TV-Wege nach innen

4. Juni 2003, 07:39
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Was wir so am TV-Wochenende geschaut haben? Tja, irgendwie am falschen Fuß erwischt. Zwar war das in Summe gar nicht so wenig ...

... allerdings gibt es ja das Phänomen "Schauen und doch nichts sehen". Keine Krankheit. Bei diesem Vorgang verwandelt sich das TV-Gerät in ein Meditationsmedium, zu einer Art Kerze, die man anstarrt und so in den Zustand des grüblerischen Bei-sich-Seins gelangt. Der Yogi weiß, wovon wir schreiben.

Man weiß zwar hernach nicht, was man gesehen hat, aber man ist umso mehr bei sich. Wäre die totale Abwesenheit irgendeiner Ablenkung dieser Innenschau abträglich, lässt einem TV-Flimmern sanft in eine Sphäre zwischen Schlaf und Wachsein eintauchen. Das braucht natürlich entsprechende Sendungen. Ideal etwa das deutsche DFB-Pokalfinale mit seiner gemütlichen Ereignislosigkeit. Sehr hilfreich auch der schon öfters konsumierte "GoldenEye"-Bond.

Zu warnen ist hingegen vor der PRO7-Show "Talk Talk Talk", die auch TV-Profis mit Wochenrückblicken die Grenzen ihrer Härte aufzeigt. Versuchen Sie zu meditieren, wenn Ihnen ein Mann präsentiert wird, der sich eine grüne Schlange in die Nase einführt und das Tier - nach seiner Reise durch den Kopf - aus dem Mund zieht! Das ist eine Überdosis an Ekel-TV, die vom Weg nach innen abkommen lässt. (tos/DER STANDARD; Printausgabe 2.6.2003)

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