Mutmaßlichen Olympia-Attentäter von 1996 verhaftet

1. Juni 2003, 10:06
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Rudolph seit fünf Jahren wegen Anschlag in Atlanta gesucht

Washington - Sieben Jahre nach dem tödlichen Anschlag auf die Olympischen Spiele in Atlanta hat die US-Polizei den mutmaßlichen Attentäter gefasst. Eric Rudolph, der seit Herbst 1998 per Haftbefehl gesucht wurde, sei am Samstag in der Früh (Ortszeit) auf einer Mülldeponie in Murphy im Bundesstaat North Carolina festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei FBI. Der 36-jährige Rudolph wird für den Anschlag in Atlanta mit zwei Toten und mehr als hundert Verletzten sowie für Attentate auf eine Schwulendisco und zwei Abtreibungskliniken verantwortlich gemacht. US-Justizminister John Ashcroft würdigte die "unnachgiebigen Anstrengungen" der Strafverfolgungsbehörden.

Das FBI führte Rudolph als einen der zehn meistgesuchten Verdächtigen in den USA und setzte eine Belohnung von einer Million Dollar (845.881 Euro) auf seine Ergreifung aus. Nach dem Anschlag auf die Olympischen Sommerspiele in Atlanta hatte die Polizei mehr als 14.000 Menschen verhört, 1.300 private Videoaufzeichnungen ausgewertet und 8.000 Fotos gesammelt. Eine Frau starb, als in einem Mülleimer ein Sprengsatz explodierte, ein Mann erlag einem Herzinfarkt. Bei dem Anschlag auf eine Abtreibungsklinik in Birmingham 1997 wurde ein Polizist getötet. Auch für die Attentate auf eine weitere Klinik und einen Schwulenclub in Alabama wird Rudolph verantwortlich gemacht.

Er war erleichtert"

Rudolph leistete bei seiner Festnahme durch einen Ortspolizisten keine Gegenwehr. "Er war erleichtert", sagte Sheriff Keith Lovin, dass die fast fünfjährige Flucht vor den Behörden zu Ende war. Zunächst nannte er einen falschen Namen, doch gab sich bald danach zu erkennen. Identifiziert wurde der Gelegenheits-Tischler anhand von Fingerabdrücken.

Ashcroft sprach von einer "klaren Botschaft, dass wir niemals aufgeben bei der Jagd auf alle Terroristen, ob im Ausland oder im Inland". Nun könnten die "Amerikaner wieder ruhiger schlafen", weil sie wüssten, dass "ein weiterer mutmaßlicher Mörder nicht länger eine Bedrohung darstellt".

Mit zahlreichen Hundertschaften hatte die US-Polizei in den vergangenen Jahren in den Wäldern und auf den weiten Feldern der Südstaaten erfolglos nach Rudolph gesucht. Das FBI vermutete ihn schon länger in den Hügeln von North Carolina, wo sich auch viele Rechtsextreme versteckt halten. Rudolph wird der rassistisch-antisemitischen Sekte "Christliche Identität" zugerechnet. An den Tatorten soll er Botschaften mit dem Hinweis "Armee Gottes" hinterlassen haben. (APA/dpa/AP)

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