Liebling, ich habe die Fußrasten geschrumpft

14. Oktober 2011, 19:45
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Suzuki bringt eine Nachfolgerin des Erfolgsmodells V-Strom 650. Drehfreudiger, nobler und kurvengierig. Eine Hatz über die Pässe um den Gardasee

Es gehört schon eine höhere Rache dazu, wenn man auf den zahlreichen Pässen rund um den Lago di Garda genau die eine Spaghetteria findet, die von einem Niederländer betrieben wird. Nur wenn man dann auch so patschert ist, dort den Besitzer zu fragen, welche Pasta er empfiehlt, dann ist das persönliches Ungeschick. Was mit einer Schimpftirade auf die Pastakochkünste der Italiener beginnt, endet mit jeder Menge Käse, der über die Nudeln wacht wie die Bergspitzen über den Gardasee. Die Nudeln selbst sind weich wie das Fahrwerk jenes Motorrades, mit dem wir angereist sind.

Nur, bei der neuen Suzuki V-Strom 650 ist das Weiche angenehm. Das Fahrwerk bügelt Bahnübergänge glatt, schluckt Schlaglöcher und ist dabei trotzdem straff genug, um permanent Feedback über den Untergrund zu bekommen.

Es hört sich nicht nur an wie ein Kunststück, es ist eines, grobe Schläge so wegzufiltern, dass sie nicht bis an die Bandscheiben kommen, aber den Fahrer trotzdem jedes Steinchen spüren zu lassen. Die neue V-Strom schafft das mit Bravour und ist dabei auch noch flexibel genug, um mit verschiedenen Beladungszuständen zurechtzukommen.

Von allein bis zu zweit, von der Hüfttasche bis hin zum vollen Koffermagazin ist die richtige Einstellung nur eine Sache von ein paar Drehern am Dämpfer.

Um 9399 Euro wird die neue kleine V-Strom demnächst beim Händler stehen. Das ist bemerkenswert, denn um diesen Preis bekommt man hier wirklich viel Motorrad, das ideal für Tourenfahrer ist. Der V2-Motor mit 69 PS ist eine Neuentwicklung und stemmt nun mehr Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen.

Trotzdem konnte Suzuki den Verbrauch um rund zehn Prozent senken - wie auch das Motorgeräusch bei Standgas. Sonst klingt die kleine Strom herrlich kernig, ohne je unangenehm laut oder nervig zu werden.

Die Kombination aus dem feinfühligen Fahrwerk und dem agilen Motor fordert aber auch ihren Tribut. In den zahlreichen Kurven, welche die versprengten Orte auf den Bergen rund um den Gardasee miteinander verbinden, müssen wir einiges an Metall lassen. Immer wieder kratzen die Rasten in den Kurven - obwohl die Schräglagenfreiheit der Enduro ohnedies schon enorm ist. Aber wenn man sich auf einem Motorrad gleich sicher und vertraut fühlt, das Motorrad wie auf Schienen durch die menschenleeren Passstraßen zieht, muss auch die Suzuki Federn lassen.

Dabei wäre eine Gewichtsoptimierung bei einem fahrfertigen Gewicht von 214 Kilogramm gar nicht mehr notwendig. Klar, das markiert nicht den Bestwert in der Klasse, aber immerhin das Mittelfeld.

Gefühlte zwei oder drei Kilogramm mehr bringen nach dem Pasta-Mahl auch wir auf die Waage. Die üppige Käsesauce werden wir noch ein paar Tage auf den Hüften mit uns herumschleppen. Aber Hunger, sagte die Oma immer, sei der beste Koch. Nein, wissen wir jetzt, er ist lediglich ein Dickmacher.

Doch wir freuen uns jetzt, den 4136 Meter hohen Bagolino bezwingend, über die aufrechte Sitzposition. Denn mit offenem Hosenknopf zu fahren ist nicht sexy.

Motorradfahrer mit Warnwesten sind schon ein unmögliches Bild - "Schülerlotsen" auf Motorrädern, nannte sie Suzuki-Verkaufsleiter Peter Nesuta.

Sonst wäre die offene Hose nicht weiter störend gewesen. Sie wissen schon, ich meine damit, dass es um das Hüftgold ungebührend ziehen würde. Denn Suzuki hat auch den Windschild und die Verkleidung verändert und verbessert. Er bietet nun besseren Schutz, und die Windgeräusche wurden bei dem Aufwaschen auch gleich reduziert.

Überarbeitet wurde auch das Cockpit. Mit der Gang-, der Außentemperaturanzeige sowie der Frostwarnlampe setzt Suzuki einen ordentlichen Schritt von der Mittelklasse nach oben. Doch dass wir uns heute verkühlen, wenn wir einen Käse zusammenfahren, kann kaum passieren. Denn das ABS bügelt unsere Nudlerei notfalls wieder aus. (Guido Gluschitsch/DER STANDARD/rondoMobil/Oktober 2011)

  • Um 9399 Euro wird die neue kleine V-Strom demnächst beim Händler stehen.
    foto: werk

    Um 9399 Euro wird die neue kleine V-Strom demnächst beim Händler stehen.

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