Demokratie-Volksbegehren

G'scheit sein, z'sammsetzen, zuhören

Kommentar der anderen | 13. Oktober 2011, 18:16

Was die "Wutsenioren" übersehen - Zwischenruf aus der Zivilgesellschaft und eine Aufforderung, gemeinsam an einer Demokratie mitzuwirken - Von Bernhard Drumel

Jetzt hat sich also die nächste Gruppe von älteren Herren zusammengefunden und legt den Finger auf einen anderen wunden Punkt des erstarrten politischen Systems.

Busek, Voggenhuber, Radlegger und Kollegen finden, dass es reicht, wie mit Demokratie in unserem Land umgegangen wird und wollen ein Volksbegehren initiieren. Die Zeit jubelt über die " Wutsenioren" und Peter Pelinka steigt gleich mit aufs Schlachtross.

Gut so, dieses Land verdient und braucht mehr Demokratie. In diesem Sinne hat Volker Kier Recht, wenn er in seiner Erwiderung ("Demokratiereform: Wann, wenn nicht jetzt", 8.10.) auf Wolfgang Müller-Funk dessen resignativer Grundhaltung klare Worte entgegensetzt. In Zeiten, in denen die Manipulation der öffentlichen Meinung so leicht ist, in denen Klubchefs im Parlament über den Klubzwang ihre Marionetten tanzen lassen können, in denen kein/e BürgerIn weiß, wer sie/ihn vertritt und in denen Volksbegehren mit so vielen Schikanen versehen werden - in diese Zeiten bedarf es neuer, mächtiger Instrumente, das Volk als Souverän zu Wort kommen und gestalten zu lassen.

Verpflichtende Volksabstimmungen nach erfolgreichen Begehren scheinen ein - durchaus österreichischer -- Weg zu sein, erfordern aber zwei Plebiszite, um Recht zu schaffen. Die Volksinitiativen in der Schweiz könnten als besseres Vorbild gelten.

So weit so gut gemeint. Was die empörten Senioren aber offenkundig übersehen, ist die Notwendigkeit, eine breite Basis zu schaffen, bevor sie starten. Wer jemals eine Kampfsportart betrieben hat, weiß, dass Rot zu sehen und loszuschlagen selten eine gute Taktik ist, um zu gewinnen.

Wenn Kier von einem direkten und persönlichen Anstoß von "unten" spricht, können wohl nicht im Ernst die Herren in vormals mächtigen Positionen gemeint sein.

Nein, auch in Österreich gibt es eine sogenannte Zivilgesellschaft. Sie besteht aus den Organisationen, die sich seit Jahren und Jahrzehnten dafür einsetzen, Schritte in Richtung einer gerechteren und nachhaltigeren Welt zu schaffen. Sie wird ergänzt von kritischen Geistern, die in Institutionen und Medien für eine werte-orientierte Gesellschaft kämpfen.

Und sie hat das Potenzial, viele junge Menschen - in Schulden, Universitäten und Basisgruppen - zu motivieren und zu ermutigen, wenn sie nur von den richtigen Leuten auf die richtige Art gefragt würden.

Ohne die Mitwirkung dieser Menschen wird eine Initiative für eine Stärkung der Demokratie scheitern. Und das können wir uns nicht leisten. - Was nötig ist, ist eine schrittweise Transformation unserer Gesellschaft an ihren sensibelsten Stellen - im Rahmen einer Bewegung, die von einer breiten Allianz von Menschen vorangetrieben wird.

Das Unterschreiben des Bildungsvolksbegehrens, das von zu vielen überzeugten Menschen gewollt und voran getrieben wird, um nur ein Androsch-Volksbegehren zu sein, ist die erste Chance - wenn nur der Druck auf die Politik danach über eine breite "Initiative Bildung" weiter hoch gehalten werden kann. - Ein Volksbegehren für die Rückeroberung des demokratischen Raums muss ein zweiter logischer Schritt sein - unter den oben genannten Voraussetzungen.

