Folter und Vergewaltigung

Amnesty erhebt schwere Vorwürfe gegen Libyens neue Regierung

13. Oktober 2011 18:43
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Vertreter der Menschenrechtsorganisation ermittelten ein Monat in Gefängnissen und befragten 300 Häftlinge - der Bericht zum Download

Im Mai versprach Mustafa Abdul Jalil, der Vorsitzende des libyschen Übergangsrates, Vertretern der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die in ihrem kurz zuvor veröffentlichten Bericht erhobenen Vorwürfe gegen die damaligen Rebellen würden genau geprüft. Die NGO hatte gefordert, dass Kämpfer und Selbstschutzgruppen, die für "schwere Menschenrechtsverletzungen, mögliche Kriegsverbrechen eingeschlossen", verantwortlich seien, zur Rechenschaft gezogen werden.

Mitte September, berichtet die Menschenrechtsorganisation, war dieses Versprechen weiter uneingelöst. In Interviews mit etwa 300 Gefangenen in elf Lagern wurden zahlreiche Übergriffe der Anti-Gaddafi-Milizen dokumentiert. So gestanden Gefängniswärter, regelmäßig Folter anzuwenden, um schneller „Geständnisse" zu erreichen.

Ein 17-Jähriger Tschader, mit dem die Amnesty-Vertreter sprachen, berichtete, er sei so lange geschlagen worden, bis er gestand, Libyer getötet und Libyerinnen vergewaltigt zu haben. In einem improvisierten Gefangenenlager sahen die Ermittler Folterwerkzeuge, in einem anderen könnten sie mithören, wie jemand ausgepeitscht wurde. "In einigen Fällen gibt es klare Anzeichen für Folter, um Geständnisse zu erpressen oder als Bestrafung", so Amnesty.

Während der Ermittlungen, die von 18. August bis 21. September dauerten, besuchte das Amnesty-Team improvisierte Gefangenenlager in Schulen und auf Fußballplätzen. Allein nach der Einnahme der Hauptstadt Tripolis wurden 2500 Menschen, großteils ohne Angabe von Gründen, festgenommen. Manche Gefangenen wurden nach der Festnahme in die Beine geschossen, um Fluchtversuche zu verhindern.

Rassistische Übergriffe

Das Amnesty-Team berichtet, dass die Stadt Tawargha, wo viele dunkelhäutige Libyer lebten, bei ihrem Besuch am 16. September menschenleer war. Die Rebellen hatten die Bewohner vertrieben und ihnen mitgeteilt, sie sollten „zurück nach Afrika" gehen, weil im „neuen Libyen" kein Platz für sie sei.
Viele Bewohner Tawarghas flohen nach Tripolis, wo ihr Camp jedoch gestürmt wurde. Die Milizen nahmen 70 Männer und Jugendliche mit und stellten den Flüchtlingen ein Ultimatum, die Stadt zu verlassen.

Berichte über Vergewaltigungen

Die Ermittler sprachen mit 50 weiblichen Gefangenen. Zwei davon berichteten, vergewaltigt worden zu sein, viele erzählten von Schlägen und Beleidigungen. Amnesty kritisiert, dass die Frauen entgegen der von der UNO festgelegten Minimalstandards nicht von Gefängniswärterinnen, sondern von Männern bewacht werden.

Amnesty fordert den Übergangsrat in einem neuen, am Mittwoch veröffentlichten Bericht auf, eine Reihe von Maßnahmen durchzuführen, um Menschenrechtsverletzungen zu beenden. Auf der Liste steht unter anderem die Forderung, die neue Regierung müsse einräumen, dass Berichte über den Einsatz von Söldnern durch den gestürzten Diktator stark übertrieben waren.

Außerdem mahnt die Menschenrechtsorganisation ein, dass Minderjährige nicht gemeinsam mit Erwachsenen eingesperrt werden sollten und fordert Ermittlungen gegen Milizionäre, die Übergriffe begangen haben. Dafür solle der Übergangsrat nötigenfalls internationale Unterstützung in Anspruch nehmen.

"Verhaltensmuster der Vergangenheit"

Es sei ein großes Risiko zu erkennen, dass "Verhaltensmuster der Vergangenheit wiederholt" würden. "Willkürliche Festnahmen und Folter waren ein Kennzeichen der Herrschaft von Oberst Gaddafi", sagte Hassiba Hadsch Sahraoui, der stellvertretende Amnesty-Chef für den Nahen Osten und Nordafrika. "Wenn die Übergangsbehörden jetzt nicht einen klaren Schlussstrich unter die Methoden der Vergangenheit ziehen, senden sie praktisch die Nachricht aus, dass eine solche Behandlung von Gefangenen im neuen Libyen toleriert wird."

