Burgstaller

Herkunftsländer sollen für ausländische Studenten zahlen

13. Oktober 2011, 12:00

Salzburgs Landeshauptfrau: Positive Reaktion von Vassiliou - EU-Bildungskommissarin fordert Österreich zur Suche nach Bündnispartnern auf

Brüssel - Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) tritt dafür ein, dass angesichts der immer größer werden Zahl von deutschen Studierenden an Österreichs Hochschulen die Herkunftsländer für ihre ins Ausland ausgewichenen Numerus-Clausus-Flüchtlinge den Studienplatz bezahlen sollen. Mit ihrem Plan sei sie bei EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou auf offene Ohren gestoßen. Vassiliou habe Österreich aufgefordert, Bündnispartner für eine diskriminierungsfreie EU-weite Lösung zu suchen, erklärte Burgstaller am Donnerstag in Brüssel.

Sie verwies darauf, dass der Anteil von deutschen Studenten beim Masterstudium Psychologie bei 86 Prozent im Studienjahr 2011/2012 liege. Nur 12,5 Prozent seien Österreicher, die restlichen 1,5 Prozent verteilen sich auf andere Staaten. "Ich bin sehr für eine offene Universität, aber das kann nicht zulasten der österreichischen Steuerzahler gehen". Außerdem gehe es auch um die Qualität eines Studiums. Wenn die Entsendestaaten für ihre in Österreich studierenden Jugendlichen bezahlen müssten, könnte dieses Geld dem Ausbau von Studienplätzen gewidmet werden.

Diese Regelung könnte auf lange Frist auch die jetzige Übergangslösung mit der Medizinerquote ablösen, die bis 2016 von der EU-Kommission geduldet wird. Burgstaller kann sich dann ab 2017 eine für alle Studienrichtungen geltende Vereinbarung auf EU-Ebene vorstellen. "Notwendig ist eine intelligente Lösung, die die Mobilität fördert und nicht diskriminierend ist". Sie habe auch schon mit der schottischen Bildungsministerin gesprochen, die ein ähnliches Problem mit den Briten habe. In Großbritannien gebe es Studiengebühren von bis zu 9.000 Pfund (rund 10.300 Euro), in Schottland braucht man nichts fürs Studium zu bezahlen. Vergleichbare Probleme gebe es auch zwischen Belgien und Frankreich, Belgien und den Niederlanden sowie auch zwischen Portugal und dem spanischen Galizien.

"Ich bekenne mich zu Zugangsbeschränkungen"

Insgesamt tritt Burgstaller dafür ein, die Studienanzahl früher zu beeinflussen. "Ich bekenne mich zu Zugangsbeschränkungen auf Basis von Qualifizierung, ich halte aber nicht viel vom Numerus Clausus. Wer eine Durchschnittsnote von 2,9 hat, kann ein Mathematikgenie sein, das wir nicht vertreiben dürfen". Allerdings könnte es sehr wohl eine entsprechend gestaltete Studieneingangsphase geben. Die Landeshauptfrau verwies dabei auf die private Salzburger Medizinuniversität, wo es mehrtägige Einschätzungen der Bewerber gebe und auch bewertet werde, ob jemand sozial geeignet sei, beispielsweise zähle auch eine aktive Mitarbeit beim Roten Kreuz. Dagegen gebe es in Österreich im Lehrerbildungsbereich eine "perverse Situation". Wer beispielsweise als Pflichtschullehrer bei einer Pädagogischen Hochschule (PH) nicht genommen werde, könne ungehindert an der Uni ein AHS-Lehramt studieren. "Das ist himmelschreiend", empört sich Burgstaller.

Zu einer Studiengebühr bekennt sie sich grundsätzlich, obwohl damit das Problem nicht gelöst würde. "Aber man kann das jetzt nicht einführen, weil die Bedingungen für die Studierenden so schlecht sind." Was die politisch festgefahrene Situation zwischen den Koalitionsparteien im Bildungsbereich betrifft, würde sie "aufatmen, wenn die ÖVP bei der Schule nachgibt und die SPÖ bei der Hochschule". (APA)

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13 Postings
Panzerverband
00
17.10.2011, 18:37
Deutsche sollen

einen Studienplatz in Deutschland vorweisen müssen, um hier zu studieren dürfen. Die NC Flüchtlinge wären Geschichte. Was ist so schwer daran?

kleiner Schelm
00
14.10.2011, 15:07

"private Salzburger Medizinuniversität ... zähle auch eine aktive Mitarbeit beim Roten Kreuz"

Jaja ... die versuchen den Anschein einer Selektion zu erwecken. Tatsächlich studieren doch nur der NumerusClausus-Looser an der Uni, dessen Papi ihm trotzdem auf eine lukrative Stelle heben will. Und da müssen halt alle möglichen "Qualifikationen" gefunden werden. Erinnert stark an die Aufnahme von nicht-Maturanten an FHs/Uni Krems... (Berufstätigkeit, hat schon mal wen arbeiten sehen, usw. => Matura-Äquivalent)

