Licht ins Dunkel

13. Oktober 2011, 20:00
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Das ewige Thema "Aufklärung" bestimmt die Vortragsreihe "Kulturvermerke" in Gmunden. Es braucht "Mehr Licht!"

Gmunden - Es sei ihm egal, sagt der Schriftsteller und Philosoph Franz Schuh, dass man angesichts des Verhältnisses der Symposionsdichte zur ruralen Bevölkerung meinen könnte, jedes Dorf habe sein Symposion. Andererseits müsse man vor einer gewissen Banalisierung gewichtiger Themen auf der Hut sein, sagt Schuh, der neben Intendantin Jutta Skokan, Lutz Ellrich und Florian Sedmak Teil des Kuratoriums der Gmundner Kulturvermerke ist.

Allerdings: Kommerz, sagt er, gebe es hier nicht. Heuer widmet man sich dem Thema Aufklärung. Gerade in Zeiten der Verschleierung von Machtgefügen und bewusstseinstrübender Erläuterungen der für wirtschaftliche und demokratische Krisen Verantwortlichen ist es höchste Zeit für Mehr Licht!

So lautet der Titel des viertägigen Symposions, das am Donnerstag mit einer Lesung von Wolfram Berger anhob. Der Schauspieler las Immanuel Kants Aufsatz Was ist Aufklärung?.

Bis Sonntag wird der Begriff Aufklärung in filmischer, musikalischer und wissenschaftlicher Ausführung untersucht: Journalist Peter Huemer widmet sich am Samstag dem österreichischen Umgang mit einer immer noch dunklen Vergangenheit - die hierzulande immer irgendwer gerade nicht bewältige, wie Schuh sagt.

"Böse Philosophen"

Philipp Blom präsentiert sein aktuelles Buch Böse Philosophen, in dem er sich mit der Idee der radikalen Aufklärung beschäftigt. "Selber denken" - dieses Credo der Aufklärung erläutert am Freitag der Philosoph Peter Strasser anhand eines Vortrags, den Robert Musil 1937 auf Einladung des österreichischen Werkbunds in Wien gehalten hatte.

In Über die Dummheit differenziert Musil zwischen einer "ehrlichen Dummheit" und einer "höheren": Diese sei, sagte Musil, die "eigentliche Bildungskrankheit", eine "falsch zustande gekommene Bildung, ein Missverhältnis zwischen Stoff und Kraft der Bildung" und reiche "bis in die höchste Geistigkeit". Musil kommt ein zweites Mal vor, wenn der Leiter des Robert-Musil-Institutes für Literaturforschung der Universität Klagenfurt Klaus Amann über Moralische Experimentierlandschaften von Musil spricht.

Und auch Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid ist als Vortragende in Gmunden: Sie wird am Sonntag um 10 Uhr unter dem Titel Mehr Licht in den Journalismus! über die Beziehung zwischen Politik und Journalismus in Österreich sprechen.  (Wiltrud Hackl / DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2011)

  • Mehr Licht! - Das Licht der Aufklärung fordern die "Kulturvermerke" in 
Gmunden.
    foto: andessner

    Mehr Licht! - Das Licht der Aufklärung fordern die "Kulturvermerke" in Gmunden.

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