Video-Interview

"Einen Run auf die Banken wird es nicht geben"

12. Oktober 2011, 16:49

Herbert Stepic, Chef von Raiffeisen Bank International, erklärt, warum die Banken nicht in der Krise sind, die Politik aber schon

Herbert Stepic schläft gut, weil Osteuropa nach wie vor das Wachstumsgebiet für Europa sei und es der Raiffeisen Bank International den Umständen entsprechend gut gehe. Der Vorstandsvorsitzende meint im Gespräch mit Hans Rauscher, dass Osteuropa nicht per se schlecht sei, nur Ungarn bilde eine Ausnahme. In allen anderen Ländern gehe es gut bis sehr gut. Seine Bank hätte außerdem nicht die Probleme wie die Erste Bank. Selbst in Ungarn seien die Probleme überschaubar: „Wir rechnen, dass aus der letzten Maßnahme, der Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten, 100 Millionen Schaden entstanden sind.“

Auf die Frage, ob man in Ungarn überhaupt noch Geschäfte machen kann, räumt Stepic ein, dass die österreichischen Banken hier schon getroffen werden. Die Regierung von Premier Viktor Orban hat für Stepic mit der Zwangskonvertierung einen entscheidenden Fehler gemacht. Dadurch würde das Zinsniveau im Land steigen und das Wirtschaftswachstum entschleunigt werden. Der Schaden dieser Maßnahme würde viel größer sein als die Einnahmen, die man sich von der geringen Anzahl der ganz Reichen verspricht. Die Konsequenz: „Jeder Neuinvestor wird sich sehr überlegen, ob er in dieses Land geht.“

Fremdwährungskredite als politische Frage

Ob Fremdwährungskredite in einem Land gestatten werden, hänge ganz von einem Regulator ab. Die Mehrzahl davon ist für die Finanzierung von Häusern, Grundstücken und Wohnungen verwendet worden. Der Grund, warum diese Kredite in Ungarn nicht verboten wurden: Weil man das Tempo des Transformationsprozesses vom alten kommunistischen System an das westliche freie System nicht entschleunigen wollte. „Das war eine ganz essentielle Entscheidung der Politik.“ In Polen und Rumänien hätte man die Fremdwährungskredite beispielsweise konditioniert und die Höhe des Kredites an die Leistungsfähigkeit der Rückzahlung der Bürger gebunden. „Fremdwährungskredite sind nichts Schlechtes, aber die Konditionen, die mit der Vergabe verbunden sind, machen den wesentlichen Unterschied aus.“ Ob Raiffeisen in Ungarn zu viel derartiger Kredite vergeben hat, beantwortet Stepic mit der Gegenfrage: „Was ist zu viel?“

Die lange Nicht-Problembewältigung als Problem

"Ich würde meinen, dass das eine Worst-worst-Case-Interpretation ist", kommentiert der Raiffeisen-Boss die Aussagen von EZB-Präsident Trichet  und einem möglichen Totalkollaps des Finanz- und Bankensystems. Es sei unwidersprochen, dass man es mit einer Krise einzelner Eurostaaten zu tun habe. Auch hier müsse man jedoch wie bei Osteuropa differenzieren. Die eigentliche Krux dabei sei die Dauer der Problemlösung. "Und Zeit ist etwas, was das internationale Finanzsystem überhaupt nicht kennt. Dieses entscheidet sofort, ist global und unheimlich rasch." Raiffeisen Bank International hätte den Vorteil, dass man mit der Konzentration auf Osteuropa besser dastehe, weil es hier deutlich besser laufe als im EU-Europa – mit Ausnahme von Ungarn.

Ein Vergleich mit den 1930-er Jahren gefällt Stepic gar nicht. „Darüber bin ich extrem unglücklich, weil dieser Vergleich die Bevölkerung, die naturgemäß mit volkswirtschaftlichen Belangen nichts am Hut hat und sie auch großteils nicht versteht, verunsichert.“ Die Situation von heute sei mit der damaligen nicht vergleichbar.

