Währungspolitik

Peking und Moskau demonstrieren Schulterschluss

Johnny Erling aus Peking , 12. Oktober 2011, 18:15

Gemeinsames Feindbild USA - In Sachen Energie und Rüstung sieht man sich aber als Konkurrenten

Die Worte Wladimir Putins waren Balsam für Chinas Seele. Er attackierte die Währungspolitik der USA, die wie "Parasiten" von ihrem Dollar-Monopol leben. Das kam Pekings Regierung gerade recht, die sich am Mittwoch wütend gegen einen US-Gesetzentwurf zur Wehr setzte. Der stellte sie als Schmarotzerin hin, die für Handelsvorteile künstlich die eigene Währung verbillige.

Putins Rückendeckung bot Gelegenheit zum Schulterschluss. In Fanfarentönen hatte die Volkszeitung Putin begrüßt: "Die chinesisch-russischen Beziehungen sind in der besten Phase ihrer Geschichte."

Doch neben technischen Vereinbarungen, Handel und Investitionen bis 2015 von 70 auf 100 Milliarden Dollar erhöhen zu wollen, gelang erneut nicht der erwartete Durchbruch im wichtigsten Geschäft: Seit fünf Jahren verhandelt man über gigantische Erdgas-Lieferungen nach China: ein auf 30 Lieferjahre geplanter Deal im Wert einer Billion US-Dollar.

Zwar schwärmte auch Putin von der "noch nie dagewesenen Tiefe unserer Kooperation." Doch er nahm davon "gelegentlich auftretende Probleme" und das Gasgeschäft aus.

Im Prinzip sind sich Moskau und Peking einig, China ab Ende 2015 über zwei Pipelines 30 Jahre lang mit jährlich 68 Mrd. Kubikmeter Erdgas zu beliefern. China aber will weniger zahlen.

Putin kam Peking aber in einer anderen Streitfrage entgegen: China hatte Russland 2009 für den Bau von Pipelines Kredite von 25 Mrd. US-Dollar bewilligt. Russland will 20 Jahre lang 300 Mio. Tonnen Öl liefern. Als das Öl jetzt sprudelte, gab es Ärger: Chinas Konzern CNPC reduzierte seine Zahlungen, die aktuellen Rückstände betragen 40,5 Mrd. Dollar. Die russischen Unternehmen wollten klagen, doch der drohende Gesichtsverlust ließ beide Seiten beim Putin-Besuch einen Kompromiss finden.

Solcher Streit spiegelt laut einer Studie des Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) ein brüchiges Verhältnis wider. Autorin Linda Jakobson: "Die wirkliche Kooperation zwischen China und Russland verläuft nicht so reibungsfrei, wie es die Führer beider Seiten in ihren Reden äußern." Beide arbeiteten nur zusammen, wenn sich ihre Interessen decken, etwa in der UN gegenüber Drittstaaten. In Fragen der Energieversorgung oder Waffentechnik sehen sie sich aber eindeutig als Konkurrenten. Wirtschaft Seite 29

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17 Postings
Girgl Galgenstein
00
14.10.2011, 10:05
Auch wenn es weder China, noch Russland wahrhaben wollen

beide Länder hängen am Export. In Russland gibt es kaum produktive Unternehmen. Das Land lebt von seinen Rohstoffexporten in westliche Länder. Dort wird erarbeitet, was Russland konsumiert. In China ist es ähnlich. Der Umstand, dass im Westen die Ware nachgefragt wird, beschert dem Land Wohlstand. Die heimische Nachfrage spielt eine untergeordnete Rolle.

Viele hier im Forum glauben, dass das Heil im Osten liege. Aber hier ist der Wunsch, nicht die Realität der Vater des Gedankens.

hart_aber_fair
11
14.10.2011, 11:58

im westen ist es nicht besser... ist also kein russischen oder chinesisches sondern ein kapitalistisches phänomen. der eigene markt wird ausgequetscht, mit sklavenlöhnen, steuererleichterungen für konzerne und obere einkommen, subventionierungen bis zum geht-nicht-mehr. was zu massenarbeitslosigkeit und entstehung einer luft-produzierenden dienstleistungsbranche führt (auch finanzsektor genannt) welche die wirtschaft noch weiter destabilisiert. und danach werden halt neue märkte gesucht, sprich es wird auf export gesetzt. VW verkauft in china mehr autos als auf dem heimischen markt und setzt in zukunft auf die "schwellenländer". sie sehen, es ist kein chinesisches oder russisches phänomen. ihre predigt hätten sie sich also sparen können.

diamant
00
14.10.2011, 08:16
Eine 'sozialistische' Manchester-Diktatur und Putins 'gelenkte' Demkratur koennen

langfristig gar keine Partner werden, weil deren Politik nur von den Launen einiger weniger Maenner abhaengt.

