Kasachstan gegen Österreich

12. Oktober 2011, 18:12
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Retrovertierte Vertikalität, unzulängliche Freund­schafts­anfragen und ein relativ Verlorener als Sinnbild

Das auf die drei häufigsten Zuspiele reduzierte Netzwerk des österreichischen Teams gegen Kasachstan dokumentiert eine strukturelle Labilität. Weder zeitlich noch räumlich konnte ein Gefüge etabliert werden, aus dem sich eine zwingende Dominanz entwickelt hätte. Vage Dreiecke, eine aufgrund des gegnerischen Pressings retrovertierte Vertikalität, kaum erkennbare Beziehungsschwerpunkte - die Differenz zur relationalen Robustheit gegen Aserbaidschan hätte kaum größer sein können.

Im sichtbaren Dreieck zwischen den Innenverteidigern Prödl und Dragovic sowie Goalie Grünwald bildet sich bereits das konsequente frühe Stören der kasachischen Offensive ab. Die Spieleröffnung verlagerte sich auf die Flügel. Das hatte zur Folge, dass im Zentrum kaum robuste Beziehungen entstehen konnten. Ein konsequentes Flankenspiel als Alternative ergab sich daraus allerdings auch nicht. Dag orientierte sich tendenziell direkter nach vorne, wie die starke Achse zu Janko zeigt, während Fuchs als Impulsgeber für die Flügelspieler fungierte. Ivanschitz, Alaba und Arnautovic erwiesen sich aufgrund ungenauer Zuspiele bzw. mangelnden Dreiecksverhaltens häufig als Endstationen.

Kaum Spielaufbau fand über das zentrale Mittelfeld statt. Kulovits konnte Baumgartlinger diesbezüglich nicht ersetzen und wirkt isoliert. Scharners wichtigste Passpartner finden sich eher hinter als vor ihm (Dragovic, Dag). Der für Kulovits eingewechselte Kavlak landete mit seinen vertikalen Freundschaftsanfragen eher in den gegnerischen Reihen.

Der gegen Aserbaidschan so effiziente Janko konnte seine Wirkung nicht entfalten, weil er von der kasachischen Defensive konsequent abgeschirmt wurde und es seinen Partnern nicht gelang, ihn freizulaufen. Er wurde gesucht, aber kaum gefunden und steht in seiner relativen Verlorenheit sinnbildlich für das mangelnde Vermögen, das Spiel zu kontrollieren und zu gestalten. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD Printausgabe, 13. Oktober 2011)


SCHLÜSSELSPIELER*

1. Fuchs 125 (73/52)

2. Alaba 121 (52/69)

3. Scharner 119 (56/63)

4. Arnautovic 115 (43/72)

5. Dragovic 110 (66/44)

6. Dag 106 (63/43)

7. Ivanschitz 88 (38/50)

8. Prödl 86 (53/33)

9. Kulovits 85 (45/40)

10. Janko 81 (21/60)

11. Grünwald 45 (33/12)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Junuzovic 91,67 (11 von 12)

2. Arnautovic 90,70 (39 von 43)

3. Dragovic 89,33 (59 von 66)

4. Kulovits 88,89 (40 von 45)

5. Prödl 88,68 (47 von 53)

6. Kavlak 83,33 (15 von 18)

7. Alaba 82,69 (43 von 52)

8. Scharner 82,14 (46 von 56)

9. Grünwald 81,82 (27 von 33)

10. Fuchs 78,08 (57 von 73)

11. Ivanschitz 73,68 (28 von 38)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

1. Dragovic 12,37

2. Fuchs 11,95

3. Prödl 9,85

4. Scharner 9,64

4. Dag 9,64

6. Alaba 9,01

7. Kulovits 8,39

8. Arnautovic 8,18

9. Ivanschitz 5,87

10. Grünwald 5,66

11. Kavlak 3,14

12. Janko 2,73

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Fuchs-Arnautovic 18

2. Fuchs-Ivanschitz 17

3. Arnautovic-Alaba 14

3. Dag-Janko 14

5. Dragovic-Fuchs 12

6. Dag-Prödl 10

6. Dag-Scharner 10

6. Ivanschitz-Arnautovic 10

6. Alaba-Fuchs 10

10. Grünwald-Dragovic 9

10. Fuchs-Alaba 9

10. Prödl-Scharner 9

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Arnautovic 72

2. Alaba 69

3. Scharner 63

4. Janko 60

5. Fuchs 52

6. Ivanschitz 50

7. Dragovic 44

8. Dag 43

9. Kulovits 40

10. Prödl 33

11. Junuzovic 17

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Fuchs 73

2. Dragovic 66

3. Dag 63

4. Scharner 56

5. Prödl 53

6. Alaba 52

7. Kulovits 45

8. Arnautovic 43

9. Ivanschitz 38

10. Grünwald 33

11. Janko 21

12. Kavlak 18


Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard Österreichs EM-Quali-Spiele.

Team

Ruth Pfosser, Helmut Neundliger, Wolfgang Streibl und Harald Katzmair.

 

  • Artikelbild
    foto: standard
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