Kein Run auf die Banken

"Einen Run auf die Banken wird es keinesfalls geben, weil es kein Land in Europa gibt, das nicht die Spargelder garantiert“, beruhigt Stepic. Ein Lösungsmodell für die Krise müsste mehrere Facetten haben. Über einen Haircut, einen Schulden-Nachlass, werde man nicht hinwegkommen. Dieser müsste für Griechenland deshalb bei 60 oder 70 Prozent liegen, weil die Verschuldung in Relation zu anderen Ländern und zum Bruttonationalprodukt eindeutig zu hoch sei. Um Griechenland zu sanieren, ohne es zu Tode zu sparen, sei die Privatisierung von Staatsvermögen "ganz wesentlich". Hier seien mittelfristige Maßnahmen zu setzen, wofür sich der Garantiefonds der EU anbieten würde. Weiters brauche es strukturelle Verbesserung in der Sozialpolitik.

Ein wesentlicher Punkt seien auch langfristige Maßnahmen, die quasi in die Autorität der Regierung und in die Entscheidungsfähigkeit des Landes eingreifen. "Man wird sonst zu leicht Nachahmer finden." Dies sei keine Entmündigung, sondern wenn man eine gemeinsame Währung nutzen möchte, wird man sich zu Maßnahmen verbriefen müssen und wenn man diese nicht einhält, auch die Konsequenzen tragen.

Die Schuldfrage

Stepic weist von sich, dass an der aktuellen Krise die Banken schuld seien. Nicolas Sarkozy habe den französischen Banken bis vor zwei Monaten geraten, griechische Anleihen zu kaufen, auch das österreichische Finanzministerium habe dazu geraten, sich nicht aus Griechenland zurückzuziehen. Dies seien politische Maßnahmen, die stark in das volkswirtschaftliche System eingreifen. Stepic: "Daher handelt es sich auch nicht um eine Bankenkrise, sondern es ist eine politische Krise. Es ist eine Krise von Ländern. Die Banken, die letztlich das Blut dazwischen sind, der Geldverkehr, das ist der, der am meisten beeinträchtigt sind." Daher müssten die Banken auch wieder rekapitalisiert werden, wenn sie ein hohes Maß an Forderungsverzicht leisten sollten oder müssten, weil sie ansonsten ihrer Funktion, den Blutkörper-Kreislauf aufrecht zu erhalten, nicht mehr nachkommen könnten.

"Wir brauchen das nicht", sagt Stepic zu einer eventuellen Staatshilfe durch Österreich. "Wir sind ausreichend kapitalisiert und sehen deshalb keine Veranlassung zur Finanzministerin zu gehen." (rasch, derStandard.at, 12.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 225
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videoopa
00
23.12.2011, 10:47
jetzt ist Weihnachten mit 500 Milliarden Druckgeld?

http://www.youtube.com/videoatta... D6vgb1x84U

Mostbluzza
00
18.11.2011, 11:00
kinder wie die zeit vergeht

ein gutes monat und 2,5 mrd brauchens schon mal.

wie lange warten wir noch ... bis weihnachten?

aber die europäische aufsicht hat sicher nicht soviel ahnung wie die gummistiefler.

Nirvanacharly
 
00
30.10.2011, 06:28
das neue zauberwort: "rekapitalisieren",

das heisst das selbe wie "gewinne privatisieren und verluste sozialisieren."

Nirvanacharly
 
00
30.10.2011, 06:21
am ende des tages wird man von

einer beschwichtigungsrede sprechen.

Nirvanacharly
 
00
30.10.2011, 06:18
werden gewinne gemacht

spricht man von der betriebswirtschaft, bei verlusten von volkswirtschaft

Nirvanacharly
 
00
30.10.2011, 06:15
der herr treichl

hat vor ein paar wochen auch noch an einen gewinn geglaubt, glauben heißt nichts zu wissen. der kapitalismus per se ist eine glaubensgemeinschaft mit einigen fetten, nicht zu übersehen, päpsten und bischöfen.

Harald Herrmann
00
21.10.2011, 20:59
Stepic erkärt Rauscher die Wirtschaft...

das ist zwar erfrischend, weil Stepic nicht nur weiss, wovon er spricht, sondern dies auch durchaus telegen zu präsentieren weiss - Rauscher hingegen, na okay - vielleicht könnte sich der Standard überlegen statt seiner einen Journalisten einzustellen...

