Volle Ladung Diesel

14. Oktober 2011, 19:47
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Hat Peugeot es also tatsächlich hinbekommen: Erster zu werden im Bestreben, Diesel und Elektromotor gedeihlich zusammenzufügen. Andreas Stockinger fuhr den 3008 HYbrid4

War zu Zeiten Caesars den Kühen die Milch noch sauer geworden, wenn der gallische Barde Troubadix atonal stimmbandraspelnd und schändend durch Aremorica zog, krächz, pliiing, so besteht heute im selben Landstrich, der inzwischen Bretagne heißt und in dem selbst die Bezeichnung Dolm eine etwas andere Bedeutung (megalithisches Ganggrab nämlich) hat als in Österreich, weniger Gefahr. Ausgesprochen harmonisch nämlich, was Peugeot da anstimmt, das ergab der Lokalaugenschein, sprich: die allererste Ausfahrt mit dem per Frühjahr 2012 einsatzbereiten allerersten Diesel-Hybrid-Mobil der Welt, dem 3008 mit dem eigenartig geschreibselten Zusatz HYbrid4; kostet ab 36.950 €. 99 Gramm CO2-Ausstoß auf 100 km, was einem Verbrauch von 3,8 l/100 km im Normtestzyklus entspricht: Da blieben sogar die satten Wiesen sauber; die Austernbänke sowieso, weil, warum sollte sich so ein Löwe mit doppeltem Herzen in den Atlantik verirren.

Diesel und Hybrid. Die Autowelt lebt ja (auch) von Ankündigungen und Versprechen. Diese da hat Peugeot gehalten. Wir bauen das erste Serienhybridauto der Welt, jawollja, bei dem die Hauptantriebslast nach Selbstzünderprinzip erfolgt, weiland erfunden vom berühmten Franzosen Rudolphe Diësel. Bald schon, hier das nächste Versprechen, werden wir auf Plug-in erweitern. Und überhaupt ganz viele Modelle mit der jetzt vorgestellten HYbrid4-Technik bringen, zu der neben E- und Dieselmotor selbstverständlich Start-Stopp und ein elektronisch geregeltes sequenzielles 6-Gang-Getriebe zählt, dessen Schwachpunkt, das doofe Ruckeln, die Ingenieure weitgehend entschärfen konnten. 2012 als Nächste dran sind dann Peugeot 508 RXH und Citroën DS5, das bringt Stückzahlen und treibt die Kosten, aber nach unten.

3008 HYbrid4. 2,0 HDi (163 PS) und Permanentmagnet-Synchron-E-Motor (37 PS) ergeben 200 PS sowie 450 Nm Systemleistung. Der Diesel berichtet brav nach vorne (Frontantrieb), der E-Motor nach hinten (Hinterachse), bei 4WD werken beide Motoren gedeihlich zusammen, klappt erfreulich harmonisch, und im rein elektrischen Antriebsmodus lässt sich dieser 3008 kurzfristig sogar als Hecktriebler fahren, bis 70 km/h, und die meisten Kleinstädte, die wir bei besagtem Erstkontakt in Asterix' own country durchfuhren, schafften wir mit ZEV, schönes französisches Kürzel (Zero Emission Vehicle). Funktioniert echt gut, Kompliment, Peugeot. Bei spätsommerlichen Oktobertemperaturen um die 30 Grad zeigte sich aber auch gnadenlos die Schwäche des Systems: Die Klimaanlage dreht im ZEV-Modus rigoros die Leistung runter, schlagartig heizt sich der Innenraum auf. Bei Diesel-Fahrt wird's dann rasch wieder kühl, man krieg also ständig kalt-warm.

Die Nickel-Metallhydrid-Batterie ist unter der Kofferraumladekante verbaut, allzu viele Hinkelsteine passen in diesen 3008 deshalb nicht mehr rein, die Zusatztechnik braucht ihren Platz: Statt 656 l Volumen gehen sich nur 377 aus. Und Abspeckkur ist so eine Hybridsache auch nicht gerade. Gegenüber dem gewöhnlichen 3008 mit 2,0 HDi (163 PS) kommen etliche Pfunde hinzu, statt 1626 kg Leergewicht meldet das Datenblatt 1733. Wenn der Fahreindruck etwas in Richtung Behäbigkeit tendiert, der ökologisch korrekte Hüftspeck wäre die Erklärung dafür. Da Peugeot straff gefedert hat, braucht man in Kurven keine unbeabsichtigten Kursänderungen befürchten - allerdings wirkt das Fahrwerk bei Fahrbahnunebenheiten ein bisserl holprig, mal sehen, wie sich das auf Wiener Kopfsteinpflaster anfühlen und -hören wird.

Im wahren Autoleben dürfte man sich übrigens auf Verbrauchswerte von 5,5 bis 6,0 l/100 km einstellen können. Das zumindest waren die häufigsten Durchschnittswerte bei den Aremorica-Testfahrten. Und jetzt: "Wirt! Noch ein Wildschwein, bitte!" "Für mich auch zwei!" (Andreas Stockinger/DER STANDARD/rondoMobil/Oktober 2011)

  • Das wär doch was, dachte sich Peugeot: den effizientesten Verbrennungsmotor, den Diesel, mit einem elektrischen und einer Hochleistungsbatterie zu kombinieren.
    foto: werk

    Das wär doch was, dachte sich Peugeot: den effizientesten Verbrennungsmotor, den Diesel, mit einem elektrischen und einer Hochleistungsbatterie zu kombinieren.

  • Da sähen selbst Benzin-Hybride blass aus. Das tun sie dann also ab Frühjahr.
    foto: werk

    Da sähen selbst Benzin-Hybride blass aus. Das tun sie dann also ab Frühjahr.

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