Konkordat: Politik will der Kirche nichts wegnehmen

Lukas Kapeller, 13. Oktober 2011, 22:29
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    Österreichs Bischöfe besuchen Heinz Fischer in der Präsidentschaftskanzlei im November 2010: "Das Konkordat ist eine taugliche Grundlage."

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    Grünen-Verfassungssprecherin Musiol: "Religionsunterricht sollte es nur mehr auf freiwilliger Basis geben, kann aber weiterhin ruhig im Schulgebäude stattfinden."

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    "Beim Konkordat geht es um vermögensrechtliche Ansprüche, um Machtpolitik", sagt Hannes Jarolim, nicht in seiner Funktion als SPÖ-Justizsprecher.

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    Kirchengegner Alm glaubt nicht, dass SPÖ und Grüne sein Anliegen zum Programm machen.

Der Vertrag zwischen katholischer Kirche und Staat ist heute nicht nur der ÖVP, sondern auch der SPÖ heilig - Nur die Grünen rütteln vorsichtig daran

Wien - Unter den Türmen des Stephansdoms forderten sie das Ende des Konkordats. Am vergangenen Wochende, bei der sogenannten "Langen Nacht des Missbrauchs" in Wien, sagten die Abgeordneten Hannes Jarolim (SPÖ) und Daniela Musiol (Grüne), der Vertrag zwischen der katholischen Kirche und Österreich habe keine Berechtigung mehr. Entrüstung der Bischöfe oder erbitterte Widerworte aus ÖVP oder FPÖ blieben gänzlich aus.

Kein Wunder: Jarolim und Musiol stellten zwar öffentlich das Konkordat von 1934 infrage, aus dem die Katholiken einige Ansprüche - wie die Bezahlung von Religionslehrern mit staatlichem Geld - ableiten. Aber sie sagten gleich dazu: Das sei nur ihre persönliche Meinung, nicht die jeweilige Parteilinie. So erlangte kaum mehr als ein erlauchter Kreis von treuen Kirchenmännern und ketzerischen Kirchenkritikern Kenntnis vom vermeintlichen rot-grünen Vorstoß.

Religionskritik ist nichts für Volksparteien

Die Parlamentsparteien scheuen weiter das Rütteln am Konkordat, an der völkerrechtlichen Vereinbarung der Republik mit dem Heiligen Stuhl. Niko Alm, Atheist und Initiator des Kirchenvolksbegehrens, sagt: "Dass da etwas aus den Parteien kommt, da sehe ich überhaupt keine Chance." Österreichs Parteien meiden die Gretchenfrage "Nun sag, wie hast du's mit der Religion?", so gut es nur geht. Schließlich gilt das Kampagnisieren gegen religiöse Erbpachten als verlässlicher Weg, Stimmen zu verlieren. Oder wie Politik-Veteran Herbert Krejci einmal zu derStandard.at sagte: "Mit Kruzifixen punktet man nicht. Wegen so was fängt man keinen Krieg an."

Da verwundert es doch, dass SPÖ-Justizsprecher Jarolim, wenn auch nur als Privatmann, klar Stellung gegen die herrschende Kirchenmacht bezieht. "Ich wurde dazu gefragt und habe eben meine Meinung gesagt", erklärt Jarolim gegenüber derStandard.at. "Beim größten Respekt vor der Ausübung des eigenen Glaubens, aber beim Konkordat geht es um vermögensrechtliche Ansprüche, da geht es um machtpolitische Dinge." Vor allem störe ihn der Umgang der Kirchenmänner mit den sexuellen Missbrauchsfällen: "Es gab eine innerkirchliche Vorgangsweise, die in hohem Maße kontraproduktiv war." Die Sonderbehandlung von Tatverdächtigen - Versetzung statt harte Strafe - rühre auch von der "starken Stellung der Kirche durch das Konkordat".

SPÖ bekennt sich zum Konkordat

Stimmt nicht, entgegnet der Sprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, es gebe solche rechtlichen Vorteile bei der Strafverfolgung durchs Konkordat nicht. "Es gibt weder eine kürzere Verjährungsfrist noch einen Schutz vor Verfolgung, die Polizei darf auch in kirchliche Archive hinein." Und das Beichtgeheimnis gelte übrigens nicht nur für Katholiken, sondern für alle Menschen, die mit einem Priester über ihre Sünden sprechen. Prüller verteidigt auch das Konkordat, es sei im Sinne "all jener Menschen, die beides sind: Staatsbürger und Katholiken. Wir sehen das Konkordat als sehr taugliche Grundlage dafür, dass Staat und Kirche zusammenarbeiten, ohne einander in die Sphären zu kommen."

