Sicherheit bei E-Books

Papiertiger

Gastkommentar | 13. Oktober 2011, 10:38

Der Schutz von digitalen Büchern ist schwierig. Aber noch schwieriger scheint der Schutz der Privatsphäre von den Nutzern. Den Verlagen kommt eine wichtige Rolle hierbei zu - Von Ansgar Warner

Es war einmal, lange bevor das elektronische Papier erfunden wurde. Da verblüffte ein Berliner Autor sein Publikum mit einer Anekdote über New Yorker Bibliotheksangestellte, die im Dienst Schusswaffen tragen. Nicht beim Wandeln zwischen den Regalen, aber im Außendienst, wenn sie bei säumigen Ausleihern an der Haustür klingeln.

Napsterisierung

Nur eine Räuberpistole? Zusammen mit dem E-Book-Trend scheinen neuerdings die rauen Sitten aus Alphabet City auch in unser Leseland einzuwandern. Die Umsätze mit gedruckten Medien bröckeln, und die Buchbranche schießt sich auf die Leser ein. Statt ihr Geld brav in die Buchhandlung zu tragen, klicken sich die elenden Subskribenten durch dubiose Download-Portale auf der Suche nach kostenlosen Raubkopien.

Glaubt man einer aktuellen Studie zur digitalen Content-Nutzung, wurden in Deutschland im Jahr 2010 knapp 14 Millionen elektronische Bücher illegal heruntergeladen. Bei 23 Millionen E-Book-Downloads insgesamt sind das zwei Drittel der Gesamtmenge. Hat also die „Napsterisierung" der Gutenberg-Galaxis begonnen? Verleger und Bouquinisten rufen schon: "Haltet den Dieb!" So etwa Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Bei der Vorstellung der oben genannten Studie im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse postulierte Skipis: "Ohne Aufklärung und gegebenenfalls Sanktionen für illegales Verhalten funktioniert der E-Book-Markt auf Dauer nicht."

Das "Piraten-Dilemma"

Mit auf dem Podium saßen Vertreter des Bundesverbandes Musikindustrie sowie des Lobbyverbandes "Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen". Gebrannte Kinder des Medienwandels, sollte man meinen. Mit allen Mitteln kämpfte die Unterhaltungsindustrie erst gegen das Kopieren und Brennen von CDs und DVDs, dann gegen das Downloaden von MP3s. Doch was haben Digital Rights Management, einschüchternde Anzeigenkampagnen oder die Androhung von Netzsperren gebracht?

Vor allem wohl eine Erkenntnis, die Matt Mason in seinem Klassiker "The Pirates Dilemma" so formuliert: "If suing customers (d.h. "das Verklagen von Kunden") becomes central to a company or industry's business model, then the truth is that that company or industry no longer has a competitive business model."

Tatsächlich ist das Für und Wider in Sachen Kopierschutz bei E-Books ein Streit um Gutenbergs Bart. Bei Musikfiles und Hörbüchern wird der Verkauf en détail längst durch monatliche Flatrates abgelöst. Selbst das Wort "Download" klingt angesichts von Streaming aus der Rechnerwolke antiquiert. Wohin die literarische Reise geht, zeigt ein Blick auf Amazons neues Fire-Tablet. Elektronische Bücher sind hier nur noch eine weitere drahtlose, tendenziell kostenlose Contentsäule neben Musik und Video.

Privatsphäre schützen!

Anstelle der Urheberrechtsdebatte müssen wir eine ganz andere Diskussion führen - wie kann in Zukunft vernetztes Lesen ohne eine verletzte Privatsphäre stattfinden? Welche Lektüre zu Hause im Regal steht, wusste früher allenfalls die Stasi, die bei Verdächtigen konspirativ Buchrücken fotografierte. Die Bibliothek in der Rechnerwolke registriert nun sogar, wie viele Seiten wir lesen, welche Passagen wir markieren und mit Freunden teilen.

Früher waren Verlage und Buchhandel Garanten für die Informationsfreiheit. Die Entstehung der bürgerlichen Öffentlichkeit wäre ohne sie gar nicht denkbar gewesen. Welche Rolle wollen sie zukünftig spielen? Eins sollte klar sein: Pistolen im Halfter passen zu Gutenbergs Erben genausowenig wie die Kragenspiegel der Tscheka. (Ansgar Warner, derStandard.at, 13.10.2011)

Autor

Ansgar Warner, The European, ist Chefredakteur und Herausgeber von E-Book-News.de, einem Online-Magazin rund um das Thema Elektronisches Lesen.

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Posting 1 bis 25 von 28
1 2
idleflow
01
14.10.2011, 09:11
Lustig.

Die Verlage haben so große Angst vor dem Sterben, dass sie sich Kugel geben?

