"Starkes Werben ist ein Zeichen für Wettbewerb"

Interview12. Oktober 2011, 17:30
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Orange-Chef Michael Krammer sieht den Wettbewerb in der Strom­branche im Vergleich zum Telekombereich schwach ausgeprägt

Orange-Chef Michael Krammer sieht den Wettbewerb in der Strombranche im Vergleich zum Telekombereich schwach ausgeprägt. Warum er dennoch nicht wechseln möchte, sagte er Günther Strobl.

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STANDARD: Würden Sie lieber in der Strombranche arbeiten?

Krammer: Ich mag den Wettbewerb, darum würde ich es nicht sehr schätzen, dort zu arbeiten.

STANDARD: Strom- wie Telekommarkt sind liberalisiert, die Unterschiede sind enorm. Woran liegt's?

Krammer: Über den Strommarkt kann ich nur als Kunde sprechen. Zu Hause haben wir erstmals über den Strompreis gesprochen, als der Verbund die Umstiegskampagne gemacht hat. Wir haben gewechselt. Einen Monat später gab es eine 20-prozentige Preiserhöhung. So etwas ginge bei uns nicht. Der Wettbewerb ist so intensiv, Kunden würden wechseln.

STANDARD: Was ist bei Strom so anders als in der Telefonie?

Krammer: Grundsätzlich nicht viel. Wir betreiben beide Netze, die Menschen verbrauchen Kapazitäten - Kilowattstunden bei Strom, Megabytes beim Telefon. Bei uns ist es so, dass wir auch die Endgeräte verkaufen und die Nutzung durch Subvention der Mobiltelefone stimulieren. Das Endgerät ist quasi Bestandteil des Wettbewerbs, in der Stromwirtschaft ja nicht. Sonst müssten Waschmaschinen und andere Elektrogeräte auch gestützt werden, um die Nutzung zu stimulieren.

STANDARD: War die viele Technik, die mit der Liberalisierung im Telekombereich Einzug gehalten hat, ein Stimulans für den Wettbewerb?

Krammer: Bei uns ist die Interaktion zwischen Netz und Endgerät wesentlich stärker als bei Strom. Innovationen bei Endgeräten brauchen ein gutes Netz. Ist das nicht der Fall, kann ich das Gerät nicht verkaufen. Strom ist Strom, Innovation spielt da für die Interaktion mit dem Netz keine Rolle.

STANDARD: Handyfirmen werben deutlich mehr als Stromversorger.

Krammer: Starkes Werben ist ein Zeichen, dass es Wettbewerb gibt.

STANDARD: Wenn es starken Wettbewerb gibt, muss sich jeder Anbieter anstrengen, auch werbemäßig?

Krammer: Ja, wettbewerbsintensive Branchen im Massenmarkt sind auch werbeintensiv. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2011)

 

MICHAEL KRAMMER (51) ist Chef des Mobilfunkanbieters Orange Österreich. Er begann seine Karriere beim ÖAMTC, werkte bei T-Mobile, sanierte Telering und war knapp ein Jahr Geschäftsführer von E-Plus in Deutschland. Krammer ist verheiratet und hat drei Kinder.

  • Michael Krammer: "Bei uns ist die Interaktion zwischen Netz und Endgerät wesentlich stärker als bei Strom."
    foto: orange

    Michael Krammer: "Bei uns ist die Interaktion zwischen Netz und Endgerät wesentlich stärker als bei Strom."

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