Und wie wärs im Wahljahr 2013 mit einem dritten gemeinsamen Aufstehen gegen Fremdenhass und Ausgrenzung, für den Fall, dass sich das politische Klima in den nächsten Monaten in diese Richtung weiter aufheizt? Vielleicht schon mit einem neuen direkt-demokratischen Instrument.

Dank an die Wutsenioren. Ihr habt Euch empört, habt nichts mehr zu verlieren, und könntet in Euren Netzwerken für eine ausreichende Finanzierung sorgen. Günther Nenning würde wahrscheinlich sagen: 'Seids gscheit jetzt, setzt euch zam und hörts zu'. Wer weiß, was dann möglich ist, um dieses Land zu einer wirksameren Demokratie zu machen. (Bernhard Drumel, DER STANDARD; Printausgabe, 14.10.2011)

BERNHARD DRUMEL war bei Greenpeace Geschäftsführer und internationaler Entwicklungsdirektor und unterstützt mit 'supporting change' gesellschaftspolitische Initiativen wie das Bildungsvolksbegehren oder die Gemeinwohlökonomie.

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happyhour1
 
21
14.10.2011, 16:23
G'scheit sein, Herr Druml ...

...mittun, statt raunzen. Aktiv werden, auf und mit: www.meinoe.at!

Emil Sacklinger
 
12
14.10.2011, 14:29
schon allein der ausdruck "wutsenioren"

für diese abgehalfterten bonzen ist lachhaft.

(nicht ernst nehmen, sonst tauchen noch mehr von diesen verstaubten typen auf und machen auf superwichtig)

HiIde Fonso
01
14.10.2011, 12:52

Wenn mit Wahlen etwas verändert werden könnte, wären sie schon längst verboten worden .......

Karl85
 
11
14.10.2011, 09:56
Mr. oder Mrs. Wichtig übersehen worden?

Ein bissel glaubt man zwischen den Zeilen herauslesen zu können, daß der ganze Artikel nur um eine Person oder Personengruppe herumgeschrieben worden ist, die sich da übergangen fühlt und jetzt als beleidigte Leberwurst der Demokratieinitiative ans Bein pinkeln möchte. Und - weiterer übler Eindruck - daß da jetzt gleich schon wieder irgendwelche Erfolglose Morgenluft wittern, als Trittbrettfahrer quer einsteigen zu können.
Bitte diesen guten Ansatz nicht mit tausend Vereinsnebenwünschen zerwursteln! Das Volk möchte auch nicht von "Vereinen" und "Organisationen" fremdbestimmt werden. Sonst noch was!

mikromalist
 
04
14.10.2011, 09:36
Parteiendiktatur kann NICHT

mittels Wahlen aufgelöst werden.
JEDE Initiative dagegen ist hilfreich.
Ein, die-sollen-besser-nicht ist als persönliche Meinung OK, aber so gewichtig ....?

Welche Eiskristalle sich bei der Eisbildung zuerst formen, kann nicht vorgeschrieben werden.

pox vobiscum
00
14.10.2011, 09:33

Schulen,
nicht Schulden, Universitäten... nehme ich an.

good news 08
11
14.10.2011, 08:48
So kann man die Initiative am Besten umbringen

Nicht wirklich gegen Inhalte Stellung beziehen, herumnörgeln ("zu schwammig") und vor allem die Initiatoren diskreditieren und lächerlich machen.
Ein ziemlich perfider Kommentar.

HiIde Fonso
01
14.10.2011, 12:54

Na wenn die Initiative so eine lockere Kritik nicht aushält, dann sollten wir uns damit keine Sekunde länger befassen

ilse kleinschuster
 
00
14.10.2011, 08:26
'concerned citizens' - initiative Zivilgesellschafter ...

alte und junge .... alle sind uns willkommen, solange sie nicht nur 'matschkern', sondern sich auch wirklich engagieren - und für eine "Werte-orientierte Gesellschaft kämpfen"! - versucht doch endlich zu verstehen, dass es um die Verteidigung eurer Interessen geht, nicht um die Interessen der nationalen, politischen und wirtschaftlichen Eliten.
Mit der Bildung einer "breiten Allianz von Menschen" , die dann Druck auf die Politik machen könnte, befasst sich die 'Initiative Zivilgesellschaft', wobei heuer ihre 9.Konferenz dem Thema Medien und ihre Bedeutung für die Bildung einer lebenfreundlichen Gesellschaft sein wird - Ist es nicht ein Versäumnis der EU, dass es keine europäische Medienpolitik gibt? www.initiative-zivilgesellschaft.at

pox vobiscum
00
14.10.2011, 09:34

Was stellen Sie sich unter europäischer Medienpolitik vor, das klingt wie eine gefährliche Drohung?