Panzerverband
00
17.10.2011, 18:32
smea_gol
00
14.10.2011, 14:54

haha,

also die privat medizinuni als hort der sozialkompetenz zu würdigen, ist - in anbetracht einiger bekannter, die dort studieren, und auch recht vollmundig über bestimmte dinge wie aufnahmekriterien etc. volltönen, eher stark in zweifel zu ziehen.

wenn das der status ist, wo die öffentlichen unis hinwandern, dann wird das eher mehr korruption als transparenz fördern. die bübeles und töchterles von den werten damen und herren politikern, rechtsanwälten und medizinern müssen ja studieren können.

ausgleichszahlungen oder herkunftslandprinzip, wie früher - ja bitte. das ist das einzig richtige system.

pago1
01
14.10.2011, 14:07
es geht doch eh vor allem um die deutschen

die wie die horden einfallen

anna b
10
18.10.2011, 18:56

ich kenne eigentlich mehr österreicher, die in deutschland studieren als umgekehrt. ich glaub, auch insgesamt ist das so. besser vorher nachrechnen, bevor uns die deutschen zuvorkommen und wir noch draufzahlen...

Resilienzfaktor
00
19.10.2011, 08:25

Witzig. Ich z.B. kenn wiederum gar keinen Österreicher, der in D studiert, kenne aber unzählige StudienkollegInnen aus Deutschland (und an "meinem" Institut sind drüber hinaus 6 von 8 fix angestellten lehrenden MitarbeiterInnen aus Deutschland).

Bei aller Skepsis gegenüber der Statistik, in manchen Dingen kann sie mMn aber doch den (flächenmäßig) besten Überblick geben.

anna b
00
19.10.2011, 14:43

genau meine frage: wie sieht die statistik eigentlich aus?

ich hab lange gesucht und noch nirgendwo zahlen dazu gesehen, wieviele österreicher im ausland studieren, und wo (umgekehrtes ist genau bekannt, es gab auch einen standard artikel dazu). woher kennen sie die zahlen?

Resilienzfaktor
00
19.10.2011, 19:53
Teil 1: Zahlen

8.775 österr. Studierende in D im WS 2010/11, siehe S. 55: http://www.destatis.de/jetspeed/... y=file.pdf

23.706 deutsche Studierende in Ö im Jahr 2009, siehe S. 27: http://www.destatis.de/jetspeed/... ty=file.pd

anna b
00
20.10.2011, 07:19

danke! hat auch meinen subjektiven eindruck im bereich der naturwissenschaften erklärt, wo die quote an deutschen wesentlich geringer ist.

der erste link ist derselbe wie der zweite, und hat nur 39 seiten. aber ich glaub's ihnen mal.

der zweite link ist interessant, zeigt schön einen anstieg. noch extremer als in ö ist eh scheinbar aber in den niederlanden - die scheinen mehr deutsche studierende zu haben wie wir (s. 28)!

gemeinsame strategie wär eine gute idee. allerdings gibt's da auch auffassungsverschiedenheiten. in frankreich (wo ich grad studiere) brüstet man sich mit dem hohen anteil an ausländischen studierenden (symbol für qualität), während man in österreich genau das gegenteil befürchtet (ausländer machen alles schlechter).

Resilienzfaktor
00
19.10.2011, 20:01
Teil 2

Nur dass kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin auch für die Mobilität (v.a. junger Menschen) und besonders im Kontext der Bildung bzw. berufl. Ausbildung... Und mich k*tzt das völlig gemeine Deutschenbashing in diesem Zusammenhang an. Eine andere Sache ist aber, dass es mMn trotzdem endlich eine gemeinsame EU-Strategie auf steuerungs- und strukturpolitischer Ebene braucht. Schauen Sie sich zB an, was mit der Mobilität der medizin. Studis und erst recht AbsolventInnen los ist...absurd! --> Manche europ. Regionen, wo nicht mal mehr die medizin. Nahversorgung gewährleistet ist, Landflucht, Braindrain, etc. ... Also: Meine Kritik gilt nicht jungen Leuten, die sich um ihr Fortkommen kümmern sondern um versch... Politik.

Seria
10
14.10.2011, 09:08

Brauchen hohe Studiengebühren (€5000 /Semester9, die den Ös und Studenten aus Entwicklungsländern erlassen werden können, je nach Leistung bzw sozialer Bedürftigkeit

O5
02
13.10.2011, 21:01

"Wer beispielsweise als Pflichtschullehrer bei einer Pädagogischen Hochschule (PH) nicht genommen werde, könne ungehindert an der Uni ein AHS-Lehramt studieren."

Und dennoch sind die durchschnittlichen AHS-Lehramtsstudenten deutlich intelligenter als die durchschnittlichen PH-Studenten. Dasselbe sieht man ja auch an den FHs: nur weils "Aufnahmeprüfungen" gibt heißt das noch lange nicht dass man bessere Leute bekommt. Das einzige was durch diese Prüfungen steigt ist das Ego der Angenommenen ;-)))

Die einzig sinnvolle Aussage Burgstaller ist die zur Studienplatzfinanzierung. Allerdings muss dann natürlich auch Österreich für seine vielen Studenten in Deutschland und Großbritannien zahlen - was teuer werden könnte.

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