Chrissi244
 
00
17.10.2011, 07:49
Klar garantieren

die für Spareinlagen. In D liefe auch mal die These: Die Renten sind sicher ... ;-).

Und "Run auf Banken" ... ich glaube zwar auch nicht wirklich, dass dies geschehen wir, aber für einen Tag die mögliche freie Kohle aus dem System zu holen wäre ja schon mal zumindest ein Warschuss vor den Bug ... darum geht es ja letztlich.

hanfman1951
00
14.10.2011, 17:32
Ist zwar aus Deutschland aber man sollte IHN kennen

http://www.youtube.com/watch?v=9... ture=feedu

hanfman1951
00
14.10.2011, 16:18
Man spricht ja immer, das wenn die Banken in Griechenland/der Staat pleite gehen,

das sich ganz Europa damit in die Krise zieht. Und diese wird nur durch, die Banken, die immer noch gegen Griechenland, Irland, Portugal und "seit neuem" Spanien und Italien wetten, verschlimmert. (wobei "seit neuem" auch nicht ganz Wahr ist, weil das eigentlich schon all-zeit bekannt ist das diese Länder Problem haben) Im Bezug auf Banken könnte man auch Börse sagen, den der unterschied ist gering. Es wird meines Erachtens ohne Schuldenschnitt, aber einen Kompletten nicht nur Pleiteländer sondern einfach jedes Euroland bzw eigentlich die ganze Welt, nicht möglich sein aus dieser Krise heraus zu kommen aus dem ganz einfachem Grund, weil sich Zinsen nicht zurückzahlen lassen ohne Geld. Nur dazu haben Politiker nicht die Eier das umzusetzen.

oachkatzlschwoaf
01
16.10.2011, 18:52
Banken - Börse - Politik

Sie werfen sehr viele volkswirtschaftliche Begriffe in einen Topf. Die Aufgaben speziell der Ö Banken, unterscheiden sich gravierend von denen der Börse. Eine klassische Retailbank (wie Sparkassen, Vbk und Raibas) sammelt hautsächlich Spareinlagen ein, um Kredite vergeben zu können.

Auch das Wort Spekulation wird sehr strapaziert. Ist es Spekulation, wenn eine Bank eine Zinsmeinung für das kommende Jahr hat und dem entsprechend handelt oder wenn Sie für Ihren privaten Haushalt jetzt das Heizöl einkaufen, weil Sie davon ausgehen, dass es in den nächsten Monaten teurer wird.

Der Politik gelingt es leider nicht, tatsächliche Spekulationen zu unterbinden anstatt die Kreditvergabe zu erschweren.

Mathias Steinlaus
 
00
14.10.2011, 09:59
Einen Run auf die Banken wird es keinesfalls geben, weil es kein Land in Europa gibt, das nicht die Spargelder garantiert“, beruhigt Stepic.

Logisch, stimmt aber nur, wenn ich nicht mehr als 20.000 Euro auf dem Sparkonto liegen hab - zumindest in Österreich ist das der maximale Betrag, den die Republik garantiert, wenn die Bank pleite geht!

Wer richtig viel Geld hat, hat seine Sparkonto sowieso schon in der Schweiz, im Lichtenstein oder in Luxemburg ..

gue galie
00
14.10.2011, 06:33

wir müssen die grossbanken zerschlagen und gewissenlose banker wie herrn treichel vor gericht stellen. es geht um die demokratie und das ist diesem herrn so was von egal.

Die Tibetanische Gebetsmühle
 
00
13.10.2011, 18:12
Das ist eine sehr treffende Analyse des Hrn. Stepic

aber hat er darin auch die dritte Krise, nach Banken und Staaten berücksichtigt, nämlich die Krise der überschuldeten privaten Haushalte?

smeki
02
13.10.2011, 18:05

Werbespot der Raiffeisen in Ungarn 2007: http://youtu.be/OjXl61uKq8c

Mostbluzza
00
14.10.2011, 08:50
ja der subprime stepic

wie soll der wissen, was giebelkreuzler auf ungarisch so anstellen ... oder was politisch in der ukraine los ist oder dass rumänien auf korruption und schwarzgeld aufgebaut ist. wenn man von alle dem so weit weg ist im wiener office ...