Tja, da kann ihnen leider niemand helfen.

john tender
00
14.10.2011, 08:15
ich finds ja

interessant, dass die verlage den GLEICHEN fehler machen wie die musikindustrie.

während es amazon in den usa geschafft hat, die kunden zu e-book käufern zu machen, indem es von anfangan genügend content zu vernünftigen preisen gibt, versäumen es die europäische verlage, die kunden zu käufern hzu erziehen. zu lange zu wenig e-books, und das meist zu hardcover preisen.

nach einer halben stunde suche nach einem ebook auf legalem weg (zu einem vernünftigen preis (oftgenug ebook zum hardcoverpreis obwohl es schon längst paperpack gibt usw) hab ich auch schon oft genug frustriert illegal runtergeladen, weil es einfacher ist.

ds stemmen gegen die zukunft hat ihnen die zukunft genommen

subspace99
00
14.10.2011, 07:18

Ja, "download" wirkt gegenüber "streaming" unglaublich antiquiert. Ich glaub das machen sowieso nur noch "Programm"-Verwender, die noch nicht kapiert haben, dass "Apps" die Zukunft sind.

sterngucker
 
00
14.10.2011, 11:01
Wieder einer, der einen momentanen Hype mit der Zukunft verwechselt

In zehn Jahren sind Sie dann ganz konsterniert, wenn Ihnen der Nachwuchs erklärt, daß sich nur mehr Höhlenmenschen mit "Apps" herumschlagen.

subspace99
00
14.10.2011, 12:45

Man nennt es "Ironie". Apps sind Programme, Streams sind Downloads.

sterngucker
 
00
14.10.2011, 13:41
Oh pardon

Sie müssen schon entschuldigen, aber bei dem, was hier so gepostet wird, wird jede Ironie stumpf, weil sich immer Leute finden, die so etwas ernst meinen.

Mir ist das auch schon passiert, aber ich verweigere Ironietags trotzdem.

subspace99
00
14.10.2011, 13:43

Passiert den Besten. :)

sterngucker
 
00
14.10.2011, 14:14
Streaming ist aber auch nicht ganz dasselbe wie Download

Obwohl in beiden Fällen Daten von einem Server zum User übertragen werden, impliziert Download das Abspeichern auf dem Userrechner und damit das Erstellen einer wiederverwendbaren Kopie. Dagegen wird unter Streaming in der Regel die Live-Übertragung ohne Möglichkeit des Abspeicherns verstanden. Die Unterhaltungsindustrie möchte natürlich am liebsten nur letzteres zulassen.

subspace99
00
14.10.2011, 17:56

Ja, genau: Download mit fehleranfälliger Wiedergabe + Löschung - daher sehe ich es mehr als Spezialfall, den großen Fortschritt kann ich leider beim besten Willen nicht erkennen.

01052004
00
13.10.2011, 21:08

wer also illegal ebook runterlädt, schützt nur seine privatsphäre...gutes argument

Sven Dirks
11
13.10.2011, 20:07
Formatwirrwarr

Ein Buch kann von jedem gelesen werden, dier die Sprache versteht und lesen kann. Ein e-book? Proprietäre, verdongelte, DRM-versuchte Format zu Mondpreisen?

Kein Wunder, dass viele lieber ein PDF irgendwo absaugen. Das kann man auf allen Geräten lesen, je nachdem was man grad zur Hand hat.

cupertino
00
23.3.2012, 22:10
pdfs sind meiner erfahrung nach relativ ungeeignet

da die formatierung fixiert ist. das ist bei wiss. publikationen ok, bei anderer lektuere stoerend.

ja aber
03
13.10.2011, 15:43
"Ohne Aufklärung und gegebenenfalls Sanktionen für illegales Verhalten funktioniert der E-Book-Markt auf Dauer nicht."

das derzeitige business modell aber auch nicht.

zum vergleich bei amazon: ein buch gebunden 19.90 euro, als ebook 17.90 euro, als taschenbuch 9.90 euro. das ebook kann nur auf einem speziellen reader gelesen werden. das normale buch kann man zumindest seiner frau oder kindern zum lesen weitergeben.

so ein geschaeftmodell ist zum scheitern verurteilt. auch wenn die user noch so verfolgt werden, sie werden durch die preispolitik in den digitalen untergrund gedraengt. das ebook (wenn mans nur auf einem geraet oder 1 monat lang lesen kann,) muss billiger als das gedruckte buch sein.

fröhn
01
13.10.2011, 16:07

also, ich kann meine amazon-bestellungen auf jedem gerät mit einem webbrowser oder einer kindle-app lesen... und die preise waren, bei mir zumindest, fast immer um ein äutzerl billiger, als die billigste gedruckte version. nicht billig genug für ein e-book, imo, aber immerhin.

