"Augenmaß im Umgang mit Hackern"

  • Anke Domscheit-Berg
    foto: cremer

    Anke Domscheit-Berg

  • Viktor Mayer-Schönberger
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    Viktor Mayer-Schönberger

Die Open-Government-Aktivistin Anke Domscheit-Berg und der Internet-Jurist Viktor Mayer-Schönberger sind für Gelassenheit im Umgang mit dem "anarchischen Element"

Als das Regime in Ägypten versuchte, durch Mobilfunk- und Internetabschaltungen die Rebellion zu ersticken, gab es Proteste europäischer Regierungen und der USA. Als hingegen Messaging-Dienste und Internet die Unruhen in London vor einigen Wochen schürten, war die britische Regierung schnell mit Ideen zur Abschaltung und Überwachung der im arabischen Frühling gefeierten Online-Möglichkeiten zur Hand.

"Das Internet verschiebt die Machtverhältnisse"

"Das Internet verschiebt die Machtverhältnisse", sagt Anke Domscheit-Berg im STANDARD -Gespräch, in Ländern mit autoritärem System ebenso wie in westlichen Demokratien "kommt es zu einer Zwangsöffnung von Verwaltung und Politik". Als Direktorin bei Microsoft war sie für die Beziehungen zur deutschen Verwaltung zuständig, jetzt setzt sie sich als Aktivistin für Open Government ein. Dienstagabend war sie als Diskutantin in Wien, beim "Futuretalk" der A1 Telekom Austria über die Frage, wer im Internet das Sagen hat. Keynote-Sprecher der Veranstaltung war WorldWide-Web-Erfinder Tim Berners-Lee.

"Die Grundlage für die Weiterentwicklung der Demokratie liegt in mehr Freiheit für das Internet, mindestens aber in der Erhaltung der bestehenden Freiheiten", sagt Domscheit-Berg. Sie kritisiert die autoritären Impulse, die es auch in Demokratien gibt, etwa Vorschläge zur Beschränkung des Internetzugangs bei Verstößen gegen das Urheberrecht, oder den mangelnden Zugang zu öffentlichen Informationen. Hackergruppen wie Anonymous sieht sie als "Hilfsmechanismen der demokratischen Gesellschaft, es wird das Zugangsrecht zu Information von unten mit Gewalt durchgesetzt. Das lässt sich nicht verhindern."

Transparenz der Regierungstätigkeit

Für Viktor Mayer-Schönberger, in Oxford lehrender Spezialist für Internet-Recht, sind die Aktivitäten von Hackergruppen ambivalent, "auch Rechtsstaatlichkeit ist ein wichtiger Wert, der zu verteidigen ist. Aber auf der anderen Seite gibt es das Recht auf Transparenz der Regierungstätigkeit und den Zugang zu Information." Er plädiert im Umgang mit Hackern auf Gelassenheit. Viele der Einbrüche, bei denen Daten von Behörden oder Unternehmen veröffentlicht wurden, "sind wie Jugendliche, die mit einem Stein eine Scheibe einschlagen. Das ist eine blöde Geschichte, und es muss ein Unrechtsbewusstsein über den Vorgang geben. Aber es darf keine große Staatsaktion daraus gemacht werden", Augenmaß sei nötig.

"Eine Denial-of-Service-Attacke" - bei der Server durch Überlastung außer Betrieb gesetzt werden - "ist wie eine Straßenblockade. Dafür gibt es eine Verwaltungsstrafe. Aber bei Online-Aktionen wird gleich die große Keule ausgepackt", sieht auch Domscheit-Berg die Reaktion auf Hacktivisten als unverhältnismäßig an. Sie räumt ein, dass Hackergruppen nicht immer ihr eigentliches Ziel treffen. "Aber das anarchische Element zivilisiert sich von selbst, die Piratenpartei in Berlin ist das beste Beispiel." (Helmut Spudich, DERSTANDARD Printausgabe, 13. Oktober 2011)

 

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4 Postings
Wenn es nach Microsoft ginge, hätten wir heute ein privates MSN-Network

Wenn es nach der Telekom Austria ginge, nur Analog Telefone

Wenn es nach ddb ginge, einen Staubsauger der nun alle Gerüchte im Netz einsammeln würde und dann restlos verschwinden ließe

Wenn es nach Tim Berners-Lee ginge, ach dieser trauert nun den in Vergangenheit versäumten Patenten nach.

Wem verdanken wir eigentlich das heutige Netz,....KLAR den vielen Tausenden Anonymus

Ref: http://at-elettra.blogspot.com/2011/10/k... _1655.html

In welcher Beziehung mit Daniel Domscheit-Berg befindet sich die Dame, falls überhaupt?

Na, welcher schon? :-)

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