ilse kleinschuster
 
01
14.10.2011, 10:33
Ja, klingt wohl wie eine gefährliche Drohung ...

da bin ich ja selbst auch skeptisch!!! Aber wer keine Träume hat, verliert die Kraft seine Visionen durchzusetzen, oder?!? Wir haben einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der 'Nachhaltigkeit im Kernauftrag' hat - der auch partiell (leider nur schwerpunktmäßig) diesen Kernauftrag erfüllt, und wir sollten diesen §4 auch mehr einfordern, der da lautet "Information über Themen des Natur-, Umwelt-und Konsumentenschutzes unter Berücksichtigung der Förderung des Verständnisses über die Prinzipien der Nachhaltigkeit" .... Es wird sicher nicht viel bringen, wenn diese Fakten in Schulmanier vermittelt werden, aber es könnte in Unterhaltungsserien - oder Quizsendungen eine Art von lustvollem Lifestyle vermittelt werden, der zur Nachahmung anregt.

pox vobiscum
01
14.10.2011, 10:52

Und natürlich zur Hauptsendezeit, nicht um 23:35h. :)

Dormouse
01
14.10.2011, 08:26

"Und sie hat das Potenzial, viele junge Menschen - in Schulden, Universitäten und Basisgruppen - zu motivieren und zu ermutigen, wenn sie nur von den richtigen Leuten auf die richtige Art gefragt würden."

klingt für mich jetzt aber auch wieder nach "manipulation", und ich frag mich auch, wer eine volksbefragung braucht, wenn er eh eine volksabstimmung durchführt - das klingt so "machen wir mal eine befragung, und wenns uns passt, lassen wir abstimmen..."

was der staat wirklich braucht, ist eine befreiung von den parteien und deren institutionen...die abgeordneten sollten direkt gewählt werden, und im besten fall machen diese dann gesetzesvorschläge und lassen bei wirklich wichtigen entscheidungen dann das volk darüber abstimmen.

pox vobiscum
00
14.10.2011, 09:40

Es bleibt aber das Problem, dass dann eben nicht die Parteien sondern eben die Einzelpersonen (Lobbyisten etc)mit der meisten finanziellen und medialen Unterstützung sehr im Vorteil sind, dass der Populismus dann eben von Einzelnen und nicht von Parteien ausgeht.
Erfolgreiche Volksbegehren wirklich bearbeiten zu müssen, mit verpflichtender Volksbefragung/-abstimmung etc wäre schon gut, aber das Volk muss ausreichend, differenziert und umfassend informiert sein über die Abstimmungsfragen und die möglichen Folgen - auch hier sind die Populisten mit Geld und Medienunterstützung im Vorteil.
Dieses Problem ist nicht so einfach zu lösen.

Dormouse
00
14.10.2011, 11:01

ich hab dan nicht so angst vor lobbyisten - erstens wäre es dann dem durchschnittsbürger auch möglich ins parlament zu kommen, und zweitens ist dann mit einem abgeordneten, der lobbyisteninteressen vertritt, spätestens bei der nächsten wahl schluss...übringens - bei genügend abgeordneten gleicht sich das sowieso aus, wenn aber eine ganze partei, welche dazu noch unter klubzwang leidet, partei eines lobbyisten ergreift, wird sich nicht mehr viel tun!

pox vobiscum
00
15.10.2011, 10:27

Lobbyismus ist nicht immer offensichtlich, man kann Leuten, die nicht vom entsprechenden Fach sind (und das sind die meisten) viel einreden - siehe auch USA-Senatoren.
Der Clubzwang ist ebenfalls so eine Sache, einerseits soll verhindert werden, dass von der Parteilinie abgewichen wird, da ja v.a. auch die Partei mit ihrem jeweiligen Programm gewählt wurde, andererseits täte dem Parlament etwas mehr freier Parlamentarismus sicher gut.
Interessant wäre aber zB, wenn
Diskussionen und Entscheidungsfindungen innerhalb der Parteien öffentlicher wären (so sie überhaupt demokratisch getroffen werden), zB im Radio oder Fernsehen übertragen würden, sodass sich jeder genauer über die Vorgänge dort informieren kann.