weg
00
14.10.2011, 08:06
Das Buch hat

einen bedeutend hoeheren Wert, da ich es nach einmal Lesen gebraucht verkaufen kann. Ich vermute, dass ein traditionelles Buch im Schnitt oefter gelesen wird als ein eBook (eBook Reader sind ja meistens Geraete, die in erster Linie von einer Person verwendet werden, d.h. selbst in einem einzelnen Haushalt gibt's oft mehrere davon). Das sollte beim Preis in Betracht gezogen werden...

großgoscherter Zwerghamster
11
13.10.2011, 17:52
Einspruch:

Gerade Amazon ist da kein gutes Beispiel. Der Großteil der aktuellen Ebooks kostet MEHR als die Taschenbuchausgabe, mit dem Hinweis, dass entweder noch gar keine Taschenbuchausgabe erschienen ist, oder das Taschenbücher quasi Zweitverwertungen seien, die generell stark verbilligt sind. Ebooks jedoch als gleichwertiges Angebot NEBEN den gebundenen Erstausgaben erscheinen.

So lange die Leute es kaufen - selber schuld. Aber sicher kein Geschäftsmodell mit Zukunft.

Mir als Autor sind auf jeden Fall 100.000 verkaufte Ebooks um 1,- Euro lieber als 5000 Hardcovers um 29,90 bei Libro & Co! Und um 1,- Euro nimmst bald mal einen Download mit. Da wird nicht viel nachgedacht. Es ist wie überall: Die Masse machts.

Ludovico Settembrini
00
13.10.2011, 22:19

aber nur im deutschsprachigen markt. bei englischen buechern kostet die ebook version meistens nur die haelfte...

Sven Dirks
01
13.10.2011, 20:08
Richtig!

Für einen Euro würd ich nicht mal nachdenken sondern klicken. Ich würde auch im Buchhandel meinen e-bbok-reader gegen irgend eine Säule halten und dann 1,50 Euro für den Download berappen, wenn es nur schnell, bequem (und DRM-frei in einem universellen Format) und einfach geht.

Das kann doch nicht so schwer sein....

fröhn
00
13.10.2011, 19:19

gut, muss dazu sagen, dass ich mir meine e-books bis jetzt meist zum erscheinungsdatum gekauft habe - da gab's noch kein taschenbuch und meistens kauf' ich auf amazon.com ein - obwohl: die preise werden auf amazon.de ohnehin meistens 1:1 umgerechnet.

fröhn
00
13.10.2011, 19:27

trotzdem, dazu bräucht's eine statistik. hab' gerade selbst 3 bücher stichprobenartig nachgesehen (terry pratchett: snuff, haruki murakami: 1q84, walter moers: das labyrinth der träumenden bücher). da waren alle drei zwischen einem und 5 euros billiger.

john tender
00
14.10.2011, 08:19
terry pratchett aber auf englisch,

oder?

hab vor einem halben jahr mal gesucht und KEIN e-buch von ihm auf deutsch gefunden

ok, hab grad nachgesehen, mittlerweile gib es einige, und das zu ganz okayen preisen

fröhn
01
13.10.2011, 16:14

was natürlich nicht heißen soll, dass man sich nicht trotzdem vera*** fühlt, wenn das papierene, länger als 14 tage verleihbare und wiederverkaufbare hardcover gerade mal um 20cent teurer ist als die mitunter bescheiden formatierte e-book version (erst gestern beim neuen terry pratchett: bei jedem wort vor "people" fehlt das lehrzeichen, z.b. "manypeople" - könnt' ich's mir nochmal überlegen, ich würd' mir die raubkopie ziehen)

fröhn
00
13.10.2011, 15:14

natürlich darf bei den kolportierten downloadzahlen nicht vergessen werden, dass gerade im e-book bereich oft "kollektionen" heruntergeladen werden. habe z.b. ca. 6000 ebooks in zwei downloads runtergeladen, werde davon aber nur einen bruchteil lesen. im "real life" hätte ich mir auch nur ein paar von denen aus der bibliothek ausgeborgt, der eingebildete schaden hält sich also in grenzen, sofern er überhaupt vorhanden ist.

als regelmäßigere-book käufer (ja, meistens sind die piraten, die auch am meisten ausgeben...) fühl' ich mich aber schon g'frozzelt, wenn ein e-book genausoviel wie ein papierbuch kostet. nett wär's auch, papierbuchkäufern einen code für's gratis e-book zu geben, oder billige packete mit e- und audiobooks zu schnüren.

2301
00
13.10.2011, 14:42
Aber noch schwieriger scheint der Schutz der Privatsphäre von den Nutzern.

Welcher Fall war nochmal wessen Tod?

binnenmigrationshintergrund
 
00
13.10.2011, 12:47
es gibt vorlesungen

da erklären die vortragenden wie man sauteure fach e-literatur aus der ub fingert, ausleiht, kopiert...

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