Jalal al-Galal, Sprecher des Übergangsrates, beteuerte gegenüber Reuters, Mustafa Abdel Jalil habe „immer wieder betont, dass er Übergriffe gegen Gefangene nicht toleriert" und „deutlich gemacht, dass solche Vorwürfe untersucht werden". Jalil diente unter Gaddafi als Justizminister. (bed/derStandard.at, 13.10.2011)

Kommentar posten
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a b1
14.10.2011 23:08
Na sowas Überraschendes

Wenn wir jetzt noch draufkommen, dass auch keine Demokratie draus wird, dann rufen wir alle ein gemeinsames "Ooooh!" und wenden uns dem nächsten Nato-Konflikt zu, den wir für Frieden und Demokratie natürlich wieder gemeinsam unterstützen.

egal9
14.10.2011 16:14

In dem Zusammenhang sei auch noch mal an eine Liste von zu Ermordenden erinnert, die schon im März auftauchte:
"SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass eine Liste publiziert wurde mit allen Namen der Ligan Thauria, eine Tötungsliste mit 7200 Leuten?

Basama: Es gibt viele Listen, wissen Sie."
http://www.spiegel.de/politik/a... 47,00.html

Oddo Wolf
14.10.2011 21:52
apropos spiegel-online

Philipp Rösler hat anlässlich seines Libyenbesuchs versprochen 140 verletzte Rebellen in deutsche Krankenhäuser zu holen.

Habe versucht dazu folgenden Kommentar zu posten:
Humanitär gesehen ist es vielleicht sekundär, ob es sich dabei um echte libysche Rebellen oder Al-Kaida-Söldner handelt.

Könnte man nicht auch einige schwerverletzte Kinder aus Krankenhäusern in Sirte nach Deutschland holen? Auf youtube habe ich furchtbare Videos gesehen. Schreiende Kinder mit weggeschossenen Gliedmaßen. Hilflos dabeistehende Chirurgen. Man hat dort nicht mal Betäubungs- oder Narkosemittel.
Ach so, Kinder unterschreiben keine Erdölverträge.

Ist leider der Zensur zum Opfer gefallen.

Dagmar Rehak Wien
 
14.10.2011 23:52

Also, DAS haben sie wirklich nicht verdient, dass man sie jetzt auch noch nach Deutschland holt.
Wenn das Personal und der Strom und die Substanzen da sind, ist Libyen sicher gut genug, um verletzte Kinder zu versorgen.

Harry Meier
 
14.10.2011 14:59
Amnesty International war eine der ersten Organisationen

welche dem Westen Untaetigkeit vorgeworfen hat, als Gaddaffi im Februar begonnen hat friedlich demonstrierende Zivilisten zu ermorden. Damals haben die Gaddaffi Fans und Kriegstreiber AI der Luege bezichtigt. Jetzt wo AI im Sinne der Kriegstreiber berichtet ist die Organisation ploetzlich rehabilitiert. Wenn man fordert einen Krieg durch einen anderen zu beenden, braucht man sich nicht zu wundern, das nicht alles nach den Regeln laeuft.

joergipoergi
14.10.2011 18:10
und sie machen es genau umgekehrt:

damals hatte AI recht, das Regime Gaddaffis zu verurteilen, aber jetzt haben sie keine Berechtigung mehr???

Krause Logik, die sie da vertreten. Die Berichte von AI werden wohl in beiden Faellen eine nicht leugnungsbare Berechtigung haben.

Harry Meier
 
16.10.2011 13:31
Habe nie behauptet AI dürfe nicht kritisieren. Im .

.. Gegenteil ist ja deren Aufgabe. Aber sie dürfen sich nicht wundern, wenn sie einen Krieg zur Beendigung eines Krieges fordern und dieser dann aus dem Ruder läuft. Ich war überaus positiv überrascht das auch AI den Westen aufgefordert hat gegen den irren Diktator einzuschreiten.

raibavorstand
14.10.2011 18:20

vergiss den meier, der schaut seit er lesen kann in die krone.

Harry Meier
 
16.10.2011 13:32
Argumente hamm's keine?

suedsee insulaner
 
14.10.2011 14:44
Wen das wundert,

der hat wohl nichts kapiert. Das war doch zu erwarten. Man braucht sich nur die rauschebaerte der rebellen ansehen. Und amnesty international, zaehlt fuer die so wenig wie der sand in der wueste. Die waren schuldigen sitzen in den usa, frankreich und gb . Das leiden der zivilbevoelkerung juckt die sicherlich nicht, ist es doch nicht ihre haut. Gaddafi war sicherlich kein heiliger,aber die rebellen sind auch keine braven apostel.Und wire leser stehen dem gaznen hilflos gegenueber. Welchen politiker interessiert schon undere meinung , ausser am tage der wahl !!!!

nomad13
14.10.2011 14:15
LOL - die FED (Bankerkartell) schreibt ganz politisch

The effect of rising oil prices on oil-importing economies depends on how oil exporters deploy their windfall revenues. The recycling of petrodollars to purchase goods and services produced by oil importers works directly to soften the economic blow caused by higher oil prices in these countries. Petrodollar recycling through investments in the international capital markets can also ease the negative effects on growth,albeit less directly, by providing a pool of funds that oil importers can tap to finance their higher oil-import bills.
www.newyorkfed.org/research/... i12-9.html
So wenig Mafia Sing sang bin ich ja gar nicht gewohnt-dass das Kartell seine Zentralbanken ausbauen möchte-hätten auch noch dazuschreiben können

Peace 4 Libya
14.10.2011 13:40
Weitere Ergebnisse der Zivilistenschützer

http://www.youtube.com/watch?v=K... ure=relmfu

Hat der Westen keinerlei Mitgefühl, Scham, Ehrgefühl, Gewissen?