Phoenixx
 
00
13.10.2011, 17:55
Run auf Banken - Ja oder Nein

Wir werden es ja sehen. Bis jetzt ist alles anders gekommen wie vermutet und angepeilt...

Armin Bierbauer
02
13.10.2011, 17:47

"Über den Vergleich mit den 30er Jahren bin ich extrem unglücklich, weil dieser Vergleich die Sorgen der Bevölkerung vergrössert - eine Bevölkerung die mit volkswirtschaftlichen Belangen nichts am Hut hat, sie auch nicht versteht..."
- Herbert Stepic

"It is well enough that people of the nation do not understand our banking and money system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning."
- Henry Ford

filos xenos
14
13.10.2011, 16:33
Das ist keine Bankenkrise und auch keine Staatskrise

Das ist eine Geldsystemkrise!

Mostbluzza
01
13.10.2011, 16:57
yep, darum bekommen wir eine rettung a la usa

mit bazookas und echten billionen, in welcher form auch immer, verteilt auf fonds und bonds und blablabla.

dieses mal lässt man es krachen, mit der hoffnung auf buchgewinne wie bei der fed. den banken schwants, dass sich die staaten einnisten, ackermann will lieber firmenteile verkaufen, als merkel im bett.

auch paulson hat damals die banken erpresst, das staatsgeld zu nehmen. ob unsere das durchkriegen ist fraglich, die deutschen eher.

ja diesesmal, wird nicht gekleckert. als raiffeisen, erste banke würde ich mir 4,5 mia zusammenklauben, am markt, von der familie, sonst sitzt fekterleins beamter mit am tisch, bei der boniverteilung. stören würds mich wenig. überleben heissts.

Mostbluzza
01
13.10.2011, 15:59
die halbwertszeit der märchen

wird immer kürzer. das macht keinen spass als senf reinmischer. da überlegt man, schreibt man und eigentlich ist es eh humbug, weil man weiss, dass gelogen wird was geht und selbst fachlich die herren ziemlich ... herunten sind, fürs volk natürlich, sonst verstehts keiner.

http://www.handelsblatt.com/unternehm... 50848.html

da redma tacheles, danke liebes internet. bei uns wird halt bissl rumgeschwanert und dann "abgecasht", direkt vom staat oder indirekt. still und leise durchs parlament, ein reiner formalakt. verf.gerichte brauchen wir keine, wo kein ankläger da ....

drum ist alles easy hier bei uns. schön.

De omnibus dubitandum
14
13.10.2011, 15:29
Falsch! Dies ist eine Systemkrise!

Nehmt den Griechen bitte nicht das letzte weg womit sie ihr Land wieder aufbauen können.
privatisieren kommt vom lat. privare (= berauben) und das trifft immer zu! Jede Privatisierung sorgt für einen Wegfall des sozialen Auftrags und öffnet Tür und Tor für Spekulanten und Profitgeiger!
Alles Geld sind Schuldscheine die irgendwann beglichen werden MÜSSEN.
Schulden beglichen -> Wert =0
-> Banken machen Geld ex nihilo und verkaufen Schulden

siehe auch www.wissensmanufaktur.net/

Chrissi244
 
00
17.10.2011, 07:52
Den Griechen wird

ja tatsächlich gar nichts weggenommen. Was sie ausgeben sind ihre Trashpapier und sonst gar nichts. An ihre Goldreserven, die sie ständig munter ergänzen (insbesondere jetzt) mit unseren Geldern geht keine Sau. Und das wären in der Tat einmal ECHTE Sicherheiten.

abcdefghij
01
13.10.2011, 15:28

immer das gegenteil von den aussagen der bankster anzunehmen, ist wohl in bezug auf erhalt des eigenen vermögens das beste.

madathara
32
13.10.2011, 14:04

zitat: "griechenland hat ca. 140mrd staatsbesitzvermögen. dieses gehört privatisiert"

damit dieses volksvermögen den banken in den rachen geschmissen werden kann. das ist enteignung des volkes. und dieser mann regt sich über bankenenteignung durch die ungarische regierung auf? jeder kehr vor seiner eigenen tür.

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