DASH oder essen Sie Ihren Blutdruck hinunter

16. Oktober 2011, 17:00
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Der Erfolg der DASH-Diät ist nicht überraschend, kombiniert er doch einige wirksame Maßnahmen zur Blutdrucksenkung

DASH ist keine Star-Diät, sondern der Star unter den Diäten. Zumindest in den USA rangiert die Diät, die ursprünglich entwickelt wurde, um Bluthochdruck zu senken, mittlerweile ganz oben in der Beliebtheitsskala der Gesundheitskost.

Vergangenen Juni zum Beispiel wählten 22 Ernährungsexperten DASH für das Online-Portal USnews zur effektivsten Diät und vergaben Bestnoten für Sicherheit, die Fähigkeit Diabetes zu verhindern oder zu kontrollieren und für die Verbesserung der Herzgesundheit. DASH steht für Dietary Approaches to Stop Hypertension. Dahinter verbirgt sich ein gesunder und erwiesenermaßen blutdrucksenkender Ernährungsplan und keine Diät im landläufigen Sinn. 

Kochsalz reduzieren

Die DASH-Studie wurde zwischen 1993 und 1997 in den USA als klinische Studie durchgeführt. Fünf renommierte medizinische Forschungsstätten verglichen in einem eindrucksvoll angelegten und detaillierten Design mit 459 Teilnehmern drei Ernährungsformen. Als Kontroll-Diät fungierte die „typisch amerikanische" Kost mit durchschnittlichen Fettwerten. Als zweite Diät wurde eine „idealisierte" Ernährung mit sehr hohem Anteil an Obst und Gemüse entworfen. Der dritte Ernährungsplan war die DASH-Diät: eine Kombination der beiden anderen, die bezüglich des Gehaltes an gesättigten Fettsäuren, Gesamtfett und Cholesterin deutlich niedriger lag als die amerikanische Durchschnittskost und wesentlich mehr Früchte und Gemüse sowie fettreduzierte Milchprodukte enthielt. Die Studie testete damit die Auswirkungen von Ernährungsmustern und nicht nur die einzelner Nahrungsmittel.

Herzstück des DASH-Ernährungsplanes ist die Reduktion von Kochsalz, die in Verbindung mit der Kombinationsdiät mit einer deutlichen Senkung des Blutdrucks einherging. „Verringerte man die Salzzufuhr von neun auf drei Gramm pro Tag führte dies zu einer Abnahme des mittleren Blutdrucks um 8,9/4,5 mmHg (systolisch/diastolisch)", erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Angela Mörixbauer. „Die DASH-Diät zeigte recht klar, dass eine Kost, die reich an Obst, Gemüse und fettarmen Milchprodukten ist auch unabhängig von einer Salzrestriktion bei Hypertonikern zu einer signifikanten Blutdrucksenkung führt."

Salzsensitiv oder salzresistent

Euphorische Stimmen setzen den Abfall des Blutdrucks durch den DASH-Plan mit den Erfolgen von medikamentösen Behandlungen mit blutdrucksenkenden Substanzen gleich. Dieser verlockenden Aussicht für Hypotoniker kann der Innsbrucker Ernährungsmediziner Maximilian Ledochowski nur eingeschränkt zustimmen: „Es gibt salzsensitive und salzresistente Menschen. Für Menschen ab etwa 50 Jahren, die sensitiv sind, macht eine Diät, die auf Salzreduktion basiert, sicherlich Sinn", erklärt er. Salzresistente Menschen scheiden Salz ohne Anstieg des arteriellen Blutdrucks aus. „Bei manchen Menschen kann jedoch eine kochsalzarme Kost die Wirkung von Medikamenten sogar einschränken. Leider macht sich kaum jemand die Mühe, herauszufinden, ob jemand salzsensitiv ist oder nicht."

Schätzungsweise 50 bis 60 Prozent der Hypertoniker und 15 bis 20 Prozent der Normotoniker sind salzsensitiv. Eine generelle Salzreduktion macht laut Ernährungsberaterin Mörixbauer aber in jedem Fall gesundheitlichen Sinn. „Neueste Studien belegen, dass breit angelegte Salzreduktionsmaßnahmen Schlaganfälle oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant senken. Würde die in Europa durchschnittliche Salzzufuhr von 8 bis 12 Gramm pro Tag auf das von der WHO empfohlene Maß von fünf Gramm gesenkt werden, würde dies langfristig eine Verringerung der Schlaganfälle um etwa 23 Prozent und eine Senkung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 17 Prozent bedeuten."

Mit Hausverstand

Im Allgemeinen klingt der DASH-Speisezettel sehr nach dem Hausverstand der Ernährungslehre: Obst und Gemüse stehen mit fünf Portionen pro Tag ganz oben. Auch der Verzehr von Nüssen, Vollkorn, Fisch, Geflügel und fettreduzierten Molkereiprodukten wird angeregt. Rotes Fleisch, Süßigkeiten und Zucker sollen gemieden werden. „Die DASH Diät sagt, was die Gesellschaft für Ernährungswissenschaft auch sagt und den allgemeinen Gesundheitsregeln entspricht. Diese Empfehlungen kann man im Grunde genommen gelten lassen, sie sind auch sicher besser, als wenn man nichts macht", sagt der Innsbrucker Ernährungsmediziner Maximilian Ledochowski.

Das US-Gesundheitsministerium hat den DASH-Ernährungsplan 2010 offiziell anerkannt, indem er in die Diätrichtlinien für die Bevölkerung und in die Richtlinien für die Behandlung von Bluthochdruck aufgenommen wurde. „In Österreich ist die DASH-Diät in der Fachwelt ein Begriff und praktisch auch im Rahmen von Empfehlungen an die Konsumenten weitergegeben worden", meint Ernährungsexpertin Mörixbauer. „Bekannt ist sie unter diesem Namen aber sicher nicht."

Außer der Blutdrucksenkung sprechen noch angenehme Nebeneffekte wie die Senkung des Cholesterinspiegels und auch eine bessere Kontrolle über den Insulinhaushalt für die Diät. - Es scheint, als ob die DASH-Diät die Antithese zu vielen anderen ihrer Art ist: Sie ist gesund und tut dem Körper gut, aber sie ist kein ausgemachter Schlankmacher. (derStandard.at, 16.10.2011)

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    Die DASH-Diät gilt als Ernährungsempfehlung für Hypertoniker.

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