Interessanterweise formuliert die SPÖ ihr Bekenntnis zum Konkordat heute fast blumiger als die Erzdiözese. In einer offiziellen Stellungnahme des SPÖ-Nationalratsklubs an derStandard.at heißt es: "Es gibt zwischen der Sozialdemokratie und den Grundwerten des Christentums - etwa der katholischen Soziallehre - viele Berührungspunkte. (...) Gegensätzlichkeiten, die es von der 1. Republik bis in die 60er Jahre zwischen Kirche und SPÖ noch gab, wurden unter Bundeskanzler Bruno Kreisky zu Grabe getragen. Auch in Österreich treten SPÖ und Kirche in vielen Fragen - etwa Armutsbekämpfung, gleiche Bildungschancen für alle - für ähnliche Ziele ein. Es gibt daher für uns keinen Grund, das völkerrechtlich verpflichtende Konkordat in Frage zu stellen."

Kirchen orten "Aggression" der Volksbegehrer

Grimmigen Kirchenkritikern wie Alm geht so viel rote Bibeltreue entschieden zu weit: "Die SPÖ halte ich da für ein bisschen verlogen. Die SPÖ hat einen hohen anti-klerikalen Anteil, der aber im öffentlichen Auftritt übertüncht wird. Faymann und Gusenbauer (amtierender und ehem. SPÖ-Chef, Anm.) zeigen sich demonstrativ gläubig. Das ist ähnlich wie in den USA, wo es als Spitzenpolitiker undenkbar ist, nicht gläubig zu sein." Alm will aber ohnehin weit mehr, als das Konkordat abschaffen. Das Kirchenvolksbegehren, für das er und Mitstreiter derzeit Unterschriften sammeln, will etwa der steuerlichen Absetzbarkeit der Kirchensteuer, der Erhaltung katholischer Privatschulen und der Bezahlung der Gehälter von Religionslehrern aus Steuergeld ein Ende machen. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche lehnen das Ansinnen scharf ab, letztere sah darin eine "gewisse Aggression" gegen Kirchen. Alm ist dennoch vorsichtig zuversichtlich, dass er bis 15. Oktober mehr als 8.032 Unterschriften beisammen hat, um das Volksbegehren zu starten: "Es müsste sich ausgehen."

Während Jarolim das Kirchen-Volksbegehren nicht unterschreiben wird ("zu knapp und zugespitzt"), sichert Grünen-Verfassungssprecherin Musiol Unterstützung zu. "Das Ziel muss die klare Trennung von Kirchen und Staat sein", sagt Musiol. Im Gespräch mit derStandard.at setzt sie sich für einen verpflichtenden Ethikunterricht ein, die Religionsstunde solle es nur mehr "auf freiwilliger Basis" geben: als nicht-schulisches Angebot oder als Freifach. "Das kann aber weiterhin ruhig im Schulgebäude sein."

Grüne über Kruzifixe und Nikolos uneinig

Mehrfach argumentierte Musiol bereits gegen Kreuze in Klassenräumen und gegen Nikolo-Feiern in Kindergärten. Bei den Grünen ist diese Haltung aber noch keineswegs beschlussfähig. Aus der Bundespartei heißt es bündig: "Es läuft ein interner Diskussionprozess. Es gibt noch nicht die endgültige Position der Grünen." Übersetzt heißt das wohl: Ein grüner Abgeordneter kann derzeit glühende Lobreden aufs Konkordat halten oder dessen Abschaffung fordern, ohne Rüffel aus der Zentrale fürchten zu müssen. Musiol gehört jedenfalls zu jenen, die eine politische Diskussion über Religion wollen: "Das werden wir sicher überlegen, wie man das weiter thematisieren kann." (Lukas Kapeller, derStandard.at, 14.10.2011)

WISSEN

Das Konkordat zwischen der Republik Österreich und der katholischen Kirche stammt noch aus dem Jahr 1934. Es regelt den Einfluss von Staat und Kirche auf bestimmte Bereiche der Gesellschaft. Das frühere Konkordat von 1855 übertrug dem Katholizismus noch ungleich größeren Einfluss: Es entzog Eherecht und Schulwesen dem staatlichen Machtbereich.

In den 1960er Jahren gab es im Konkordat aber einige Änderungen gegenüber 1934, v.a. in Hinblick auf Vermögen und Bildungseinrichtungen. Viele Rechte der Kirche, über deren Abschaffung in der Öffentlichkeit diskutiert wird, würden auch ohne Konkordat bestehen bleiben, da sie ohnehin in anderen Gesetzen festgeschrieben sind (etwa Schul- und Kindergartengesetze).

