Künftiger EU-Parlamentspräsident wünscht sich "sehr", dass ihm sein langjähriger Vize nachfolgt
Wien - Der scheidende Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament, Martin Schulz, wünscht sich den SPÖ-Europaabgeordneten Hannes Swoboda als Nachfolger. Er wünsche sich "sehr", "dass der Job, den ich bisher gemacht habe, von Hannes Swoboda übernommen werden kann", sagte der SPD-Politiker am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Wien. "Nach sieben Jahren teutonischer Unterdrückung ist (in der Fraktion, Anm.) der Schrei nach Freiheit unüberhörbar, und Freiheit heißt in den slawischen Sprachen Swoboda", fügte er danach vor Journalisten augenzwinkernd hinzu.
Schulz soll Mitte Jänner zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt werden. Seine Kür gilt als sicher, weil sie zwischen den beiden größten Parlamentsfraktionen, der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) und den Sozialdemokraten (S&D) vereinbart wurde. Die beiden Fraktionen stellen jeweils eine halbe Legislaturperiode lang den Parlamentspräsidenten.
Französin Trautman aussichtsreichste Kandidatin
"Ich habe jedem in der Fraktion gesagt, ich halte mich aus dem Wahlkampf raus, aber ich habe eine Stimme", sagte Schulz zu seiner Nachfolge. "Es kann keiner von mir verlangen, nach sieben Jahren enger und loyaler Zusammenarbeit jemanden anderen zu wählen als Hannes Swoboda", betonte der SPD-Politiker in Anspielung auf französische Begehrlichkeiten auf den Fraktionsvorsitz.
Die Französin Catherine Trautmann, die auch Bürgermeisterin von Straßburg ist, gilt als aussichtsreichste Bewerberin für die Schulz-Nachfolge. Neben Swoboda tritt noch der Brite Stephen Hughes an. Schulz betonte, alle drei seien "sehr reputierliche Kandidaten" und "gute Leute". Swoboda argumentiert damit, dass den Fraktionsvorsitz "nun endlich einer aus einem kleinen Land" bekommen soll. Er gehe davon aus, "dass es eine große Unterstützung aus Deutschland, Osteuropa und von südlichen Ländern gibt".
Zudem führte der SPÖ-Politiker vor Journalisten seine enge Zusammenarbeit mit Schulz ins Treffen, die nun in den neuen Funktionen Fraktionschef und Parlamentspräsident fortgesetzt werden könne. "Die Konvergenz der beiden Funktionen ist ein Argument", betonte auch der SPD-Politiker. Die Wahl seines Nachfolgers findet am 17. Jänner statt. Mit 185 Abgeordneten stellen die Sozialdemokraten die zweitgrößte Gruppe im Europaparlament, die SPÖ hat vier Abgeordnete. (APA)