Lügen von Anfang an, Tote - Zehntausende, vor lauter Eifer zu "schützen" - zerfetzte Kinder zählen auch als unabwendbare Beischäden?

Im Westen ist das Gewissen jedenfalls nicht zu Hause, es ist hierzulande schei*ßegal wie und wieviele Menschen, eingeschlossen Kinder, verrecken.

Heinrich Müller1
14.10.2011 13:09
Sirte Situation

http://twitpic.com/702vux/full

Die Aufständischen machen Pause. Artilleriepause.
Bringen schwere Waffen an die Front,
einige Panzer im Anrollen.
Sollen den letzten Widerstand zusammenschiessen.
Erzählt Peter Beaumont vom Guardian

http://audioboo.fm/boos/5052... orts-libya

odrr
14.10.2011 13:03
mostly untrained

http://www.indiaeveryday.in/fullnews-... 133964.htm

training ist bald vorbei

odrr
14.10.2011 12:46
!!avicenna hospital/sirte

http://www.msf.org.uk/articlede... w_20111014

"The hospital’s medical staff have been amazing – I would say they have been truly heroic. In the past weeks there were about five Libyan doctors working here, and 25 to 30 nurses, many from India and Bangladesh.

"The staff have worked through the intense crisis of the past few weeks and been directly exposed to violence. They have worked under shelling, under bombing, and under the threats of G a d d a f i loyalists ordering them to come and treat their soldiers. Now they are exhausted and need all the support they can get.''

odrr
14.10.2011 12:57
BK W. Shoyssel
14.10.2011 11:24
Surprise

sollte-passwort-ändern
 
14.10.2011 11:13
Die US Berater sind im Anmarsch, wie üblich, um zu helfen....

TRIPOLI — The United States is planning to dispatch dozens of former military personnel to Libya to help track down and destroy surface-to-air missiles from Moammar Gaddafi’s stockpiles that U.S. officials worry could be used by terrorists to take down passenger jets.

The weapons experts are part of a rapidly expanding $30 million program to secure Libya’s conventional weapons in the wake of the most violent conflict to occur in the Arab Spring, according to ....

austria73
14.10.2011 12:11
Die Aufständischen waren bei Beginn mit ausländischen Waffen ausgestattet.

Peace 4 Libya
14.10.2011 12:05

Die Waffen wurden doch gerade im mittleren Osten gefunden, wie sollen die dann Libyen gefunden werden?

austria73
14.10.2011 11:00
Laut Leon Panetta

ist das Gerede um Demokratie, Frauenrechte und Al-Kaida Kämpfer nur Vorwand um in Afghanistan eine MilitärBasis zu haben und um den Iran zu bedrohen.

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-... 131011.pdf

http://www.gegenfrage.com/afghanist... gestiegen/

sollte-passwort-ändern
 
14.10.2011 10:55
Herr Nowak, aufgepasst: Kleinigkeiten. Wegen sowas würde der Sicherheitsrat nie und nimmer aktiv

"Yesterday evening, we used artillery cannon to shell the neighborhoods," Nasser Moghassabi, a frontline field commander with the Martyrs of Free Libya Brigade told AFP.
Und der Herr Nowak, der Parademenschenrechtler für gerechte Kriege ist auf Uralub seit März oder hat er Kehlkopfentzündung von den vielen Propagandareden für den Krieg in Libyen?.

Read more: http://www.dailystar.com.lb/News/Midd... z1akCbatlX
(The Daily Star :: Lebanon News :: http://www.dailystar.com.lb)

austria73
14.10.2011 10:48
Wir sind Terroristen nicht die Muslime

Der Feind ist Zuhause. Ich wollte stolz auf mein Land sein, jetzt empfinde ich nur Scham.
Den Soldaten wird bewußt, dass sie mit den Menschen die sie angreifen mehr gemeinsam haben als mit ihren Regierungen.
http://www.youtube.com/watch?v=HEee7n9KwAQ

Killer Bunny
14.10.2011 11:52

Die Gestaltung des Intros erinnert frappant an reißerische Boulevard Formate in den Massenmedien. Tja, hier wird ja auch für dieselbe Zielgruppe produziert.

frank rosner
14.10.2011 10:45
und diese erkenntnis

überrascht AI - na hoffentlich ned wirklich. dieses aufeinandertreffen von gruppen mit unterschiedlicher aufffassung nennt man krieg - und das ein krieg sauber abläuft - na wer glaubt das denn wohl - übergriffe gibt es immer auf beiden seiten- mir ist kein krieg bekannt wo auf einer der seiten "gute" waren. und div. foltermethoden werden in lybien weierhin praktiziert wrden - egal was AI gerne hätte.

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