Der kleinste Fisch zappelt im Netz

12. Oktober 2011, 18:35
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Auf "nicht schuldig" plädierte der ehemalige Protokollchef von Jörg Haider, Franz Koloini, in seinem Prozess wegen Geldwäsche - genau wie seine drei Mitangeklagten

Wien - Franz Koloini ist das Leichtgewicht unter den Angeklagten. Das misst sich nicht nur am tatsächlichen Körpergewicht, sondern auch am finanziellen Einkommen. Links neben ihm auf der Anklagebank nahmen die beiden gewichtigeren russischen Investoren Alexey B. und Artem B. und ein Wiener Rechtsanwalt Platz.

Das Einkommen der Angeklagten: je etwa zehn Millionen Euro pro Jahr für die Russen mit einem zusätzlichen Vermögen von etwa je 25 bis 30 Millionen. 10.000 Euro pro Monat für den Anwalt und knapp 1020 Euro Arbeitslosengeld für Koloini - der im Übrigen noch auf einen Schuldenberg von 18.000 Euro verwies.

Daraus schlussfolgernd bezeichnete Koloinis Anwalt Gerhard Lesjak seinen Mandanten auch als "kleinsten Fisch, der nichts gemacht hat, als Dienstanweisungen vom Landeshauptmann Haider zu befolgen". Die Anklage sei "reinste Fiktion".

Koloini, mit deutlichen Augenringen trotz intensiver Solariumbräune, biss während des ersten Prozesstages auf der Unterlippe herum. Dem 33-jährigen Villacher wird Geldwäsche vorgeworfen, es drohen fünf Jahre Haft. Er soll Anfang 2007 ein Bankkonto aufgelöst und das Geld verschoben haben, das - so die Staatsanwaltschaft - die beiden russischen Geschäftsmänner dafür bezahlt hatten, dass Haider zu ihren Gunsten intervenierte und dafür sorgte, dass sie entgeltlich die Staatsbürgerschaft verliehen bekamen. Alle vier plädierten auf "nicht schuldig".

Koloini versicherte: "Verschleiern wollte ich überhaupt nichts." Er habe 30.000 Euro der Überweisung Haider in bar übergeben und den Rest auf zwei Sparbücher eingezahlt. Was mit dem Geld passiert sei, wisse er "leider nicht". Er habe "wirklich nicht daran gedacht", dass die Summe aus unrechtmäßigen Handlungen resultieren könnte: "Dass es legal ist, davon bin ich schon ausgegangen und gehe ich heute noch aus. Ich bin mir keiner Straftat bewusst."

Alexey B., mit dem die Beschuldigteneinvernahmen begonnen wurden, sagte: "Ende 2004 habe ich erfahren, dass jeder, der hier Geschäfte macht, das Recht hat, die österreichische Staatsbürgerschaft zu beantragen." Versprochen habe sie ihm aber niemand.

Gemeinsam mit seinem Partner habe er für "soziale Projekte" je eine Million Euro zur Verfügung gestellt. Dass das Geld den Rennfahrer Patrick Friesacher sponsern sollte, war ihm unbekannt.

Artem B. bestätigte das. Es sei egal gewesen, wofür das Geld ausgegeben werde. Niemand habe die Staatsbürgerschaft versprochen oder diese an Bedingungen geknüpft. Es habe sie auch nicht besonders interessiert, ob und wann diesselbe verliehen werden könnte: "Auf unserer Prioritätenliste steht das ziemlich weit unten."

"Ich habe im besten Wissen und Gewissen gehandelt", sagte der angeklagte Anwalt. Alexey B. und Artem B. hätten "die Staatsbürgerschaft völlig zu Recht bekommen".

Ein Urteil soll es erst am Freitag geben. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2011)

  • Während seine Mitangeklagten ein Millionenvermögen haben, ist Koloini 
derzeit arbeitslos.
    foto: standard/cremer

    Während seine Mitangeklagten ein Millionenvermögen haben, ist Koloini derzeit arbeitslos.

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