Das System traegt nicht, da muessen wir uns wohl nur geringe Sorgen machen.

Ganz im Gegenteil, wenn Russland auch nach China Gas exportiert kann man Fragen stellen wieso dort dieser Rohstoff billiger ist....

Dormouse
00
13.10.2011, 10:12

wie schon mal gesagt - den "schulterschluss" gab es schon längst (natürlich decken sich die interessen nicht immer und es kann teilweise auch als zweckgemeinschaft bezeichnet werden), und die weichen in asien wurden bereits gestellt - das betrifft nicht nur china und russland...europa tät gut daran, sich nicht noch die letzten sympathien zu verscherzen.

der schwitzbär der schwitzt sehr
35
12.10.2011, 23:51
die Hoffnung lebt

daß ein neues Gleichgewicht entsteht, daß uns davor bewahrt, versklavt zu leben wie die Amerikaner

Dagmar Rehak Wien
 
00
14.10.2011, 10:56

Brauchen wir gar nicht.
Einfach nur nicht auf alles reinfallen. Wenn man die Tricks kennt, ist man kwasi eh schon immun.

Jürgen Rembremerding
11
14.10.2011, 02:17
Süß!

Fritz Wunderlich
51
12.10.2011, 18:59

witzig, wenn man bedenkt, dass beider währung sich auf den dollar referenziert

wenn die usa china die meistbegünstigung streichen, wird es brutal

h 90
01
13.10.2011, 05:03

aber auch brutal fuer die USA, weil sie so viel importieren.
z.b apple produziert ja alles in China viele andere auch.

Fritz Wunderlich
30
13.10.2011, 11:47

quatsch, die produktionen wandern woanders hin und china hat ein riesenproblem

Noitulover
11
13.10.2011, 12:51
Das halte ich für weniger wahrscheinlich, als wenn Yuan morgen den Dollar als Leitwährung ablöst.

Wo soll den dieses "Woanders" liegen, dass es ähnliche Produktionskapazitäten bietet wie China, bei selben Preis?

Und welcher Konzern würde es wagen sämtliche Milliarden Investitionen, die bereits nach China geflossen sind, zu vergessen und woanders von vorne anzufangen?

Verlegung der Produktion woanders hin wäre ein Todesurteil für jeden Konzern, vor allem heutzutage, wo jedes Unternehmen um seine Existenz fürchten muss und jedes Fehlprojekt das Ende bedeuten kann.

Fritz Wunderlich
40
13.10.2011, 13:03

?? todesurteil??
sie machen scherze, die firmen vergeben oft lizenzen zur produktion, deren produkte sie unter ihren namen verkaufen
abgesehen von diesem basiswissen sind us-multis allen anderen bis auf die japanischen im wissen um mobilität um jahrzehnte voraus
um deren investitionen und verluste müssen sie sich nicht sorgen

nehmen sie nur einmal nokia, dass von finnland nach deutschland und schließlich nach rumänien seine fertigung innerhalb von sechs jahren verschoben hat
und nun schließt rumänien, wegen verlusten

sie machen sich illusionen

Noitulover
00
13.10.2011, 18:46
Ich fürchte es ist umgekehrt.

Nennen Sie mir 1 Land das in der Lage wäre sofort die Produktion von China aufzunehmen, unter halbwegs ähnlichem Preis.

Also mir fällt keins ein.

Fritz Wunderlich
20
14.10.2011, 13:00
Noitulover
00
14.10.2011, 16:13

Das mit USA ist in der Tat interessant, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.

Aber andere Billiglohnländer sind ja auch zum Großteil ausgelastet, das darf man nicht vergessen. Da können auch nicht aus dem nichts von heute auf morgen Fabriken entstehen. Schon gar nicht in der Anzahl die benötigt wäre, um eben China ganz zu ersetzen.

Fritz Wunderlich
00
14.10.2011, 19:49

das ist ein missverständnis
keineswegs wird die produktion von ganz china ersetzt
es reicht, wenn die produktion für den us-markt abgezogen wird

h 90
00
13.10.2011, 12:34

langfristig schon, aber kurzfristig?
Ausserdem ist China noch immer einer der groessten Maerkte dort.

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