Bush stärkt Dollar

1. Juni 2003, 18:51
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Äußerungen des US-Präsidenten führten zu einem Anstieg des Dollar gegenüber dem Euro - Die US-Politik sei weiter auf einen starken Dollar ausgerichtet, unterstrich Bush

Krakau/Tokio - US-Präsident George W. Bush hat im Vorfeld des Gipfeltreffens der acht großen Industriestaaten (G-8) die US-Politik für einen starken Dollar bekräftigt. Bush sagte in einem vom Präsidialamt veröffentlichten Interview mit einem russischen Fernsehsender: "Die Politik meiner Regierung geht dahin, dass der Dollar stark ist." Auf den Hinweis, dass der Dollar derzeit Schwäche zeige, sagte Bush: "Am Markt werden Entscheidungen getroffen, ob der Dollar stark sein sollte oder nicht. Unsere Politik ist ein starker Dollar."

Die US-Geld- und Fiskalpolitik werde zu Wirtschaftswachstum führen. Die Märkte würden dann eine wachsende Wirtschaft sehen und deshalb den Dollar stärken. "Aber verstehen sie richtig: Diesmal hat der Markt den Dollar abgewertet, was im Widerspruch zu unserer Politik steht."

Dollar unter Druck

Der Dollar war zuletzt gegenüber den wichtigen Währungen stark unter Druck geraten, was mit der schwächelnden Konjunktur in den USA, dem hohen US-Leistungsbilanzdefizit und der Zinsdifferenz etwa zwischen den USA und der Eurozone begründet wurde. Die Märkte reagierten mit einem deutlichen Anstieg des Dollar gegenüber dem Euro auf die Äußerungen Bushs (siehe Chart).

Offiziell steht die Wechselkurspolitik nicht auf der Agenda der G-8 bei ihrem Treffen im französischen Evian, das am Sonntag begann. Zur G-8 gehören die USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Italien, Frankreich und Deutschland sowie Russland. Das Interview mit dem russischen RTR TV wurde im polnischen Krakau ge- führt.

In den USA besteht derzeit nach Einschätzung des US-Notenbank-Gouverneurs Ben Bernanke keine unmittelbare Deflationsgefahr. In Tokio sagte Bernanke, es gebe aber die Sorge, dass die Inflation in den USA unangenehm gering werden könnte. "Meine Ansicht ist, dass eine Inflationsrate von unter einem Prozent unangenehm wäre." Die Abwertung des Dollar gegenüber dem Euro beschrieb Bernanke als gut für die US-Wirtschaft, für die er im zweiten Halbjahr 2003 ein Wachstum von 3,0 bis 3,5 Prozent erwartet. Für 2004 prognostizierte Bernanke einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um vier Prozent. In dieser Woche hatte das US-Handelsministerium das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt für das erste Quartal mit auf das Jahr hochgerechnet 1,9 Prozent prognostiziert und damit nach oben revidiert. (Reuters, red, Der Standard, Printausgabe, 02.06.2003)

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