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Sicherheitsrisiko: Telefonieren am Handy

Analyse | Markus Drenkhan, 13. Oktober 2011, 16:32
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    foto: reuters/suzanne plunkett

    Abhören von Handygesprächen wird in Österreich zu leicht gemacht

Österreichs Mobilfunknetze sind nur mangelhaft gegen Abhören und Datenklau geschützt

Die Sicherheit der österreichischen Mobilfunknetze liegt europaweit im unteren Mittelfeld. Zu diesem Fazit kommt Karsten Nohl angesichts ihm vorliegender Ergebnisse von Test-Hacks in drei österreichischen Mobilfunknetzen aus den vergangenen Tagen. Nohl, von Security Research Labs, der sich seit einigen Jahren als GSM-Hacker und technischer Experte intensiv mit den GSM-Sicherheitsstandards beschäftigt, stellt fest, dass die analysierten Netze von A1/Mobilkom, T-Mobile Österreich und Orange auf die gleiche überholte Technologiebasis wie viele andere Mobilfunkbetreiber weltweit setzten: „Zusätzliche Schutzmaßnahmen, wie sie an vielen Stellen in Europa zurzeit ausgerollt werden, sind in Österreich nicht zu finden." Nohl stellt allen drei Betreibern ein schlechtes Zeugnis aus; es gebe keinen Marktführer in punkto Sicherheit. „Die österreichischen Netze zeigen noch keine Anzeichen der technischen Härtung, nicht einmal bei schnell umgesetzten Sicherheitsfixes, die der Dachverband der Netzbetreiber seit mehreren Jahren propagiert", sagt Nohl.

Die Sicherheitslücke ist seit Jahren bekannt

Seit längerem ist bekannt, dass die Übermittlung und Verschlüsselung von Handytelefonaten zu knacken ist. Im Dezember 2009 veröffentlichte Karsten Nohl auf der Tagung des Chaos Computers Clubs (CCC) erste Resultate eines Hacks, mit dem er die Sicherheit des GSM-Netzes testete. Das Ergebnis: Mit wenig technischem Aufwand ist es möglich, eine bestehende Mobilfunktelefonverbindung mitzuhören und die Gesprächsdaten zu entschlüsseln. Die GSM Association (GSMA), die weltweite Vereinigung der Mobilfunkanbieter, bestritt damals in einer ersten Reaktion, dass so ein Angriff möglich sei. Nach mehreren veröffentlichten Test in den vergangenen Jahren, gesteht die GSMA die technische Machbarkeit zu. GSM-Sniffing stelle aber keine Gefährdung dar: „Das Abhören von GSM ist immer noch ziemlich schwierig und benötigt weitreichendes, technisches Know-how (und kriminelle Absicht). Wir haben keinen Hinweis darauf, dass es in wirklichen Netzen gegen wirkliche Nutzer angewendet wird", sagt James Moran, Sicherheitschef der GSMA. Trotzdem weist er GSM-Kunden auf mögliche Gefährdungsrisiken hin, wenn sie sensible Daten über Mobilfunknetze austauschen.

Veraltete Standards

Das grundlegende Problem ist der verwendete Verschlüsselungsstandard A5/1 des GSM-Mobilfunknetzes, der aus den 90er Jahren stammt. Dieser Standard hielt den Angriffen der Hacker nicht lange stand. Inzwischen bedarf es zwar einigen Fachwissens, aber relativ wenig an technischer Ausstattung, um Handytelefonate abzuhören.
Trotzdem wird der bessere A5/3-Standard, der die Sicherheit des Mobilfunks verbessern könnte, nur langsam eingeführt. Die GSMA begründet das mit langen Endwicklungszeiten, Planungszeiten der Roadmaps für Produkteinführungen und Testphasen. Endgültige Abhilfe wird wohl erst der vollständige Umstieg auf den 3G-Standard/UMTS beziehungsweise den 4G-Standard/LTE schaffen. Ob und wann diese Standards allerdings flächendeckend auch außerhalb von Großstädten verfügbar sein werden, ist fraglich.

Möglichkeiten des Missbrauches

Das besondere an GSM-Sniffing sei, dass es nicht nachweisbar ist, weil es keine Spuren hinterlässt, sagt Nohl. Ihn treibt nicht die wirtschaftliche Verwertung von gehackten Daten an, sondern das Offenlegen von Schwachstellen der Übertragungsstandards. Die Möglichkeiten für kriminelle Aktivitäten mit dem relativ kostengünstigen GSM-Sniffing sind weitreichend und fangen beim Ausspähen von Geschäfts- oder Börseninformationen erst an: „Neben dieser klassischen Industriespionage schafft das GSM-Belauschen sicher auch Anreize für Stalker, Einbrecher, Privatdetektive, und andere graue Gestalten", sagt Nohl.

