Neues Lehrer-Dienstrecht verzögert sich bis Sommer 2012

12. Oktober 2011, 11:15

Urspüngliches Ziel der Einigung bis Jahresende verworfen - Neues Dienstrecht für Lehrende an Pädagogischen Hochschulen geht in Begutachtung

Wien - Der Weg ist bekanntlich das Ziel - und der stellte sich beim neuen Lehrer-Dienstrecht bisher als steinig heraus. Nach Verwerfen des ursprünglichen Ziels, das neue Dienstrecht für die etwa 120.000 Lehrer in Österreich bis Ende des Jahres auszuverhandeln, nannte Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Mittwoch die Mitte des kommenden Jahres als neuen Ziel-Termin für die angedachte Einigung. "Wir haben den Ehrgeiz, bis Sommer fertig zu sein", so Schmied, "immerhin wollen wir es ja auch noch umsetzen". Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ortet "gutes Einvernehmen zwischen der Dienstgeberseite und den Gewerkschaften".

Orientierung an Universitäten

Einfacher scheint das mit den Lehrenden an Pädagogischen Hochschulen (PH) zu funktionieren: Ihr neues Dienst- und Besoldungsrecht geht heute, Mittwoch - eine Woche nach Schmieds Vorstellung eines "großem Reformpakets" für die PH - in Begutachtung und soll ab September 2012 wirksam werden. Anders als beim Dienstrecht für die Lehrer an Schulen soll es für alle und damit nicht nur für die neu eintretenden Lehrer an den PH und damit rund 1.200 Personen gelten. Mit dem Gesetzesentwurf soll eine "Abkehr vom traditionellen Lehrerdienstrecht" vollzogen werden, so Schmied. Dabei orientiere man sich verstärkt an den Universitäten, was auch die Kooperation mit ebendiesen erleichtern soll.

Weniger Urlaub

So sieht der Entwurf analog zum Dienstrecht an den Unis künftig fünf Wochen Urlaub (bzw. sechs Wochen für Dienstältere) statt der bisherigen Ferienregelung vor. "Wir stellen die PH-Lehrenden damit den Angestellten in der Privatwirtschaft gleich", so Heinisch-Hosek. Durch das Jahresarbeitszeitmodell ist laut Schmied auch verstärkt Fortbildung für Lehrer in den Ferienmonaten außerhalb der Unterrichtszeit möglich. Das Grundgehalt der Lehrenden bleibt gleich, für Mehrleistungen wie Forschungstätigkeiten soll es zusätzlich "All-in-Zulagen" geben; auch eine Leistungsentlohnung in Form von Prämien ist angedacht.

Forschungstätigkeit

Nachdem Schmied bereits vergangene Woche betont hatte, die Forschungskompetenz an den PH stärken zu wollen, sieht der Gesetzesentwurf nun auch die Möglichkeit von Freistellungen für Forschungstätigkeiten vor. Eine Anstellung an der PH soll künftig auch für "Quereinsteiger" ohne Lehramtsausbildung, beispielsweise von einer Uni, möglich sein. Im Rahmen eines befristeten Dienstverhältnisses sollen auch Assistentenstellen geschaffen werden. (APA)

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Bortolino
00
19.10.2011, 13:57
Falsche Reihenfolge: Zuerst integriertes LehrerInnenausbildungskonzept von UNIs und PHs

Dann, daraus abgeleitet (!), ein neues Dienstrecht für PH-Lehrende.

Dr_Olaf
 
00
17.10.2011, 19:16
Unkündbarkeit?

Bei der Durchsicht der Kommentare frage ich mich immer mehr, wo denn das Märchen von dieser mystischen, dem Lehrerstand vorbehaltenen "Unkündbarkeit" herkommt. Die Direktoren die ich kenne, trennen sich üblicherweise spätestens mit dem jeweils kommenden Schujahr von unfähigen Kollegen, bzw. bestehen solche Exemplare in einem engagierten Team ohnehin nicht lange.

*Andreas*
00
18.10.2011, 12:34

Weil die persönliche Erfahrung oft das Gegenteil lehrt. Auch mich: 2 AHS Lehrer, die meiner Meinung nach aus dem Schuldienst entfernt gehören, sowie eine VS-Lehrerin.

Und - ebenfalls aus persönlicher Erfahrung - war da nicht viel zu machen, und das trotz des teilweise vehemente Engagements von Seiten der Eltern. Von einer funktionierenden Kontrolle des Systems selbst (Landesschulrat, etc.) einmal ganz zu schweigen, die haben nämlich alle keinen Finger gerührt.

Dr_Olaf
 
01
18.10.2011, 16:05
Dann müssten auch

die Spar- Mitarbeiter unkündbar sein. Zumindest muss ich mittlerweile schon 4 Jahre in dasselbe gelangweilte Gesicht schauen, welches gerade einmal ein "Tag" rausbringt. Und falsch herausgegeben hat mir die Dame auch schon des öfteren. Aber vielleicht hat sich auch nur noch niemand beschwert…

*Andreas*
00
18.10.2011, 16:12

Und nur als Nebenbemerkung: In jedem Job, den ich bisher hatte, wären diese drei Lehrer gekündigt worden. Mindestens einer fristlos.