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Frodo Der Hobbit
00
12.11.2011, 05:59
der nutzen des konkordats

ist es, uns vor der übernahme durch die evangelikalen zu retten!

Helmut Hromadnik21
 
01
7.11.2011, 22:33
..........."SPÖ bekennt sich zum Konkordat".........

Trauerspiel in einem angeblich säkularen staat !
Dass die SPÖ hier mitmacht, ist eines von mehreren zeichen, der ÖVP in den a....h zu kriechen.

Mir graut vor dem nächsten wahlergebnis, nach dem "harakiri" der SPÖ !

Post-vom-Poster
 
03
7.11.2011, 07:25
heute nicht nur der ÖVP, sondern auch der SPÖ heilig

nein, Verträge sind nicht "heilig".

Was als erstes und grundsätzlich und für ALLE Religionsgemeinschaften geändert gehört ist, dass sich erst der mündige, erwachsene Mensch verbindlich zu einer dieser Gemeinschaften zugehörig erklären kann.

Der derzeitige "Taufautomatismus", also Zugehörigkeit durch "cuius famila eius religio", Taufe oder sonstwas ist mE unzulässig! Die Kindeserziehung ist eine Sache, aber eben diese Entscheidung und Erklärung eine andere.

Das Argument mit dem Jesuwort "Lasset die Kinder zu mir kommen ..." ist hier unzutreffend und wird missbraucht, denn er meinte, dass man den Glauben unvoreingenommen, eben "naiv" wie ein Kind, annehmen möge. Das können aber nur mündige Erwachsene und keine Neugeborenen.

Roger Waters
25
19.10.2011, 13:56
Konkordat?

Wir leben in einer christlich geprägten Gesellschaft, mit all ihrer langen Geschichte und Irrtümer. Jedoch wenn wir etwas aus unserer Geschichte lernen sollen, dann dies, dass sich Religion und Politik nicht vertragen.

Abschaffung des Konkordats!

hurchzua
22
18.10.2011, 08:36
"zuversichtlich, dass er bis 15. Oktober mehr als 8.032 Unterschriften beisammen hat, um das Volksbegehren zu starten"

dürfte sich nicht ausgegangen sein. Zumindest hört man nichts davon.

Ist eben doch nur eine kleine - wenn auch laute und aggre* ssive - Minderheit.

hurchzua
11
17.10.2011, 09:37
Na, wie viele Unterstützer sind es geworden

man hört nichts.

Walter J. Ferstl
00
4.11.2011, 15:02
Es werden noch ein paar hundert Unterschriften benötigt.

Es können noch Unterstützungserklärungen für das Volksbegehren zur Abschaffung von Kirchenprivilegien abgegeben werden:

http://www.kirchen-privilegien.at/

entenhausener
10
16.10.2011, 08:33
Musiol: "Religionsunterricht sollte es nur mehr auf freiwilliger Basis geben, kann aber weiterhin ruhig im Schulgebäude stattfinden."

Frau Musiol fordert also die Beibehaltung des Status Quo.

atomkraft neindanke
02
16.10.2011, 12:06
Freiwllig= Unterricht ausschließlich nachmittags und nicht am Vormittag in der gemeinsamen Unterrichtszeit für alle!

nein, der Religionsunterricht ist nicht freiwillig, jede_r, der ein Bekenntnis hat, muss sein Kind bis 14 oder sich selbst aktiv davon abmelden! Ansonst ist der Schüler_in verpflichtet daran teilzunehmen!
Nur für Schüler_innen ohne rel. Bekenntnis ist die Anmeldung freiwillig!

Wer sich als oB Schüler_in nicht anmeldet, muss damit rechnen, dass er/ sie in eine andere Klasse gesetzt wird und dort dem Unterricht mitanhören muss!
Diese Kinder, die nicht in kath. Religion (immer am Vormittag) gehen, haben nicht einmal das Recht auf ungestörte Lernzeit, sie versitzen ihre Zeit und können nicht einmal ungestört HÜ machen oder sich vorbereiten!

Kinder, die kein Bekenntnis haben oder nicht katholisch sind gegenüber den kath. Kindern diskrimniert!