Unerklärliche Kosten auf der Telefonrechnung

Ein weiteres Risiko, das vielen nicht bewusst, besteht für Nohl in der Möglichkeit der missbräuchlichen Verwendung von Nummern für Gespräche und Kostenabrechnungen. In fast allen getesteten Mobilfunknetzen finde eine Senderauthentifizierung nur unregelmäßig und nicht vor jedem Gespräch statt. Einzige Ausnahme in Österreich war laut Angaben von Nohl das Netz von T-Mobile, in dem vor dem Versand jeder SMS die Identität des Senders abgefragt wird. Ohne Authentifizierung kann ein Angreifer mit den Authentifizierungsdaten - die er mittels GSM-Sniffing herausfinden kann - die Telefonnummer des abgehörten Teilnehmers verwenden und auf dessen Kosten telefonieren. Unerklärliche Anrufe zu Mehrwertnummern auf der Telefonrechnung könnten eine Folge dieses Missbrauches sein. Möglich sind aber auch beispielsweise Belästigungsanrufe oder Bombendrohungen unter der Verwendung fremder Mobilfunknummern.

Mit relativ einfachen Mitteln wie einer Authentifizierung vor jedem Telefongespräch wäre es den Mobilfunkbetreibern möglich, solche Sicherheitslücke zu schließen. Weitere Möglichkeiten, um GSM-Sniffing einzuschränken, wären die Übernahme der neuen technischen Änderungen des GSM-Standards, die 2008 eingeführte wurden. „Diese Maßnahmen können schnell und kurzfristig umgesetzt werden, ohne die Versorgung des Kunden zu unterbrechen, um die Risiken eines Angriffes auszuschließen", sagt James Moran von der GSMA.

Der nächste Schritt: mobile Datenübertragung

Für die mobile Datenübertragung wird der Umstieg auf Long Term Evolution (LTE), die vierte Generation des Mobilfunks, einen wichtigen Schritt hin zu mehr Sicherheit bedeuten. James Moran setzt auf diesen Standard: „So wie UMTS das GSM-Netz verbessert hat, steht LTE für eine weitere Verbesserung von UMTS." Der Druck auf die Mobilfunkbetreiber ist groß: Im August dieses Jahres gelang es Karsten Nohl, den GPRS-Standard zu entschlüsseln und mobile Datenübertragungen mitzuschneiden. (dk)

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Stefan Lindemann
00
18.10.2011, 10:27
Veschluesselung ist nicht Aufgabe des Netzbetreibers

klartext-email ist auch nicht "abhoersicher" und festnetz-telefonie schon gar nicht. kein schwein kuemmert es.

warum also diese aufregung bei mobil-telefonie?

wer end-to-end verschluesselung haben will, kann verschiedene tools installieren, ob bei email, mobiltelefonie, oder usb sticks im briefumschlag. diese tools sind in den letzten jahren sehr benutzerfreundlich geworden. es gibt wirklich keine ausrede mehr, sie bei sensiblen daten nicht zu verwenden.

jeder sollte selber fuer seine sicherheit verantworlich sein.

die aufgabe von ISPs und mobilfunkunternehmen sollte sich auf reine datenuebertragung (dumb pipe) beschraenken.

kanvier
00
20.11.2011, 18:32

Sehe ich auch so!
Fraglich ist nur ob das auch jeder Frau oder Mann bewusst ist welche Spuren sie hinterlassen und wie leicht es ist jemanden zu belauschen oder zu beobachten!

Eva Winter
00
16.10.2011, 21:29
SRLabs = Karsten Hohl = 1 Mannfirma?

Naja, hat wieder jemand entdeckt, dass die Verschlüsselung schwach ist. Und dann hat er entdeckt, dass es in Österreich 3 GSM-Betreiber gibt. So was, und jetzt die ganz große Schlussfolgerung: Die Verschlüsselung bei diesen 3 Betreibern ist schwach. Wer hätte das geglaubt.

großkotzige
00
17.10.2011, 00:26

Man kann als Netzbetreiber aber auch versuchen zumindestens die ganz schlechten Sachen etwas zu verbessern, in dem man den Hersteller um Patches bittet.

In anderen Ländern wird das von (besseren) Providern auch gemacht. Nur in Österreich interessiert das anscheinend niemanden.

Sie können auch gerne auf die Hompage von SRLabs gehen, dort sehen Sie 13 Mitarbeiter aufgelistet. Und es sind ein paar sehr bekannte Namen darunter.

iPost
00
16.10.2011, 13:49

das gsm protokoll ist seit beginn sicherheitstechnisch ein witz (stichwort man in the middle/jammer und co)

+ überwachungsgesetz (:

willkommen (in) österreich

großkotzige
00
15.10.2011, 21:40

Derzeit schafft wohl nur redphone (https://market.android.com/details?i... one&hl=de) Abhilfe.

