Brüssel will gegen Lähmung kämpfen

Thomas Mayer aus Brüssel , 12. Oktober 2011, 17:35
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    foto: ap/dapd/darko vojinovic

    Eine Belgraderin näht eine EU-Flagge. Die Kommission empfiehlt den Kandidatenstatus.

EU-Kommission kündigt an, den Druck auf beitrittswillige Ländern erhöhen zu wollen

Die EU-Kommission ist mit dem Zustand von Justiz und Rechtsstaatlichkeit in den beitrittswilligen Ländern unzufrieden. Sie will nun den Druck auf diese erhöhen, um eine Besserung zu erwirken und die Meinungsfreiheit zu gewährleisten.

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Das vergangene Jahr habe bewiesen, dass die Erweiterung der Europäischen Union als Prozess sehr wohl ein Erfolg sei. Vonseiten der Kandidatenländer wurden "viele Zusagen eingehalten", beschrieb der zuständige Kommissar Stefan Füle am Mittwoch bei der Vorstellung des jährlichen Zwischenberichts in Brüssel die Gesamtlage. Am meisten gilt das natürlich für Kroatien, das "heute ein ganz anderes Land ist als vor 15 Jahren", so der Kommissar.

Kroatien hat die Beitrittsverhandlungen 2011 abgeschlossen und wird 2013 das 28. Mitgliedsland der Union werden.

Damit hatten sich die Erfolgsmeldungen Füles aber eigentlich schon erschöpft - abgesehen nur von Montenegro und Island, das nach dem Start der Verhandlungen vier Themenkapitel konkret verhandelt, davon zwei bereits abgeschlossen hat. Für Montenegro will die EU-Kommission dem Ministerrat die Aufnahme solcher Beitrittsverhandlungen noch in diesem Jahr empfehlen.

Bei den übrigen beitrittswilligen Staaten hingegen sieht es düster aus. Bezüglich der Türkei räumte Füle "seit einem Jahr Stillstand" ein (siehe Bericht unten). An Serbien appellierte er eindringlich, die Gespräche mit dem Kosovo wiederaufzunehmen, als Mindestvoraussetzung für die Gewährung des Kandidatenstatus (siehe Bericht rechts). Wie bei Serbien sorgt sich der Erweiterungskommissar besonders auch bei Albanien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo um zwei Kernbereiche: den miserablen Zustand von Justiz und Rechtsstaatlichkeit, den Mangel der Bekämpfung von organisierter Kriminalität einerseits; andererseits um fehlende Fortschritte bei der Sicherstellung der Meinungs- und Pressefreiheit.

Füle kündigte diesbezüglich eine Strategieänderung der Kommission an: "Wir wählen eine neue Vorgangsweise, wir empfehlen, künftige Verhandlungen mit den Kapiteln 23 und 24 zu eröffnen, also Grundrechten, Justizwesen und Rechtsstaatlichkeit". Bisher seien diese Themen immer erst am Ende konkreter Verhandlungen gestanden. Jetzt setze man auf einen Ansatz, dass es zwischen der Kommission und dem Kandidatenland "eine ständige Wechselwirkung" gebe. Einfach gesagt: Brüssel will in Sachen Rechtstaatlichkeit deutlich den Druck auf die künftigen Partner erhöhen.

Die zweite geänderte Priorität für die Beitrittsgespräche ist, in den Kandidatenländern stärker die Meinungsfreiheit und die Unabhängigkeit und Freiheit der Medien einzufordern. "Einen demokratischen Wandel im Sinne der Grundlagen der Union kann es ohne freie Meinungsäußerung nicht geben", erklärte Füle dazu. Man erwarte neue Rechtsakte für Medien, mehr Schutz für Journalisten. Eine günstige Nachricht hatte er für den Kosovo, mit dem er gegen Ende des Jahres einen Visa-Dialog eröffnen will. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2011)

 

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