Bei Lehrern "kann man nichts machen".

Dr_Olaf
 
00
18.10.2011, 17:27

Das glaube ich Ihnen gerne. Und ich kann mir auch vorstellen, dass es wirklich manche Lehrer gibt, die man "nicht los wird", ich kann nur vermuten dass das an Nachlässigkeit seitens des Schulleiters (LSR oder dergleichen hat da meines Erachtens nichts mitzureden, so selten wie die vor Ort sind) oder evtl daran, dass der betroffene Lehrer sich außerhalb des Unterrichts besonders für die Schule engagiert (Neztwerkbetreuung u.ä.) und man ihn deshalb nicht entfernen möchte (was ich nicht gutheisse)
Und des weiteren denke ich auch, dass es genug Betriebe gibt, die Entfaltungsmöglichkeiten für Unbrauchbare bieten und sie über Jahre hinweg halten.

*Andreas*
00
18.10.2011, 22:48

Zusammen mit der Tatsache, dass ältere Lehrer noch teilweise pragmatisiert sind und mit solchen Geschichten, von denen viele ein paar kennen, taucht der Glaube von der "Unkündbarkeit" auf. Und wenn man einen Lehrer wirklich nicht wegbekommt, ist er ja irgendwie unkündbar, wenn auch nicht de iure, sondern de facto.

Die VS-Lehrerin hatte übrigens keine Konsequenzen zu befürchten, die hatte über den Terror auf die Schüler Druckmittel genug. Ein AHS-Lehrer bekam weniger Klassen, die andere bekam keine Maturaklassen mehr.

Es ist gar nicht so wichtig, wer daran Schuld ist. Das werden schon nicht "die Lehrer" sein, sondern "das System". Und man fragt sich halt, wozu ein LSR oder Schulinspektor da ist, wenn er nie vor Ort ist...

D/E
00
18.10.2011, 17:48
Ich denke auch, dass man sehr vorsichtig sein sollte mit Punzierungen wie "gut" und "schlecht".

Heutzutage scheitern einfach zu viele an kurzfristigen, systembedingten Problemen. Die einfach vor die Tür zu setzen bringt nichts.

M. E. fehlt in der Schule ein kooperatives Management, das Unterstützung bietet, wenn sie gebraucht wird. Davon ist bei den heutigen Schulaufsichtsbeamten (!) selten etwas zu merken.

Ein noch so engagierter Lehrer hat manchmal keinen Erfolg (etwa, weil er gerade selbst Probleme hat oder bei bestimmten Schülern einfach nicht ankommt). Ihm deshalb mit Verlust des Arbeitsplatzes zu drohen ist sicher keine Lösung.

Schließlich wirkt Angst um den Arbeitsplatz (wie sie zumindest früher bei Junglehrern ziemlich verbreitet war) ganz bestimmt nicht leistungsfördernd.

*Andreas*
00
18.10.2011, 23:02

Es geht nicht um "gut" oder "schlecht" - es geht um die Erfüllung der Mindestanforderung. Einem Lehrer, der einfach seinen Job macht ist noch lange kein guter Lehrer - aber das sollte reichen.

Wie Sie schon so oft sagten: Es gibt auch in anderen Berufen "wenig talentierte". Aber solange derjenige die Mindestanforderung erfüllt, passt das.

Wenn ich Lehrer kritisiere, dann immer, wenn es dort mangelt. Ich hatte so einige Lehrer, die haben sich bemüht, aber sie konnten halt nicht gut erklären. Mein Gott, niemand ist perfekt. Wer weiß, wie andere über meine Arbeit denken.

D.h. ein normaler engagierter Lehrer sollte nicht um seinen Arbeitsplatz fürchten müssen. Und eine faire Kontrolle berücksichtigt auch begleitende Umstände.

D/E
00
18.10.2011, 17:53
Ich habe übrigens in meinem näheren Umfeld erlebt, wie

tatsächlich untragbare Lehrer ihren Arbeitsplatz verloren haben.

Das war nicht sonderlich erbaulich, ging allerdings recht rasch.

D/E
00
18.10.2011, 18:45
Heute kommt allerdings hinzu,

dass kaum noch Ersatz zu finden ist, d. h. wer einen Lehrer entfernt, muss entweder eine Stelle aussupplieren oder womöglich jemanden nehmen, der erst recht Probleme hat.

Manchmal hilft ja der Schulwechsel, aber etliche Leute wird man nur los, indem man sie hinauf lobt. Das erklärt die Zusammensetzung so mancher Büromannschaft in LSR und Ministerium.

Feuergeist
 
00
19.10.2011, 15:45
Das ist leider in der Privatwirtschaft auch so.

Vor Allem in betrieben wo die Gewerkschaft stark ist. Da werden unfähige Leute, die meist auch Gewerkschaftler sind (und event. Betriebsrat) nach oben weiter geschoben.
Bitte: das soll kein allgemeiner Angriff auf Gewerkschaftler und Betriebsräte sein. Ich kenn auch etliche gute Leute

*Andreas*
00
18.10.2011, 23:08

Ich stimme natürlich zu, dass der Lehrermangel ein Problem ist.

