HP will starker PC-Macher bleiben

31. Mai 2003, 13:57
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Dell hat die neue Hewlett Packard beim PC-Verkauf überrundet. HP will jetzt durch Partnerschaft mit Microsoft unterstreichen, dass es weiterhin die Führungsrolle bei PCs beansprucht

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass Hewlett Packard die Fusion mit dem früheren Konkurrenten Compaq weltweit vollzogen hat. Aber in dem guten Ergebnis des letzten Quartals (von 252 Mio. Dollar im Vorjahr auf 659 Mio. Dollar Gewinn per Ende April) sind weiterhin Problemkinder versteckt: Der PC-Bereich, Defizitbringer bei Compaq, schnitt mit 21 Mio. Dollar Gewinn nur leicht positiv ab, und Dell, von HP-Compaq kurzfristig vom Stockerl als Erster der Verkaufshitparade (weltweit) verdrängt, hat sich wieder deutlich an die Spitze gesetzt. Während Dell bei PC-Verkäufen zulegte und Marktanteil gewann, verlor HP-Compaq sowohl an Verkäufen als auch an Marktanteilen.

PC nur mehr in der untergeordneten Rolle?

Werden die margenschwachen PCs in der neuen HP ähnlich wie bei IBM nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen? "PCs sind weiterhin wichtig", sagt HP-Österreich-Chef Wolfgang Gruber zum STANDARD. HP werde weiterhin quasi beide Seiten des Internets bedienen: Auf der einen Seite "intelligente Endgeräte", wie PCs oder Handhelds, auf der anderen Seite Infrastruktur, wie Server oder Speicher.

Konsolidierung vorrangig

Nach dem Merger sei es um die Konsolidierung in PC-Produktion gegangen; die vor der Fusion defizitäre PC-Gruppe (die anderen HP-Bereiche sind Druck und Imaging; Server, Storage und Software; sowie Dienstleistungen) sei wieder profitabel, "wir haben unsere Ziele erreicht", sagt Gruber. "Der Verlust an Marktanteilen war der Preis dafür." In Österreich liegt HP mit 18 Prozent Marktanteil im ersten Quartal 2003 (laut IDC) unangefochten vor einem anderen "Fusionskind", Fujitsu Siemens (9%).

Das Engagement im PC-Bereich sei ungebrochen, erklärt Gruber, und verweist auf eine Partnerschaft mit Microsoft bei der Entwicklung des "Business PC der nächsten Generation", den Bill Gates vor kurzem unter dem Projektnamen Athens vorstellte. Integrierte Telefonie, Kamera und Bildschirm, der zwei A4-Seiten nebeneinander darstellen könne sind äußere Merkmale des künftigen PCs. "Bei dieser Entwicklung ist eine größere Verschränkung von Hard- und Software als bisher nötig."

Nicht ohne Risken

Diese ist nicht ohne Risken: Denn während PC-Hersteller mit Ausnahme Dells damit kämpfen, noch Geld zu machen, wirft das Windows-Monopol weiterhin fette Gewinne ab. Ist es also eine Partnerschaft, in der vor allem HP als Hardwarehersteller das Risiko trägt? "Das stimmt für die Vergangenheit sicher", sagt Gruber, sieht aber jetzt eine Entwicklungsphase, da Microsoft mehr Know-how von Herstellern braucht, "weil das alles Konsequenzen bei der Technik hat, etwa beim Batteriemanagement. Ein Alleingang ist nicht mehr möglich."

Drucker sind der profitabelste Teil

Weiterhin sind Drucker der profitabelste Teil von HP; mit einem Marktanteil von über 50 Prozent "ist Wachstum hier nur mehr schwer möglich", sagt Gruber. Darum beginnt HP den Markt anders zu definieren: "Nur vier Prozent von dem, was die Menschheit druckt, kommt von mit PCs verbundenen Druckern", der überwältigende "Rest" hingegen von Druckmaschinen. Mit Indigo steigt HP in den Offsetdruck-Markt ein: Eine Offsetmaschine (ab 440.000 Euro), deren Platte jedoch für jeden Druck neu von einem Laser beschrieben werden kann. Das erlaubt billige Kleinauflagen - oder völlig individuelle Drucke (etwa für Kataloge und Werbung, die genau auf den individuellen Adressaten abgestimmt wird), zum Preis von Offsetdruck in größerer Auflage.(Helmut Spudich/Der Standard, Printausgabe vom 31.5/1.6.2003)

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