänger mit ein. Man bewegt sich offenbar instinktiv gemäß den Eigenheiten der jeweiligen Gruppe. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/14.10.2011)