Riesenverlust von ÖVAG zwingt Sektor zum Umbau

13. Oktober 2011, 20:51
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Der Österreichischen Volksbanken AG droht wegen hoher Abwertungen ein Verlust von 900 Millionen Euro, ein Radikalumbau steht an

Wien - Nun räumt auch die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) ihre Bilanz auf. Das Spitzeninstitut des Volksbankensektors wird heuer einen Verlust von rund 900 Millionen Euro ausweisen. Die Bank muss hohe Firmenwertberichtigungen vornehmen; allein der Wert für die Tochter Investkredit wird um mehr als 300 Millionen Euro reduziert. Auch die verlustbringende Tochterbank in Rumänien wird abgewertet, die Bank in Bukarest braucht zudem eine Kapitalspritze von 200 Millionen Euro.

Die Entwicklung zwingt den Sektor nach Standard-Informationen zum Umbau. Die Volksbanken gehen einen engen Haftungs- und Garantieverbund ein, die ÖVAG wird darin nur noch Steuerungsfunktion haben. Die ÖVAG hat eine Milliarde Euro staatliches Partizipationskapital in den Büchern, kann heuer weder Zinsen dafür noch die fällige Rückzahlungstranche von 300 Millionen Euro zahlen.

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Wien - Immer kälter wird es für die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG). Der Verlust, mit dem das Spitzeninstitut des Volksbanken-Sektors für heuer rechnet, dürfte rund 900 Millionen betragen (Konzernverlust etwa 750 Millionen Euro), informierte die AG. Gestern, Donnerstag, fanden Gremialsitzungen statt, in denen ein Ausweg beschlossen werden sollte: Der Sektor will engstens zusammenrücken. Zur Erinnerung:2009 schrieb die ÖVAG eine Milliarde Euro Verlust, im Vorjahr einen Gewinn von rund 55 Mio.

Wertverlust der Töchter

Der Grund für die schlechte Entwicklung: Die Bank muss aufräumen - und hohe Firmenwertberichtigungen in die Bücher nehmen. Das summiert sich: Der Beteiligungsansatz für die Investkredit (finanziert Unternehmen und wird heuer plus/minus null abschließen) wird um mehr als 300 Millionen nach unten korrigiert. Auch der Firmenwert der Tochterbank in Rumänien wird reduziert, die Bukarester Bank schreibt immer noch Verluste. Im Juni waren es (gemäß der strengen lokalen Bilanzierungsregeln) rund 75 Mio. Euro. Und: Die rumänische Notenbank verlangt, wie berichtet, einen Kapitalzuschuss von etwa 200 Mio. Euro. Weitere Abschreibungen sind im Leasing nötig. Die Wertberichtung für Rumänien und Investkredit macht 700 Millionen Euro aus.

All das betrifft die Bilanz auf Einzelinstitutsebene und schlägt sich - und das ist die gute an der schlechten Nachricht - nur zu einem relativ geringen Teil von 100 bis 200 Mio. Euro aufs Eigenkapital in der Konzernbilanz. Unmittelbarer Kapitalbedarf bestehe daher nicht, wie in Volksbank-Kreisen betont wird. Ein mit den Zahlen Vertrauter dazu: "Der Verlust ist zwar enorm hoch, aber trotzdem stürzt er die Bank kapitalmäßig nicht ins Bodenlose."

Verkauf mit Verlust

Der Hintergrund all der Unbilden (bis zum Sommer hatte man mit einem Gewinn von rund 100 Mio. Euro gerechnet) liegt schlicht daran, dass die meisten Vorhaben der Volksbanker gescheitert sind. Zwar hat die ÖVAG ihre Ostbankenholding Volksbank International (VBI; die ÖVAG hielt 51 Prozent) verkauft - aber unter Buchwert. Die russische Sberbank nahm erstens das Problemkind Rumänien nicht und zahlte zweitens nur 585 Mio. Euro. Die Folge: Der Verkauf hat der ÖVAG einen Verlust beschert.

Damit nicht genug, hat ein anderer Deal gleich gar nicht geklappt: der Verkauf des Sechs-Prozent-Anteils an der Raiffeisen Zentralbank. Der hätte rund 480 Mio. Euro Erlös und einen Gewinn von mehr als 100 Mio. Euro in die Kassen spülen sollen. Sollen, denn bis dato hat sich der aufgriffsberechtigte Käufer - Raiffeisen - nicht zu einem Abschluss durchgerungen. Auch Raiffeisen braucht jeden Euro Kapital.

Die Folgen: Die mit einer Milliarde Euro Partizipationskapital vom Staat ausgepolsterte ÖVAG kann heuer jene 300 Mio. Euro nicht zurückzahlen, die sie vertragsgemäß rückerstatten müsste. Und mangels Gewinn kann sie auch die Dividende fürs PS-Kapital (heuer wäre das 93 Mio. Euro) nicht bedienen. Gescheitert ist auch der gesellschaftsrechtliche Umbau in der Bank, der zur Bilanzerholung beigetragen hätte.

Der Weg, den der Sektor (die ÖVAG gehört den "kleinen" Volksbanken) nun einschlägt, heißt: eng zusammenkuscheln. Die Volksbanken wollen mit der ÖVAG einen starken Verbund bilden, mit strengen Durchgriffsrechten sowie gegenseitigen Haftungen und Garantien - strenger als der Haftungsverbund von Erste Group und Sparkassen. Der Vorteil: Die Institute könnten ihre Bilanzen konsolidieren, ohne dafür fusionieren zu müssen. Die ÖVAG soll zur bloßen Steuerungsgesellschaft reduziert werden.

Neu ist das Modell Volksbankenverbund, als dessen Architekt Sektor- und ÖVAG-Aufsichtsratschef Hans Hofinger gilt, freilich nicht. Immer wieder haben es die Volksbanker diskutiert, "dass sie es jetzt tun, ist das erste positive Signal seit langem", konstatiert ein Aufseher. Offen ist die Frage, ob es an der Spitze der ÖVAG zu Änderungen kommt; angeblich wackelt der Job von Bankchef Gerald Wenzel. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2011)

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    Die meisten Vorhaben der Volksbanker sind gescheitert.

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