Nippon-Autos erleben Renaissance in Europa

30. Mai 2003, 18:46
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Japanische Automarken gewinnen wieder Marktanteile - Mazda-Europa-Chef Dan Morris erzählt im STANDARD-Gespräch über den Weg in Richtung alter Glorie

Leverkusen - Der stetig schwächere Yen im Vergleich zum Euro, aber auch radikal umgekrempelte Modellpaletten haben japanische Automarken in Europa wieder auf die Überholspur gebracht. Mazda etwa, als eine der kleineren Nippon-Marken unter der Kontrolle des US-Giganten Ford, bewegt sich in Westeuropa wieder in Marktanteilsbereiche, die vor zehn, fünfzehn Jahren erreicht wurden, als die Söhne Nippons der trägen europäischen Industrie mit pfiffigen, gut ausgestatteten Modellen und innovativen Produktionssystemen das Fürchten gelehrt hatten.

"In einem darniederliegenden Markt wollen wir heuer um elf Prozent bei den Verkäufen zulegen", so Dan Morris, seit kurzem Mazda-Motor-Europe-Boss im STANDARD-Gespräch im Hauptquartier in Leverkusen, "bis zur Mitte der Dekade sollen es wieder 300.000 sein, so wie 1992."

2001 waren es gerade noch 164.000, der gesamte Konzern hatte kurz zuvor den größten Verlust seiner Firmengeschichte zu verdauen, und auch die Imagewerte waren am Boden. Den notwendigen radikalen Kurswechsel erledigten vor allem ehemalige Ford-Leute - allesamt Amerikaner oder Briten, wie Morris oder sein Vorgänger Stephen Odell, der nun in Hiroshima einen Vorstandsjob bei der Mutter annahm.

"Produkt, Produkt, Produkt"

Gefragt, ob ein günstigerer Yen-Kurs oder die neuen Produkte das Drehmoment erhöhten, sagt Morris: "Wenn man im Marketinglehrbuch nachschaut, liest man stets: Preis, Produkt, Promotion und so weiter als Erfolgsfaktoren. Bei uns war es Produkt, Produkt, Produkt."

Der Mazda 6, das Mittelklassemodell des Konzerns, ist dabei ausschlaggebend: "Er hat die Verkaufsvorgaben weit überschritten, ich muss mich weiter in Japan um eine Zuteilung von mehr Produktion bemühen", so Morris. Vor dem Sommer bringt der Konzern noch das Prestigeprojekt RX8 auf die Straße. Dieser viersitzige Sportler mit dem Kuriosum Kreiskolbenmotor als Antrieb wird als Umsatz- und Profitbringer weniger eine Rolle spielen als vielmehr das Image heben. Im Herbst wird sich Mazda mit dem 3er im meistumkämpften Segment zurückmelden: der Golf-Klasse.

Aufholbedarf in Österreich

Auch in Österreich war Mazda vor zwei Jahrzehnten das meistgekaufte Produkt auf vier Rädern aus Fernost mit Spitzenmarktanteilen von fast elf Prozent (das haben heute nicht einmal Marken wie Opel oder Ford, nur VW erreicht deutlich mehr). 1992 waren es für Mazda noch 8,8 Prozent, derzeit kommt man auf 4,77, immerhin mehr als Toyota. Der Umsatz steigerte sich dabei im Vergleich zum Vorjahr um 98 Prozent.

Auch die anderen Japan-Marken legen in Europa wieder kräftig zu: Nippons Gigant Toyota etwa prognostiziert, das 800.000er-Ziel nicht wie geplant 2005, sondern schon ein Jahr vorher zu erreichen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 31.5.2003)

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Mazda

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    Europa-Chef Dan Morris, wie die meisten Topmanager bei Mazda ein ehemaliger Ford-Mann.

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