Donna Camilla
42
16.10.2011, 11:41
über eine Weltreligion,

über Religion seines/ihres Landes , Bescheid zu wissen, oder wenigstens ethisches Wissen, gehört zur Allgemeinbildung. Man kann auch über Mozart privat lehren. Werden unsere Kinder gescheiter dadurch? ich fürchte nein. Was wird in der gestrichenen Religionsstunde unterrichtet werden ? Zivilcourage, Menschenrechte, Umweltschutz ? ich fürchte nein. wahrscheinlich kommen abwechselnd die Bankinstitute in die Schule, um rechtzeitig ihre Studentenkonten anzupreisen. Banken Versicherungen Pharmakonzerne Fastfoodketten scharren schon in den Startlöchern. Um das Geld, dass hier erspart wird, handeln wir uns ein Vielfaches an Problemen ein.

RichardRoe
01
22.10.2011, 23:48

Unsere Verfassung steht für die Trennung von Staat und Kirche im Sinne einer aufgeklärten Demokratie. Ihre Vorstellung würde - wenn zB Muslime zahlenmässig grösser wären - schnurstracks in einen islamischen Gottesstaat mit der Sharia als Rechtsgrundlage führen. Wollen Sie das ernstlich, nur weil Sie glauben, dass ein 'katholischer Staat' nicht so schlimm wäre? Was ich, nebenbei, für ebenso fatal halte wie einen islamischen Gottesstaat.

Mister Magister
 
10
22.10.2011, 15:14

und du glaubst allen ernstes, moralische werte, ethik uä. werden in der religionsstunde gelehrt?

naivling.

das ist nichts anderes als eine indoktrinierung der kinder.

hansito
01
21.10.2011, 19:17

Gebts den Kindern einfach mehr Freizeit und Ihnen möge das Brett, dass Sie vor dem Kopf haben, entfernt werden!

speck -ulatio+ n-c
12
15.10.2011, 19:25

der kirchenstaat hat ausgedient
ungeheuerliche machenschaften bis zum grauenvollem tode
aus

samma vayama
211
15.10.2011, 17:26

Alleine die Tatsache, dass ein schwindliger Deal zwischen Papst Pius XI und Engelbert Dollfuß heute noch Gültigkeit besitzt, ist ein Skandal.

Helmut Hromadnik21
 
01
7.11.2011, 22:55

Dass die SPÖ hier mitmacht ist unfassbar und beweist die UNFÄHIGKEIT der führenden genossen.

Es geht bei den nächsten wahlen nicht darum, stimmen von bauern und konservativen kleinbürgern (vergeblich) der ÖVP abspenstig zu machen, sondern darum, STRACHE als kanzler zu verhindern.

more more
20
25.10.2011, 20:21

Bist Du dafür Zivilehe, staatliches Pensionssystem und Rechtsfahrordnung abzuschaffen?

samma vayama
30
15.10.2011, 17:23

Als Ignostiker verstehe ich Atheisten nicht.

Ich habe nicht die geringste Ahnung was Menschen mit dem Begriff "Gott" meinen.

Wie kann ich dann behaupten, dass dieses undefinierbare Etwas nicht existiere?

Setzt die Nicht-Existenz nicht eine Vorstellung von etwas voraus?

qed1
26
16.10.2011, 15:38

Gott existiert ebenso wie der Osterhase - beweisen Sie mal, dass es den Osterhasen nicht gibt.

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10
25.10.2011, 20:27

Was erklärt der Osterhase?
Bei Gott ist es die reale Existenz der Wirklichkeit.
Da innerhalb dieser Welt nichts erzeugt, sondern nur umgewandelt werden kann ist es vernünftig eine äußere Ursache, die nicht den Naturgesetzen unterworfen ist, anzunehmen.

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10
25.10.2011, 20:23

Er hat es mir selbst gesagt.

SenfHinzu
21
15.10.2011, 23:25
Undefinierbares Etwas??

Gott existiert ganz klar nur in den Köpfen der Gläubigen! Atheisten sind frei von diesem "Etwas", also existiert es für sie einfach nicht.

Alexander Patjomkin
11
20.10.2011, 21:05
Atheisten sind auch nur Gläubiger, wie die andere religiösen Menschen..

Sie glauben einfach, dass Gott nicht existiert.. Das ist auch nur eine Art von Glaube und Religion..

SenfHinzu
01
21.10.2011, 00:47
Schneewittchen und das Einhorn

Nach der Logik ist jemand der nicht an Schneewittchen und die sieben Zwerge glaubt auch ein Gläubiger. Ich z.B. glaube nicht an das Einhorn - Was macht mich das dann?

Resteverwerter
310
15.10.2011, 14:07
und so gibt's weiter Haft für "Herabwürdigung religiöser Lehren" und maximal Geldstrafen für kinderschändende Priester

Willkommen in Bananistan, wo die Austrotaliban regieren :-/ ...

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