Auch wenn man es in Österreich nicht aus dem Market installieren kann (Woran könnte das wohl liegen?).

HiIde Fonso
33
14.10.2011, 14:31
Absicherung wegen Datenklau ????

Bitte was soll da abgesichert werden, wenn die Handygespräche ZB in der U-Bahn so geführt werden, daß der ganze Wagen in voller Lautstärke zwangsbeglückt wird.

Basis
00
30.12.2011, 10:06
Telefonieren in der U Bahn

Sollte eh schon längst eine Art Knigge für Verhalten in der U Bahn u.ä. raus, das Vermeiden des versehentlichen mithörens von "interessanten Gesprächen" ist ja eh schon nur mehr mit Kopfhörern möglich.

NoComment
22
14.10.2011, 14:39

*gähn* bistdudeppert ist das am thema vorbei

Emil Sacklinger
 
11
14.10.2011, 14:38

... was immer es sein mag - ich sichere es ab.

(durch simples einschalten meines handy-jammers)

Andreas Prischl
00
14.10.2011, 14:29

Jedes Telefongespräch sollte einigermaßen sicher sein, egal worum es geht. Da nicht einmal den aktuellen Standard zu implementieren, ist unverantwortlich.
Vertrauliche Gespräche, deren Missbrauch zur Erpressung verwendet werden kann, oder die strafrechtliche Folgen haben könnten (Part of the game...), über das Telefon (egal welches) zu führen, grenzt jedoch an Wahnsinn.

slow motion
01
14.10.2011, 14:22
Gesetzlich so vorgesehen ...

Die Rufdatenspeicherung ist staatlich verordnetes "Handy-Sicherheitsrisiko".
Es stellt sich die Frage, ob das Handy ein Kommunikationsmittel oder ein Überwachungsinstrument ist ...

aufgeklärtbisheiter
02
14.10.2011, 08:16

Ich hab das jetzt mal ausprobiert. Altes Handy genommen, draufgesetzt, telefoniert.
Telefonieren am Handy fühlt sich jetzt auch ned wirklich unsicher an.

cannery row
00
14.10.2011, 12:09
auch nicht ganz richtig..

am handy telefonieren bedeutet, sich in unmittelbarer nähe zum gerät zu befinden, man benötigt also ein zweitgerät oder muss extrem laut schreien. ebenso ist es, wenn man auf dem handy telefoniert, es sei denn, man balanciert mit dem kopf nach unten auf dem mobiltelefon, und dieses hält die last aus.
wenn man mittels handy telefoniert, ist man auf der richtigen seite.

Monopoly mit Hut
00
28.11.2011, 08:10

Das ist ungefähr vergleichbar wie "Beefsteak an Salat", oder?

aufgeklärtbisheiter
00
14.10.2011, 12:47

Ich hab natürlich das aktuelle Handy genommen um zu telefonieren und das Altgerät nur um am Handy zu sitzen :-)

t 3
 
03
14.10.2011, 01:47
@webstandard

ich spende eine headline, die augenkrebsabwendend, prägnant, und immer noch einzeilig ist:

Sicherheitsrisiko: Handytelefonat

oder alternativ:

Sicherheitsrisiko: Mobilfunk

...

Heavyweather
13
14.10.2011, 00:30

Ja Schatzl...in 3 Minuten...ja die U6 is wieda ur voll heute...

Maggot Brain
00
13.10.2011, 23:06
zumindest in Wien kein grosses Risiko

weil da meistens UMTS verfügbar ist.

großkotzige
00
15.10.2011, 21:42

Leider gibts nur selten bei den Handys eine Option die GSM-Nutzung zu verbieten.

Es ist nämlich kein Problem ein Handy dazu zu bringen GSM zu verwenden (als Fallback Modus).

Carlos Clementin
12
13.10.2011, 21:51
am Handy ?

Wo liegt Handy.... gestern hatte ich am Strand telefoniert, mit einem Mobile ... morgen möchte ich am Handy telefonieren, aber wo liegt das ... verdammt sicherer Ort, abhörsicher ....

Ich hab damals C-Netz mit dem Umgebauten radio abgehört ... hoffe es ist jetzt sicherer und das reicht.

großkotzige
00
15.10.2011, 21:43

Nein es ist nicht sicherer.

Tschuri Cazzino
 
70
13.10.2011, 20:04
Mir persönlich sind die niedrigen Handytarife in Ö. wichtiger,

als dass sichergestellt ist, dass mich niemand abhört.
Für den, dem es wichtig ist gibt es Möglichkeiten abhörsicher zu kommunizieren. Derjenige soll auch dafür bezahlen.

Nothing else matters
 
00
14.10.2011, 14:27

Dann kann ich zwar sprechen und meine Daten verlassen verschlüsselt mein Telefon aber Sie können mich nicht hören weil sie nicht für entschlüsselung zahlen wollen ;-)))

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