Die Plattform Workstations des Querdenkers Reinhard Herrmann im Wuk wird zehn Jahre alt
Wien - Es herrscht Jubiläumsstimmung im 30-jährigen Werkstätten- und Kulturhaus. Wie das Wuk, feiert auch der dort ansässige Verein Workstations Geburtstag. Er wurde vor zehn Jahren von Reinhard Herrmann ins Leben gerufen.
Herrmann, der ursprünglich eine Lehrer-Ausbildung für Werken und Bildnerische Erziehung machte, war schon in den 80ern bei der Wuk-Gründungsinitiative dabei. Im Jahr 2000 gestaltete er mit Kollegen den Aktivspielplatz an der Roßauer Lände. Als sich bei dem Projekt viele Kinder und Jugendliche freiwillig einbrachten und mitwerkten, war er von ihrem Engagement und ihrer Fantasie begeistert. Davon inspiriert gründete er Workstations. Sein Verein bietet zahlreiche Kreativworkshops für junge Menschen an, zumeist in den Ferien. Hier können die Teilnehmer mit professionellen Geräten verschiedenste Materialien wie Holz, Speckstein oder Metall bearbeiten und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Dabei wurden schon zahlreiche kleine Kunstwerke geschaffen.
Schule für die Lehrer
Es ist Herrmann ein besonderes Anliegen, jungen Leuten bei der Gestaltung von öffentlichen Räumen Mitsprache, Mitbestimmung und Mitarbeit zu verschaffen. So wurden unter anderem ein Mehrzweckraum im Jugendzentrum Marktgasse und ein Bauspielplatz im Draschepark realisiert. Dies gilt aber auch fürs Klassenzimmer: "In Österreich glaubt man, dass die Schule für die Lehrer da ist", kritisiert Reinhard Herrmann und meint damit, dass auf die individuellen Interessen der Schüler kaum eingegangen wird.
Die Workstations haben auch schon Kooperationen mit Schulen vorzuweisen. Mit der HWL Tulln wurde ein Klassenprojekt zur Lernraumgestaltung durchgeführt. In der Volksschule "Schule im Park" wurde der Schulhof verschönert. Der Vereinsleiter würde sich mehr solcher Kooperationen wünschen, dafür fehle es aber in den Schulen sowohl an Geld als auch an Zeit. Zudem ist ihm der Mangel an Motivation und Flexibilität vonseiten der Lehrer ein Dorn im Auge.
"Kreativität und Querdenken in der Schule ist nicht erwünscht. Da winkt gleich eine Betragensnote." Überhaupt ortet Herrmann in der Schulpolitik große Probleme: "Wenn Wirtschaft so funktionieren würde wie das Schulsystem, dann würde sie zusammenbrechen. Die reale Welt funktioniert nicht im Stundentakt."
Herrmann ist der Meinung, dass man nicht immer nur die Fehler beheben, sondern mehr die Stärken und Interessen der Schüler fördern sollte. "Das System müsste durchlässiger sein, die Entscheidung über den Bildungsweg kommt mit 14 viel zu früh, da hat man andere Probleme."
Ein ideales Bildungssystem würde für ihn die Vernetzung verschiedenster Institutionen beinhalten. Der Vater eines Gymnasiasten kann sich auch vorstellen, seine Bildungskritik publizistisch aufzuarbeiten. Für die Workstations strebt er ein eigenes, unabhängiges Zentrum und eine mobile Werkstätte an. (Tarek Diebäcker, Thomas Kriz, DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2011)