In Graz erlernen angehende Mediziner die Gestaltung professioneller Arzt-Patienten-Gespräche
Graz - Der Arztberuf ist ein kommunikativer Beruf. Der Patient will mit seinen Beschwerden, Ängsten und Vorstellungen wahrgenommen werden und fordert Aufklärung hinsichtlich Diagnose und Prognose. Der Arzt wiederum ist auf die Mitarbeit des aufgeklärten Patienten angewiesen, denn im Behandlungsverlauf beeinflusst Kommunikation ganz wesentlich den Therapieerfolg. Die Ausbildung zukünftiger
Ärzte im Bereich der kommunikativen Kompetenz ist unbestritten von großer Bedeutung. Die Medizinische Universität Graz hat deshalb den ersten Lehrstuhl mit Schwerpunkt kommunikative Kompetenz errichtet.
Fakt ist: Die Erwartungen der Patienten werden oft nicht
zufriedenstellend erfüllt. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen
sowohl auf Seiten des Arztes als auch beim Patienten selbst. So wissen
Patienten beispielsweise nicht was und wie sie mit dem Arzt
kommunizieren sollen, und sprechen von sich aus wichtige Themen deshalb
gar nicht erst an.
Der Arzt nimmt seinerseits an, dass der Patient keine Fragen hat, weil
er keine stellt. Hier braucht es eine beiderseitige Verbesserung der
kommunikativen Kompetenz. Der Patient ist aufgefordert, besser
vorbereitet in das Gespräch mit dem Arzt zu gehen und beispielsweise
eine Stichwort-Liste zu den wichtigsten Fragen mitzubringen.
Biopsychosoziale Kompetenz
Und Ärzte sollten lernen, relevante Inhalte und Anliegen zu erfragen,
wenn diese nicht vom Patienten selbst angesprochen werden. „In der
biopsychosozialen Medizin hat die Kommunikation einen bedeutsamen Platz.
Denn der Arzt nützt hier die „Arznei", das „Messer" und auch das „Wort"
gleichermaßen als therapeutische Werkzeuge". Auf diese Weise erreichen
wir eine ganzheitliche, d.h. integrierte Medizin auf wissenschaftlicher
Basis," so Josef W. Egger.
An der Med Uni Graz wurden die entscheidenden Maßnahmen gesetzt, wie zum Beispiel die Einführung des Moduls „Kommunikation/Supervision/Reflexion". Das verpflichtende Modul leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erwerb biopsychosozialer Kompetenz im Studium der Humanmedizin. Wissen, Fertigkeiten und professionelle Haltung werden den Studierenden in vier Lehrveranstaltungsreihen vermittelt. Es wird sowohl das Gestalten eines professionellen ärztlichen Gespräches als auch das Gelingen einer Problem lösenden Arzt-Patienten-Beziehung erlernt.
„Seit Jahrzehnten wird die mangelnde kommunikative Kompetenz der Akteure im
Gesundheitswesen beklagt. Die Medizinische Universität Graz hat das bereits vor Jahren durch
die Etablierung des biopsychosozialen Modells als Grundlage der Studiengänge entschieden in
Angriff genommen. Durch die Professur von Prof. Egger erfährt das Thema eine weitere
Aufwertung und sichtbare Optimierung", so Josef Smolle, Rektor der Med Uni Graz. (red)