Das ist ein reines Problem der Kurzsichtigkeit im Ministerium. Lehrer sind Akademiker und wollen halt ach ordentlich bezahlt werden. Und wenn man dann auch noch jahrelang verkündet, dass man als Lehrer ja eh keinen Job bekommt...

*Andreas*
00
18.10.2011, 23:05

Zuerst einmal: Wenn ein Lehrer gekündigt werden muss, dann stimmt schon etwas Gröberes nicht. Niemand sollte ja gekündigt werden, weil er schlecht erklären kann, oder weil er in einem Jahrgang einmal schlechtere Schüler hat.

Würden Sie einen Arzt, der einen Kunstfehler begangen hat, der womöglich sogar schon mehrere Chancen und Ermahnungen hinter sich hat, weiter beschäftigen? Richtig, es wäre schon nach dem ersten Kunstfehler Schluss. Bei einem Lehrer ist es nicht um Leben oder Tod, aber er ist dennoch ein Akademiker, wo ich eine hohe Messlatte anlegen würde. Kein Ersatz ist also ein schlechtes Argument.

D/E
00
19.10.2011, 09:21
Abgesehen davon, dass Vergleiche zwischen Berufen nicht sonderlich aussagekräftig sind:

Ein ärztlicher Kunstfehler (sofern er überhaupt bewiesen werden kann) ist als besonders schweres Vergehen nur noch mit sehr schweren Dienstverfehlungen eines Lehrers vergleichbar -- die ganz sicher zu einer Disziplinarstrafe führen.

"Unfähigkeit" ist ja nicht ganz leicht beweisbar. Auch nicht in der gerühmten Privatwirtschaft. Da trennt man sich von leitenden Angestellten ja auch prinzipiell einvernehmlich und tut vorher lange alles Mögliche, um das Offenkundigwerden einer falschen Personalentscheidung zu verhindern.

D/E
00
19.10.2011, 18:29
Und hier ein konkretes Beispiel dafür, wie streng das Disziplinarrecht ist:

http://derstandard.at/131702004... r-Kollegin

Wohlgemerkt, es lag keinerlei strafbare Handlung vor!

Dr_Olaf
 
00
18.10.2011, 21:18

Stimme uneingeschränkt zu.
Erlebe es selbt immer wieder wie Direktoren händeringend Leute suchen (wenn sie überhaupt einmal die Werteinheiten genehmigt bekommen). Da überlegt man es sich sicher zweimal sich von jemandem zu trennen, besonders wenn der/diejenige eine gefragte Fächerkombination hat.

*Andreas*
00
18.10.2011, 16:10

Nein. Die 3 angesprochenen Lehrer waren die ABSOLUT untragbaren, die mir in meiner Schulzeit untergekommen sind. Auf die Spar-Mitarbeiter umgelegt wären das die, die Kunden beschimpfen.

Dazu kommen noch 5-6 weitere "schlechte Lehrer", die ich natürlich nicht kündigen würde. Aber eventuell ein wenig Druck, dass sie ihre Pflichten wieder ordentlich erfüllen, könnte nicht schaden. Das sind eventuell die von Ihnen angesprochenen Spar-Mitarbeiter.

Und dann gab es noch sicher 6-7 Lehrer, die OK waren. Sicher nicht gut, aber man kann ihnen nichts vorwerfen: Sie machen ihren Job.

Alle anderen Lehrer, die mir begegnet sind, waren top.

Murmelchen1
00
18.10.2011, 18:01
Ich kann diese Eindrücke nicht bestätigen -

an meiner Schule sind in den letzten 10 Jahren 4 Lehrer "gegangen" worden und 2 fast (die haben sich mittlerweile ganz schön am Riemen gerissen) - das alles mit großer Unterstützung bzw. in einem Fall sogar auf Betreiben der Personalvertretung.

*Andreas*
00
18.10.2011, 23:08

Wird wohl regional sehr unterschiedlich sein.

Murmelchen1
00
19.10.2011, 18:42
Ich glaube, das ist von Schule zu Schule unterschiedlich -

in der einen hat der Direktor Rückgrad und traut sich halt auch über unpopuläre Entscheidungen, in der nächsten ist es ein Parteibüchldirektor, der keine eigene Meinung hat.

Dr_Olaf
 
00
18.10.2011, 16:02
Dann müüsten auchg

D/E
00
18.10.2011, 13:10
Na ja, wenn Sie es sagen,

muss der natürlich sofort fliegen.

*Andreas*
00
18.10.2011, 14:06

Klar kann man meine Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen. Viel Spaß dabei!

Man darf sich halt nicht wundern, wenn die Kritiker immer dreister werden, weil sie anders nicht gehört werden. Das nächste Mal, wenn die Lehrer von der Regierung was reingedrückt bekommen und die Bevölkerung dazu applaudiert, denken Sie bitte genau an das hier jetzt.

D/E
00
18.10.2011, 16:22
Ehrlich gesagt, gedenke ich

Ihrer Ergüsse möglichst wenig zu gedenken.

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