Dieses Posting wird zu Ihrer Sicherheit überwacht
00
14.10.2011, 07:24

Potenzial, junge Menschen in "Schulden", Universitäten und Basisgruppen motivieren?

ZwischenZeilen
01
14.10.2011, 07:12
Wie groß muss die Furcht vor Veränderung wohl sein?

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Mahatma Gandhi

pro meinoe für eine noch bessere Zukunft dieses Landes.... beste Grüße

pox vobiscum
01
14.10.2011, 09:41

Wenn sie versuchen, dich zu kaufen, dann wirst du wirklich ernst genommen. :)

ZwischenZeilen
00
15.10.2011, 05:27
zeitgeistig...

... hand ist offen... wenn es größer ist als mehr... dann her... beste grüße <(:-))-

guardiolaisgod
35
13.10.2011, 20:10
Sehr treffend gesagt

ein Hinweis: hier wird sehr treffend die inhaltliche Dürftigkeit der Wutsenioren und ihre mangelnde Glaubwürdigkeit dargelegt:
http://karinkoller.wordpress.com/2011/10/0... t-mein-oe/
Bonushighlight: ein wehleidiger Kommentar von Busek, den die inhaltliche Kritik nix scheisst, der aber gekränkt ist, wenn man ihm sein jahrzehntelanges Mitwursteln im und Profitieren vom System vorhält.

Chris Quast
31
14.10.2011, 00:18

willst du werb ung machen für diese dame ?
also inhaltlich kam gar nix, wenn ich mich erinnerne, nur blöd anbatzen, und die hirnlosmeinung vertreten wenn "böhse person gutes vertritt", unterstütze ich dieses anliegen erst recht nicht. (bzgl. "androsch"-begehren, somit hat sich die gute für mich schon disqualifiziert)
ja vielleicht schnallt die gute nicht, dass a) früher andere zeiten waren, so jung ist sie auch nicht mehr, b) die handelnden personen andere verantwortlichkeiten hatten c)zeiten und menschen sich ändern.

Johanna Miller
01
14.10.2011, 09:24
Hervorragende Beschreibung der "Mutbürger"

http://phsblog.at/die-disku... mutburger/

Johanna Miller
04
14.10.2011, 09:13
Inhaltliche Fragen

Zwei rein inhaltliche Fragen:

-wie sollen durch direkte Demokratie die föderalistischen Auswüchse, das Kirchturmdenken etc. wirksam bekämpft werden, wenn all diese Auswüchse ebenso wie die dafür verantwortlichen Landeskaiser höchst populär sind? Per Volksabstimmung könnte sich Erwin Pröll wie Napoleon zuerst zum Konsul auf Lebenszeit und dann zum Erbkaiser von Niederösterreich wählen lassen. Hier stehen zwei Hauptforderungen miteinander in unauflöslichem Widerspruch.
-Persönlichkeitswahlrecht: gerade die Hauptverantwortlichen für die übelsten Korruptionsskandale, Schüssel, KHG und Haider, hätten jede Persönlichkeitswahl haushoch gewonnen, wären dadurch noch fester im Sattel gesessen und hätten es noch wilder treiben können.

Erstversuch
00
14.10.2011, 14:29
Ich hätte da eine Idee. Warum nicht die Entscheidungen in die ganz tiefen

Ebenen verlegen, wo Teilnahme ncoh möglkich ist. Warum nciht die Gemeinden selber über vieles entschieden und die erforderlichen Mittel dazu selber einheben lassen. Dass würde die fehlende "Übung" in Demokratie für die Bevölkerung bringen und "Täter" und "Opfer" einer Entscheidung enger zusammen.

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