Nicht Fleisch, nicht Fisch?

30. Oktober 2003, 19:11
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Eine neue Broschüre von Greenpeace informiert über die aktuelle ökologische Situation bei den so genannten "Speisefischen"

Selbst Vegetarier aus Überzeugung werden bei Fisch hin und wieder schwach: Denn Speisefische sind nicht nur höchst schmackhaft, sie liefern auch besonders wertvolles Eiweiß. Und im Gegensatz zu anderen tierischen Fetten ist Fischöl sehr verträglich und gilt als gesundheitsfördernd.

Deshalb wird Fisch auch immer wieder Schwangeren anempfohlen - seit kurzem allerdings mit Einschränkungen. Nach Untersuchungen in den USA wird werdenden Müttern dort der Genuss von Seefisch nur noch eingeschränkt angeraten, da dieser zu einer Quecksilberbelastung des Ungeborenen führen kann. Mit Quecksilber verseuchter Fisch führte dereinst in Japan zu Massenerkrankungen mit schwersten Folgen für die Betroffenen.

Davor zu warnen, dass die Meere zur Giftmülldeponie verkommen, war stets ein Hauptanliegen von Greenpeace - ebenso weisen die Regenbogen-Kämpfer seit langem auf den marinen Raubbau durch Überfischung hin.

Aspekte zum Thema "Speisefisch"

Eine aktuelle Broschüre informiert nun knapp und dennoch inhaltsreich über die ökologischen Aspekte zum Thema "Speisefisch". Mit einer Fülle von interessanten Details: Wer ist sich schon bewusst, dass die so genannten "Schillerlocken", die in den

Supermärkten massenhaft und höchst günstig angeboten werden, aus Fleisch vom Dornhai bestehen, der - wie viele Haiarten - längst nicht mehr als "ungefährdet" gelten kann? So sanken laut Greenpeace die Bestände in der Nordsee seit den 60er-Jahren um 80 Prozent.

Auch Shrimps - ebenfalls längst keine Luxusdelikatesse mehr - sind als "Wildfänge" gefährdet, und bei der Shrimpsfischerei geht besonders viel "Beifang", darunter auch Seeschildkröten, zugrunde. Shrimpsfarmen - 40 Prozent der Ware stammen von dort - wiederum verursachen massive ökologische Probleme in Asien und Lateinamerika, etwa weil dafür Mangrovenwälder zerstört werden und die Gewässerbelastung durch sie enorm ist. 2002 etwa gab es einen Importstopp für Shrimps aus China, weil sie mit einem hochwirksamen Antibiotikum belastet waren.

Auch der einstige Luxusfisch - und heute wohlfeile - Lachs ist alles andere als unproblematisch: Wildlachse werden immer seltener, die Lachsfarmen belasten die Umwelt, und für die Fütterung der Tiere dort wird auf Teufel komm raus gefischt.

Kritischer Lagebericht

Die Greenpeace-Broschüre liefert Infos über Art und Hintergründe der Gefährdung bzw. über die durch Fang oder Zucht verursachten ökologischen Probleme. Und sie listet übersichtlich auf, bei welchen Fischarten die Lage "katastrophal" ist (z. B. bei einstigen "Allerweltsarten" wie Alaska-Seelachs, Seehecht, Scholle, Kabeljau oder Tunfisch), bei welchen sie "kritisch" ist (etwa bei Kalmaren, Miesmuscheln oder Sardinen) und bei welchen Arten die Situation akzeptabel ist. In diese Positiv-Kategorie fallen allerdings nur Karpfen, Makrele und Hering. Wobei selbstverständlich darauf hingewiesen wird, dass Biofischzucht der Vorzug zu geben ist: Die gibt's bei Karpfen, Regenbogen- und Bachforelle sowie beim Lachs. (Andrea Dee, DER STANDARD Printausgabe 31.5.2003)

Der Greenpeace- Einkaufsführer "Welcher Fisch darf auf den Tisch?" gibt's als Broschüre bei Greepeace Österreich (Tel.: 01/54 54 580-0, info@greenpeace.at) oder als Download.

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